Am Tegernsee 

Er kämpfte für sein Geisterhotel, bis ihn die Kräfte verließen - Josef Lederer ist tot

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Josef Lederer 2017 vor dem Eingang des Hotels.

Josef Lederer war ein Kämpfer. Um sein Hotel zu retten, hat er medialen Wirbel entfacht, bis die Kräfte ihn verließen. In aller Stille wurde er auf dem Wiesseer Friedhof beerdigt.

Bad Wiessee–  Josef Lederer ist am 24. August gestorben, im Alter von 80 Jahren. Es gab keine Anzeige, die seinen Tod verkündete. In aller Stille trugen die Angehörigen den Ex-Hotelier am 28. August zu Grabe. Auch kein Vertreter der Gemeinde Bad Wiessee war zugegen, obwohl Lederer zwölf Jahre lang, von 1990 bis 2002, als äußerst aktiver Vertreter der Bürgergemeinschaft Bad Wiessee (BBW) dem Gemeinderat angehörte. „Bei der Beerdigung waren keine Gäste erwünscht“, sagt Vize-Bürgermeister Robert Huber. Auf Nachfrage unserer Zeitung hat Huber das Datum des Todes von Lederer bestätigt. Die Erinnerung beschäftigt ihn: „Die ganze Geschichte ist einfach bodenlos traurig.“

Es ist die Geschichte vom Niedergang eines Hotels, das einst das erste Haus am Platze war. Und des Mannes, der all seine Kraft in den Erhalt steckte und doch scheiterte.

Josef Lederer harrte im Geisterhotel am Tegernsee aus

Bis kurz vor dem Abriss im Herbst 2018 hatte Josef Lederer in dem seit 2009 leer stehenden Hotel ausgeharrt. Seit dem Hochwasser 2013 gab es dort keinen Strom. In Lederers Wohnung war es im Winter eiskalt. Aber er wollte die Stellung halten, um zu verhindern, was am Ende nicht zu verhindern war: den Abriss des Hotels, das sein Leben war. „Ich bin hier der letzte Soldat“, sagte er einmal.

Lederer, obwohl schon lange schwer krank, versuchte mit allen

Mitteln, den prägenden Bau am Seeufer zu erhalten. Er ging viele Male vor Gericht, gab Interviews, präsentierte seinen verlorenen Besitz den Fernsehkameras. Dabei gehörte ihm das Anwesen schon seit 2011 nicht mehr. Geblieben war Lederer beim Verkauf ein Wohnrecht bis zum Abriss. Um letzteren abzuwenden, versuchte er, das prägende Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Das misslang – trotz einer besonderen Historie. 

Hotel Lederer am Tegernsee: Im Familienbesitz seit 1936

Josef Lederers Vater hatte das Hotel 1936 gekauft. Damals hieß es noch Hanselbauer und war Schauplatz des Röhm-Putsches gewesen. 1934 verhaftete Adolf Hitler dort SA-Chef Ernst Röhm. Dass Röhm sich gerade dieses Hotel als Urlaubsquartier ausgesucht hatte, war kein Zufall. Der Hanselbauer war das beste Hotel des bei der Prominenz beliebten Kurorts. Der neue Eigentümer gab dem Haus seinen Namen und investierte kräftig. Aber er starb früh. Sein Sohn Josef übernahm das Haus 1967 im Alter von 28 Jahren. Da hatte die Gemeinde Bad Wiessee gerade ein Spielcasino neben dem Hotel hochgezogen.

Lederer sah seinen Betrieb durch den Neubau schwer beeinträchtigt. Viele Jahre lang lag er wegen des Lärms vom Spielbank-Parkplatz mit der Gemeinde im Clinch. Doch nach dem Abriss des Casinos, das seit 2005 am Ortsrand steht, lief es noch schlechter. Lederer blieb die Grundstückslasten schuldig. Im November 2006 strengte die Gemeinde mit der Gläubigerbank ein Zwangsversteigerungsverfahren beim Amtsgericht Wolfratshausen an.

Josef Lederer führte Tegernsee-Hotel bis 2007

Bis 2007 führte Lederer sein Hotel noch selbst. Danach kamen Pächter, die schnell das Handtuch warfen. 2009 reisten die letzten Gäste ab. Beim Verkauf 2011 erhielt Lederer für sein Hotel 6,2 Millionen Euro von der Firma RDR, drei Millionen Euro weniger als erhofft. Die Schuld am Niedergang seines Familienbesitzes gab Lederer der Gemeinde und den Banken.

Heute gehören das Lederer-Areal wie auch das angrenzende Spielbankgrundstück der Familie Strüngmann, die darauf ein edles Hotel und Häuser plant. Lederer lebte in seinem letzten Jahr in einer Wohnung im Zentrum von Bad Wiessee. Ans Telefon ging er nicht mehr.

Geisterhotel vom Tegernsee: Jetzt kann man Inventar kaufen - bevor das „Lederer“ abgerissen wird

Neuer Entwurf für Strüngmann-Hotel: Positives Signal vom Gemeinderat

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