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Am Tegernsee: Brutale Baumfällaktion sorgt für Ärger - „Nachfrage nach Holz sehr groß“

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Von: Gerti Reichl

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Tiefe Furchen wurden zum Abtransport des Holzes in den Bergwald gezogen. Um die Dimension zu zeigen, stellt sich Susanne Heim, Leiterin des Arbeitskreises „Haut der Berge“, hinein.
Tiefe Furchen wurden zum Abtransport des Holzes in den Bergwald gezogen. Um die Dimension zu zeigen, stellt sich Susanne Heim, Leiterin des Arbeitskreises „Haut der Berge“, hinein. © Arbeitskreis „Haut der Berge“.

Die Arbeiten, die die Bayerischen Staatsforsten derzeit im steilen Bergwald im Breitenbachtal bei Bad Wiessee durchführen lassen, sorgen für große Empörung.

Bad Wiessee – Der Forstweg am Breitenbach ist abgeriegelt. Dass der Durchgang wegen Lebensgefahr und unter Androhung einer Geldbuße bei Zuwiderhandlung verboten ist, hat seinen Grund: Im steilen Bergwald lassen die Staatsforsten durch eine Lenggrieser Firma Holzfällarbeiten durchführen. Nicht nur mit Baggern und Häckslern sind die Arbeiter zu Gange. Sie setzen auch Seilbahnen ein, mit denen die Baumstämme durch den Wald gehievt und zum Sammelplatz transportiert werden.

Holzarbeiten am Breitenbach: Zeitpunkt und rüdes Vorgehen in der Kritik

Es sind der Zeitpunkt und die Art und Weise der Arbeiten, die nicht nur den bei der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) angesiedelten Arbeitskreis „Haut der Berge“, sondern auch den Verein „Wildes Bayern“ erzürnen. Zehn ähnliche Fälle hat der Arbeitskreis unter Leitung von Susanne Heim in den vergangenen drei Jahren dokumentiert. Der aktuelle ist für Susanne Heim ein besonders krasser, der als „Pflege des Schutzwaldes“ deklariert werde, aber nichts mit vorbildlicher Bewirtschaftung zu tun habe.

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„Statt mobile Seilbahnstützen aufzubauen, wurden die dicken Stahlseile einfach um gesunde Bäume geschlungen, Kerben hineingesägt und große Löcher hineingebohrt“, berichtet Heim, die am Wochenende, als nicht gearbeitet wurde und der Weg offen war, mit weiteren Arbeitskreismitgliedern den Ort inspizierte, um den Fall zu dokumentieren. „Etwa 50 dieser 60 bis 70 Jahre alten Fichten, Buchen oder Bergahorne wurden dadurch massiv geschädigt, sie werden absterben“, befürchtet Heim.

Holzarbeiten am Breitenbach: „Wertvoller Waldboden zerstört“

Damit nicht genug: Wo der Abtransport der Stämme nicht mit der Seilbahn möglich war, wurden ein- bis anderthalb Meter tiefe Furchen aufgerissen, um sie über den Waldboden ins Tal zu schleifen. „Hunderte Quadratmeter Waldboden wurden so bis auf den nackten Felsen unwiderbringlich zerstört.“ Dass die Stämme dann im Bachbett des Breitenbachs gestapelt wurden, komme noch hinzu. „Bei Starkregen hätte dies durch den Wasserrückstau verheerende Folgen gehabt“, sagt Heim. Die Beteuerung eines Forstbetriebsmitarbeiters, wonach die Stämme nur kurz dort lagern und keine Gefahr bestehen würde, könne sie durch ihre eigenen Beobachtungen widerlegen.

Holz-Zwischenlager im Breitenbach.
Holz-Zwischenlager im Breitenbach. © Arbeitskreis „Haut der Berge“.

Der Arbeitskreis protestiert dagegen, dass wohl nur „aus Gründen der Zeitersparnis und Gewinnoptimierung“ derart rüde in einem FFH-Natura-2000-Gebiet vorgegangen werde, „und das noch dazu in der Vogelbrutzeit“, einem weiteren schweren Vorwurf. Zudem hätte im Vorfeld eine Begehung mit der Unteren Naturschutzbehörde stattfinden müssen, was nicht der Fall gewesen sei.

Tegernsee: Waldarbeiten richten großen Schaden an - Verein erstattet Anzeige

Zeitgleich protestiert der Verein „Wildes Bayern“, der neben den Arbeiten bei Bad Wiessee auch ein Bergwaldprojekt in den Bereichen Traithen bei Bayrischzell und Wendelstein im Visier hat. Vorsitzende Christine Miller sieht in Bad Wiessee neben den Holzarbeiten mittels Seilzugbringung mitten im FFH-Gebiet Flyschberge weitere Verstöße. Dass die Arbeiten mitten in der sensiblen Balz- und Brutzeit der Raufußhühner wie Auer-, Birk- und Haselwild und weiterer Vogelarten stattfinde, hat Miller zum Handeln veranlasst. „Nachdem Wildes Bayern schon seit 2017 jährlich auf Überschreitungen dieser Vorschriften aufmerksam macht, haben wir Anzeige erstattet“, teilt die Vorsitzender in einer Pressemitteilung mit und kündigt an: „Und diesmal werden wir dafür kämpfen, dass der Schaden an der Natur auch wirklich eingestellt und geahndet wird – dauerhaft und nicht nur bis zum nächsten Jahr.“

Tegernsee: Nach Baumfällaktion - Forstbetriebsleiter erklärt Situation

Forstbetriebsleiter Jörg Meyer nimmt auf Nachfrage Stellung: Er befinde sich eigentlich im Urlaub und habe sich daher persönlich noch kein Bild machen können. Meyer weist aber darauf hin, dass es sich nicht um einen kartierten Auerwild-Bereich handle. Zum anderen sei ein Großteil der Fällarbeiten schon im Dezember erfolgt. Nun dränge die Zeit, um die Bäume zu holen. „Zum einen wegen der Borkenkäfergefahr, zum anderen, weil die Nachfrage nach Holz sehr groß sei“, so Meyer.

Bei der ausführenden Firma handle es sich um ein erfahrenes Unternehmen, mit dem man schon öfter zusammengearbeitet habe, so der Betriebsleiter. Bäume als Stützen zu verwenden, sei „ein ganz normales Arbeitsverfahren“. Was die Anzeige des Vereins Wildes Bayern betrifft, so werde er noch ausführlich Stellung nehmen.

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