Prinzen-Jet: Keine Hilfe von der Bundesregierung

München - Das gepfändete Flugzeug des thailändischen Kronprinzen bleibt vorerst am Boden. Thailands Außenminister reiste eigens nach Berlin, konnte aber im Außenamt nichts erreichen.

Der Prinz beantragte am Freitag am Landgericht Landshut eine einstweilige Anordnung gegen die Pfändung. Er weilt mit seiner Entourage im Nobel-Hotel Kempinski am Airport, das mehrheitlich der thailändischen Königsfamilie gehört.

Die Thais argumentieren, die Maschine sei Privateigentum des Prinzen und nicht des Staates. Der Neu-Ulmer Insolvenzverwalter Werner Schneider hatte das Flugzeug am Dienstag pfänden lassen, um damit eine Forderung der 2005 pleite gegangenen Augsburger Walter Bau gegen das südostasiatische Land zu erfüllen. Dabei geht es um den Bau einer Mautautobahn (siehe auch das Interview unten).

Der Fuhrpark des thailändischen Kronprinzen

Der Fuhrpark des thailändischen Kronprinzen

Vajiralongkorn ließ außerdem seinen Außenminister Kasit Piromya nach Berlin fliegen, um dort auf dem diplomatischen Parkett Druck zu machen - ohne Erfolg. 

Ein Eilantrag seiner Anwälte auf Freigabe der Maschine scheiterte zunächst - das Landgericht Landshut traf am Freitag keine Entscheidung. Die Maschine bleibt somit versiegelt auf dem Münchner Flughafen.

Piromya erreichte bei einem Gespräch im Auswärtigen Amt mit Staatsministerin Cornelia Pieper nichts greifbares. Zwar bedauerte Pieper im Namen der Bundesregierung “Unannehmlichkeiten“ für den Kronprinzen. Gleichzeitig machte sie aber deutlich, dass die Regierung nicht helfen kann.

“Der Fall liegt nun in den Händen der unabhängigen deutschen Justiz“, erklärte Pieper. Sie hoffe auch rasche Lösungen. Die Bundesregierung habe Thailand wiederholt gebeten, die offene Forderung zu begleichen. Beide Länder seien willens, den Vorgang nicht zu einer Belastung für ihre Beziehungen werden zu lassen.

Piromya hatte vor seiner Abreise gewarnt, sollte es kein zufriedenstellendes Ergebnis geben, könne dies die deutsch-thailändischen Beziehungen belasten. Er sprach von einem „Riesenfehler“ der Deutschen.

Kronprinz Vajiralongkorn flog die Boeing 737 schon vor sechs Wochen nach München. Er benutzt sie für „Trainingsflüge“ innerhalb Europas, für einen Langstreckenflug nach Thailand und zurück wäre sie zu klein.

Das Landgericht Landshut lehnte den Antrag des Prinzen gestern ab, weil es „derzeit noch nicht ausreichend von der Eigentümerstellung des Antragstellers überzeugt ist.“ Die Vertreter der thailändischen Regierung hätten es abgelehnt, das Flugzeug gegen Zahlung einer Sicherheitsleistung freizugeben, sagte Schneider. Ein neuer Verhandlungstermin solle in der kommenden Woche stattfinden. Der Flieger bleibt also vorerst da.

Interview mit dem zuständigen Insolvenzverwalter: „Es geht um viele Existenzen in Bayern“

Grüß Gott, Herr Schneider. Die Thais machen großen Druck auf dem diplomatischen Parkett ebenso wie bei der Justiz, um die Boeing 737 des Kronzprinzen Vajiralongkorn wieder loszueisen. Beindruckt sie das?

WernerSchneider:Nein. Sie haben jetzt auch in Landshut Klage gegen diePfändungeingereicht. Sie haben so etwas vorgelegt wie einen Fahrzeugschein, der belegen soll, dass das Flugzeug ihm gehört. Wir beharren darauf, dass das Flugzeug dem Staat gehört und haben entsprechende Dokumente vorgelegt.

Worum geht es denn bei der Forderung, die sie mit der Pfändung einlösen wollen?

Schneider: Wir versuchen im Insolvenzverfahren der Walter Bau AG seit vielen Jahren, eine berechtigte Forderung von mehr als30MillionenEurodurchzusetzen.

Woher stammt die?

Schneider: Es geht um den Bau der Autobahn vom Flughafen nach Bangkok. Wir wollen damit aber nicht irgendwelche Großinvestoren abfinden, es geht darum, die Sozialpläne für die ehemaligen Mitarbeiter des Walter Bau Konzerns zu finanzieren. Auch der Pensionssicherungsverein hat Ansprüche. Aber auch die der Lieferanten und Handwerker.

Wo kommen denn die Menschen her, denen sie jetzt zu Geld verhelfen wollen?

Schneider: Da sind viele Existenzen im bayerischen Raum betroffen, zumal die Walter Bau AG ja in Augsburg beheimatet war.

Was wollen Sie mit dem Flugzeug machen, wollen Sie es verkaufen?

Schneider: Nein, wir haben einenAnspruchgegendenThailändischen Staat, den wir durchsetzen wollen. Wir würden uns vom Gericht wünschen, dass die Pfändung gegen die Zahlung einer Sicherheitsleistung von 40 Millionen Euro aufgehoben wird. WE

Johannes Welte

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus
Polizei durchsucht Wohnung von Radldieb und macht gefährliche Entdeckung
Polizei durchsucht Wohnung von Radldieb und macht gefährliche Entdeckung
Mutter und Kinder in Tölz überfahren - So riskant ist die Unfall-Kreuzung
Mutter und Kinder in Tölz überfahren - So riskant ist die Unfall-Kreuzung

Kommentare