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Mann schwört auf Thermosolar: „Warmwasser kostet mich keinen Cent“

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Von: Max Wochinger

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„Warmwasser-Aufbereitung kostet mich keinen Cent“: Manfred Grohotolski, 76, vor seinem Haus in Pullach.
„Warmwasser-Aufbereitung kostet mich keinen Cent“: Manfred Grohotolski, 76, vor seinem Haus in Pullach. © Robert Brouczek

Warmes Wasser mit Sonnenkraft: Manfred Grohotolski aus Pullach schwört auf Thermosolar. Geothermie hingegen hält er für nicht umweltfreundlich.

Pullach/Landkreis – Das Haus von Manfred Grohotolski ist nicht normal, das sehen Besucher schon von Weitem. Dach und Balkon sind zugekleistert mit Solaranlagen. Auch im Garten stehen Paneele herum. In dem gelben Häuschen in Pullach produziert Grohotolski Solarstrom, Warmwasser für Küche und Badezimmer sowie für seine Leistenheizung. 120 Tage im Jahr ist seine zusätzliche Gasheizung ausgeschaltet, der Rest der Energie für seinen Zweipersonenhaushalt kommt vom Himmel: durch Sonnenenergie. „Ich wollte schon immer unabhängig sein“, sagt Grohotolski, 76.

Thermosolar im Landkreis München: Haus wie ein komplexer Organismus

Das Haus des ehemaligen Werkstattmeisters ist aufgebaut wie ein komplexer Organismus: Große Tanks unterhalb des Gartens fangen Regenwasser auf, das läuft filtriert in den Wasserkreislauf des Hauses. Der Kollektor der thermischen Anlage auf dem Dach heizt dieses Wasser auf; es läuft in die 1500-Liter-Wasserspeicher im Keller.

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Hier laufen alle Verbindungen zusammen, es ist der Maschinenraum der dezentralen Energiewende. Vom Untergeschoss schießen Pumpen das erhitzte Regenwasser in die Küche und Badezimmer, auch Heizleisten im Wohnbereich werden damit erwärmt. Die Umwälzpumpen werden angetrieben mit hauseigenen Strom – natürlich von zwei Solarpaneelen auf dem Dach.

Mann integriert schon früh thermische Solaranlage - „Warmwasser kostet mich keinen Cent“

2007 hat Tüftler Grohotolski die thermische Solaranlage in sein Haus integriert, in Eigenregie. 3,6 Kilowattstunden kann die Thermosolaranlage produzieren. Pro Person seien zwei Quadratmeter Solarpaneel für Warmwasser nötig, noch mal zwei für die Heizungsunterstützung, sagt der Hausherr. „Die Warmwasser-Aufbereitung kostet mich keinen Cent.“

Im Maschinenraum: Grohotolski überprüft die Wassertemperatur in den Wasserspeichern im Keller.
Im Maschinenraum: Grohotolski überprüft die Wassertemperatur in den Wasserspeichern im Keller. © brouczek

Geothermie als Flächenlösung ungeeignet

Für den Rentner ist Thermosolar das Nonplusultra: dezentral, klimaschonend, nachhaltig. Geothermie als Flächenlösung hält er für ungeeignet. „Geothermie-Anlagen verbrauchen unglaublich viel Strom“, sagt er. Grohotolski denkt auch an teure Bohrungen und die Straßenbaumaßnahmen, um das Thermalwasser zu den Haushalten zu führen. Der Umbau der Heizungsanlage für Geothermie koste den Endverbraucher in etwa so viel wie eine Thermosolar-Anlage, sagt der Techniker. Laut seiner Aussage rund 15 000 bis 20 000 Euro.

Thermosolar-Anlage: Was bei Ausfällen nötig ist

„Dann kommen noch die sehr kostenintensiven Wartungsmaßnahmen, verbunden mit den Ausfällen so mancher Hochleistungspumpen.“ Niemand erwähne, dass bei Ausfällen der Pumpen mit Öl oder Gas zugeheizt werden müsse.

Tatsächlich mussten in der Geothermie-Anlage in Pullach bereits sechsmal Pumpen ausgetauscht werden – bei einer Laufzeit von 27 Jahren. Das teilte die zuständige Gesellschaft „Innovative Energie für Pullach“ (IEP) auf Nachfrage mit. Die IEP fördert Thermalwasser aus zwei Bohrungen. Die Geothermie Unterschleißheim (GTU) wechselte ihre Pumpe bisher nur einmal aus, die Anlage gibt es seit 18 Jahren.

Zwei Drittel der Wärmeerzeugung kommt von Geothermie

Während des Ausfalls erwärme die GTU die Heizkessel fast ausschließlich mit Erdgas, auch Heizöl komme zum Einsatz, teilt GTU-Vorstand Thomas Stockerl mit. Der durchschnittliche Tagesverbrauch auf das Jahr bezogen liege bei rund 58 Megawattstunden. Zwei Drittel der Wärmeerzeugung stamme aus der Geothermie, so Stockerl.

„Sollte meine Anlage einmal nach etwa 30 Jahren nicht mehr effizient sein, können die Materialien Kupfer, Aluminium, Glas und die Isolierung ohne Probleme recycelt werden“, sagt der Pullacher Grohotolski. Geothermie mache seiner Ansicht nach Sinn für größere Wohnkomplexe in München, nicht aber für Einfamilienhäuser in Pullach. „Denn jedes Haus sollte unabhängig werden.“

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