Mitten auf der Straße gefunden

Wer nimmt Wildsau Schnurli bei sich auf?

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Findel-Schwein Schnurli kuschelt mit Tierschutzverein-Mitarbeiterin Nadine Meixner. Die Wildschwein-Dame sucht ein neues Zuhause.

Weßling - Tanja Nitsche traute ihren Augen nicht, als sie ein Bündel auf der Straße kurz vor Weßling liegen sah: Ein angefahrenes Wildschwein-Baby. Wer kann Schnurli ein neues Zuhause geben?

Es ist ein sonniger Sonntagmittag im Mai, als Tanja Nitsche ein kleines Bündel auf dem Mittelstreifen der Staatsstraße kurz vor Weßling liegen sieht. "Das ist tot", denkt sich die 45-Jährige. "Halt das Auto an", sagt sie zu ihrer Mutter.

Warnblinker rein - und Nitsche springt aus dem Fahrzeug. Jetzt erkennt sie: Es ist ein Wildschwein-Baby, das auf der Straße legt. Die Seefelderin wickelt es in ihre Jacke, dann setzt sie sich wieder auf den Beifahrersitz. "Ich habe es an mein Herz gedrückt", erzählt sie. "Und plötzlich hat es angefangen zu zappeln."

So groß wie ein Mini-Hund sei die kleine Sau damals gewesen. "Mein Westie ist da größer", erzählt Nitsche. Das Wildschwein-Baby wurde wohl angefahren, wie betäubt sei es gewesen. "Ich hatte Angst, dass es innere Verletzungen hat."

Doch wohin mit der kleinen Wildschwein-Dame? Nitsche bringt den Frischling zu einem pensionierten Förster und Jäger aus der Nachbarschaft. Der kümmert sich um die Mini-Sau. Per Telefon bekommt Nitsche einen Tag nach ihrem Fund dann die Entwarnung. "Das Schwein ist quietschfidel", habe der Ex-Förster ihr durchgegeben.

"Schnurli ist schon eine coole Sau"

Der Ziehpapa gibt dem Findel-Schwein einen Namen: "Schnurli" tauft er es. Nitsche besucht die kleine Wildsau immer wieder. Doch bald wird klar: Der Platz beim Ex-Förster ist nur ein vorübergehender. "Der Mann wohnt mitten im Ort", erzählt die Seefelderin. "So ein Schwein kann aber auch mal richtig laut schreien, wenn ihm etwas nicht passt."

Also sucht Nitsche nach einem neuen Platz für Schnurli. Doch: Es ist gar nicht so leicht, das  Schwein unterzubringen. Schnurli ist handaufgezogen. Wirklich "wilde" Artgenossen würden es nicht akzeptieren - und im Ernstfall sogar töten.

Dann endlich hat Nitsche Erfolg: Der Tierschutzverein München nimmt das mittelweile etwa acht Monate alte Tier auf. Am Wochenende hat Nitsche es nach München gefahren. Ganz brav sei die Wildschwein-Dame gewesen. "Schnurli ist schon eine coole Sau", sagt die 45-Jährige und lacht.

In München angekommen, fühlt sich Schnurli auch schon sauwohl. "Sie wühlt mit dem Rüssel die ganze Zeit eifrig am Boden - da ist schon ein großer Krater entstanden", sagt Judith Brettmeister (55) vom Tierschutzverein.  

Doch Wildschweine sind Rudeltiere - und deswegen suchen die Tierschützer ein neues Zuhause für das Findel-Schwein. "Wir suchen jemand, der schon mehrere handaufgezogene Wildschweinchen hat und Schnurli bei sich aufnimmt", sagt Brettmeister.

Was aus der Rotte der Wildschwein-Dame wurde, wissen die Tierschützer nicht. Sie haben aber einen Verdacht. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Leitbache getötet wurde", sagt Brettmeister. In einer Rotte ist die Leitbache die Anführerin - sie achtet normalerweise darauf, dass kein Tier zurückgelassen wird.

wei

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