33-Jährige spuckte Blut und brach zusammen

Yasemin (10) rettete ihrer Mama das Leben

Mutter und Tochter wieder glücklich vereint: Tanja Dietrich mit ihrer Lebensretterin Yasemin. Weil sie so großartig reagiert hatte, will ihr der Opa eine Katze schenken.

Dachau - Yasemin (10) hat ihrer Mama das Leben gerettet. Tanja Dietrich brach in der Wohnung zusammen, spuckte Blut. Hätte sie ihrer Tochter nicht vor kurzem erklärt, was in einem Notfall zu tun ist - die 33-Jährige wäre nicht mehr am Leben.

„Was machst du, wenn es hier in der Wohnung mal brennt“, fragte Tanja Dietrich im Sommer ihre damals noch neunjährige Tochter Yasemin. Das Mädchen zuckte nur mit den Schultern. „Wähl den Notruf unter der Nummer 112“, erklärte ihr Tanja Dietrich. Damals konnte die 33-jährige Dachauerin nicht wissen, wie wichtig dieses Gespräch wenige Wochen später werden würde. Es hat ihr das Leben gerettet.

„Ich war immer pumperlgsund“, erzählt die Nageldesignerin. Doch im August fühlte sie sich häufig etwas schlapp. In einer Nacht wachte sie von starken Schmerzen auf, vermutete eine Magen-Darm-Grippe. Sie erinnert sich noch, dass sie am nächsten Morgen zu ihrer Tochter ins Wohnzimmer ging und sich neben das Mädchen auf die Couch setzte: „Ab da weiß ich nichts mehr.“ Erst zwei Wochen später, nach drei Reanimationen, vier Operationen und 13 Tagen im künstlichen Koma, wachte sie in Bogenhausen wieder auf. „Es war schon komisch“, erinnert sich Tanja Dietrich. „Alle standen an meinen Krankenbett und hatten Tränen in den Augen. Und ich wusste gar nicht, was eigentlich passiert ist.“

Erst im Krankenhaus erfuhr sie, dass sie fast gestorben wäre. Und dass sie es vermutlich nur ihrer inzwischen zehnjährigen Tochter verdankt, noch am Leben zu sein. „Die Mama hat so komisch geschaut“, erzählt Yasemin. Dann habe sie gewürgt und sei vornüber gekippt. Auf ihre verzweifelten „Mama, Mama“-Rufe hat die 33-Jährige nicht mehr reagiert. Irgendwann, berichtet Yasemin, hätte ihre Mutter Blut erbrochen. Doch anstatt in Panik auszubrechen, wählte das Mädchen die 112 und gab ganz ruhig seinen Namen und die Adresse durch – so wie es ihr ihre Mutter wenige Wochen zuvor erklärt hatte. Die Dame am Telefon, erinnert sie sich, sei „voll freundlich“ gewesen. Und der Rettungswagen war in einer Minute da, erzählt die Zehnjährige. Die Ärzte stellten bei Tanja Dietrich einen Leber- und Milzriss fest. Für sie ist es ein kleines Wunder, dass die Dachauerin noch lebt. Dass ihr Gehirn in der Zeit ihres Herzstillstands keinen Schaden genommen hat.

Was Tanja Dietrich besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass ihr Unterbewusstsein trotz des Komas und der Narkosen die ganze Zeit über ihren schlechten Zustand wahrgenommen haben muss. „Ich hatte während des Komas viele Alpträume“, erzählt die 33-Jährige, „aber sie helfen mir jetzt, das Geschehen besser zu verstehen.“ So habe sie zum Beispiel einmal geträumt, in einem kahlen Raum mit blauem Licht gewesen zu sein, und dass sie schreckliche Schmerzen hatte. Sie habe wie verrückt gefroren. Am anderen Ende des Raums sei ihre seit zehn Jahren tote Mutter gesessen, habe immer nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Nein Kind, ich kann dir nicht helfen.“ Heute weiß Tanja Dietrich, dass einer der Operationssäle im Bogenhauser Krankenhaus tatsächlich Ähnlichkeit hat mit dem Raum aus ihrem Traum. Und tatsächlich wurde ihr Körper während einer ihrer OPs mit Eisbeuteln gekühlt.

Das Drama um die Dachauerin beschäftigte zeitweise sogar die Polizei. „Sie haben meinen Lebensgefährten verdächtigt, dass er mich geschlagen und mir dadurch diese Verletzungen zugefügt hat.“ Die Kripo versiegelte tagelang die Wohnung, verhörte den Mann sowie die Kunden, Verwandte und Freunde der 33-Jährigen. Schließlich stellten sie die Ermittlungen wieder ein. Es gab weder Aussagen noch Spuren an Tanja Dietrichs Körper, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten.

Vor einer Woche wurde die junge Frau endlich aus der Klinik entlassen. Narben am Bauch, am Hals und am Kopf werden sie ihr Leben lang an den 5. August erinnern. Was letztlich zu dem Zusammenbruch führte und wann sie wieder arbeiten kann, konnte ihr bislang kein Arzt sagen. Auch ihre Tochter Yasemin hat den Schrecken und die Angst um ihre Mama noch nicht verarbeitet. „Immer wenn ich von der Schule heim komm, hab ich Angst, dass der Mama was passiert ist.“

Stefanie Zipfer

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