Er veröffentlichte ihre Todesanzeige

Steffi K.: Jetzt steht ihr Stalker vor Gericht

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Schauderhaft: Mit dieser Todesanzeige hat der Stalker das Mädchen und seine Familie im August 2012 in Angst und Schrecken versetzt.

München - Ab Donnerstag wird im Landgericht München gegen den Stalker der 18-jährigen Ismaningerin Steffi K. verhandelt. Perfider Höhepunkt seiner Nachstellungen: die Todesanzeige, die er im Namen der Eltern veröffentlichte.

Viele Ismaninger hatten damals im August 2012 tatsächlich geglaubt, dass die im Ort als Sportlerin bekannte Steffi K. gestorben sei. Der Text mutete zwar merkwürdig an, „ein Mensch hat uns genommen, was uns der Herr gegeben hat“, für viele war es dennoch die glaubwürdige Anzeige verzweifelter Eltern. Aber es war das perfide Machwerk eines Stalkers und Steffi sein Opfer. Die Nachstellungen durch den ehemaligen Arbeitskollegen Christoph Klaus L. (43) begannen zwei Monate bevor die Todesanzeige erschien. Er bombadierte die Ismaningerin plötzlich anonym mit SMS und E-Mails. Dafür benutzte er Handy-Prepaid-Karten, die er auf den Namen Steffis, den Namen ihrer Eltern oder auch ihres Großvaters kaufte. Drohend verwies der Angeklagte auf den Fall der jahrzehntelang gefangen gehaltenen Österreicherin Natascha Kampusch: „Das kann überall zu jeder Zeit wieder jemanden widerfahren“, musste die damals 17-Jährige lesen. „Du gehst über die Straße, ein Transporter hält neben Dir, die Türe geht auf, es greifen ein paar Arme nach Dir und für lange Zeit oder für immer sieht dich kein Mensch mehr außer dem, der dich gepackt hat. Nur wir beide. Mir gefällt der Gedanke.“

Steffi vertraute sich dann genau dem Mann an, der ihr nachstellte. Als Arbeitskollege zeigte sich L. entsetzt über das grässliche Vorgehen des Unbekannten. Er gab vor, ihr helfen zu können. Schließlich teilte er ihr sogar mit, in Kontakt mit dem Täter getreten zu sein. Er trat als guter Freund auf und zeigte ihr den vermeintlichen Schriftverkehr mit dem Täter. Die erfundene Kommunikation ermöglichte ihm nochmals, das Mädchen in Angst und Schrecken zu versetzen, da sie so weitere bedrohliche und auch beleidigende Aussagen über sich lesen musste.

Das Leben der Jugendlichen entwickelte sich zum Horror. Drei Tage nach Erscheinen der Todesanzeige schickte L. per SMS an mehrere vertraute Menschen der Ismaningerin eine offene Drohung mit Hinweis, sie sollten sie warnen: „Steffi wird sonst den morgigen Tag nicht mehr erleben.“

Für Steffis Familie waren die Folgen schrecklich. Ständig waren sie in Angst um Steffi. Dazu kam, dass sie sich nicht mehr sicher waren, wer Freund und wer Feind sein könnte, eine totale Verunsicherung. Die junge Frau traute sich nicht mehr aus dem Haus. Der Familienurlaub wurde abgesagt, Steffi schließlich in Tirol versteckt. Wie auch bei ihrer Mutter stellten sich aber Panikattacken ein. Beide Frauen mussten Psychopharmaka zur Beruhigung nehmen. Die Mutter bekam aufgrund des Stresses einen Rheumaschub. Die Frauen befinden sich derzeit in Therapie. Der einzige entspannte Moment in dieser Zeit war das Weinfest des Ismaninger Burschenvereins am 20. August. Vereinsmutglieder hatten in Absprache mit der Polizei Steffi ständig schützend im Blick. Ganz Ismaning beschäftigte in diesen Tagen, wie auch jetzt wieder, die widerwärtige Tat. Jeder kann sich vorstellen, welche Angst Steffi gehabt haben muss. Besonders die Todesanzeige wurde von ihrem Umfeld im Tennisclub und bei Jugendlichen als Morddrohung empfunden.

Zwei Tage nach dem Burschenfest wurde L. endlich enttarnt. Aufgrund der verschiedenen E-Mail- und Mobilfunkkontakte konnte die Polizei auch eine reale Adresse zum Täter zurückverfolgen.

Wie ernst die Bedrohung Steffis auch von den Behörden genommen wird, zeigt, dass L. seit seiner Entdeckung und Festnahme am 22. August in Untersuchungshaft sitzt. Die Staatsanwaltschaft legt ihm die psychischen Folgen für die Familie zur Last. Sie hat ihn als wegen Nachstellungen, Bedrohungen und Betrug angeklagt. Der heutige Tag wird für Steffis Familie noch einmal sehr schwer. Weil wieder die Erinnerungen hochkommen an die furchtbare Zeit der Angst und totalen Verunsicherung.

Annette Ganssmüller-Maluche

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