Heimbewohnerin ermordet?

Todesengel vom Tegernsee vor Gericht

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Die lächelnde Pflegerin Andrea T. arbeitete in der Villa Bruneck in Kreuth.

München - Ihr Lächeln wirkt geradezu ansteckend im Gerichtssaal. Mit ihren graublauen Augen blinzelt Andrea T. (42) auch zu Oberstaatsanwalt Florian Gliwitzky hinüber. Der legt ihr ein unfassbares Verbrechen zur Last.

Ein eiskalter Mord aus „Habgier und zur Verdeckung einer Straftat“ – sie soll eine Bewohnerin mit einem Giftcocktail umgebracht haben! Ihr droht lebenslange Haft.

Der Tatort könnte als Filmkulisse dienen: Die Seniorenresidenz Villa Bruneck liegt an einem idyllischen Platz in Kreuth südlich des Tegernsees. Wer hier seinen Lebensabend verbringt, ist vermögend. Die im Juli 1930 geborene Dr. Martha K. hatte tatsächlich viel Geld. Jahrzehntelang hatte sie als Zahnärztin in München-Harlaching praktiziert. Seit einigen Jahren stellte sich bei ihr allerdings eine beginnende Demenz ein. Offenbar wollte sie deshalb sterben, doch zwei Selbstmordversuche scheiterten. Sie wurde unter Betreuung gestellt. Am Tegernsee fand sie 2011 eine neue noble Bleibe.

Dort arbeitete Andrea T. als Pflegerin. „Sie war sehr großzügig“, berichtet die Angeklagte über die betagte Frau. Ja, sie habe Geld und wertvollen Schmuck von Martha K. angenommen, erzählt sie. Dass sie dieses hätte nicht nehmen dürfen, gibt Andrea T. auch zu.

Der Betreuer von Martha K. hätte die Geschenke zurückfordern können. Und darin sieht der Ankläger das Mordmotiv: „Dies wollte die Angeklagte verhindern.“ Laut Gliwitzky mixte Andrea T. einen tödlichen Cocktail aus Schlafmitteln, einem Antidepressivum und dem Betäubungsmittel Lidocain! Dieses Getränk soll sie Dr. Martha K. am 27. Mai 2012 hingestellt haben. Doch die Rentnerin ließ das Gebräu stehen. Was dann passiert sein soll, hört sich an wie ein Krimi: „Die Angeklagte trat von hinten kommend an Frau Dr. K. heran. Anschließend hielt sie ihr von seitlich hinten mit der linken Hand die Nase zu und verabreichte Dr. K. peroral (über den Mund; Anm. d. Red.) die mitgebrachte Medikamentenmischung. Die Angeklagte fixierte Frau Dr. K. so lange, bis sie das Bewusstsein verlor.“ Martha K. war laut Anklage schon nach den ersten Schlucken nicht mehr in der Lage zu schreien, da ihr Mund und Rachen sofort betäubt wurden.

Die Angeklagte bestreitet den Mord. Sie habe der Rentnerin nur Sterbehilfe geleistet: „Sie wollte friedlich aus dem Leben scheiden.“ 20 Ampullen des tödlichen Lidocains (wird vor allem zur lokalen Betäubung gebraucht) habe sie von ihrem Lebensgefährten, einem Arzt in Ungarn, besorgt. Gemeinsam mit Martha K. habe sie dann den Medikamenten-Cocktail gemixt. Und wie kam es zu der Verletzung an der Nase des Opfers? Das sei schon vor ihrem Tod passiert. Vorsitzender Richter Martin Rieder wies Andrea T. auf ihre Widersprüche zu früheren Aussagen hin, glaubt ihr offenbar kein Wort. Der Prozess wird fortgesetzt.

Eberhard Unfried

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