Eklat bei Todesschützen-Prozess

Anwalt verlässt aus Protest Gerichtssaal

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Maximilian Kaiser

Dachau/München - Eklat in Dachau! Der Wahlverteidiger des Todesschützen von Dachau wird nicht zum Pflichtverteidiger ernannt und hat aus Protest den Gerichtssaal verlassen.

Was ist denn jetzt los? Mitten im Prozess steht Anwalt Maximilian Kaiser auf, legt seine Robe hin und verlässt den Saal. Auch am dritten Tag im Prozess um den Mord am Dachauer Staatsanwalt Tilman T. († 31) geht’s turbulent zur Sache.

Wahlverteidiger Kaiser hatte schon vor dem Prozess erbittert um ein Mandat für die Verteidigung des Todesschützen Rudolf U. (55) gekämpft, hatte sich mit Herzblut für „die Würde“ seines schwer kranken Mandanten eingesetzt. Dabei machte er sich nicht nur Freunde: Er witterte „kriminelle Machenschaften“ bei der Justiz und warf dem Gericht Fehlverhalten vor.

Jetzt geht sein Kampf im Gericht weiter. Noch bevor Dachauer Polizisten in den Zeugenstand treten, kommt es zum Eklat: Kaiser wird als Pflichtverteidiger abgelehnt, bekommt damit kein Geld vom Staat.

Der Landshuter Anwalt sagt daraufhin, er wolle sein Mandat ruhen lassen – und legt los: Er wirft den Richtern „Wortklauberei“ und „Schikane“ vor, die er „ständig zu erdulden“ habe, „weil alle im Saal gegen mich sind“. Er hält den Richtern vor, die Motivlage des Angeklagten nicht genug zu prüfen. Richter Martin Rieder platzt der Kragen. „Ich habe in meinem Leben viele schwierige Anwälte erlebt, aber sowas noch nie. Alles, was Sie hier sagen, ist nur noch peinlich.“ Rieder kritisiert Kaisers „Geltungsdrang“ und kündigt an, dessen „Pamphlet“ an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. „Ich entziehe Ihnen das Wort, Herr Kaiser!“

Still wird es noch nicht. Der Angeklagte will, dass sein Anwalt reden darf – und droht vom Krankenbett aus: „Sonst fahre ich heim!“ Der Richter: „Sie fahren gar nicht heim, Sie bleiben da. So weit kommt’s noch, dass wir hier Kasperletheater spielen.“

Verwunderung in den Verhandlungspausen: Nach Monaten, in denen U. nur Milch, Chips und Schokolade gegessen hat und dem zuletzt aufgrund einer Blutvergiftung beide Beine amputiert wurden, fängt er plötzlich an zu futtern: erst eine Breze, dann zwei Semmeln.

Am Nachmittag meldet sich Anwalt Kaiser wieder: Die Vorgänge seien ein „Justizskandal sondergleichen“. Schließlich kündigt er an, U. weiter zu verteidigen.

nba

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