Zwei Bewohner gestorben

Die Todestreppe im Altenheim

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Die Treppen-Falle: Hier stürzten zwei Senioren in den Tod

Markt Schwaben - Vor fünf Jahren kam dort eine Frau nach einem Sturz zu Tode - doch die Treppe in einem Pflegeheim in Markt Schwaben wurde nicht entschärft. Jetzt starb erneut ein Bewohner.

Sie ist steil, ungesichert und dazu noch schwer zu sehen: diese Treppe mitten im AWO-Pflegeheim in Markt Schwaben. Kein Wunder also, dass Rolf J. jahrelang dafür kämpfte, dass diese Sturzfalle für all die Pflegebedürftigen im Haus endlich gesichert wird. Aber keiner hörte auf den Sohn einer Heimbewohnerin – bis es geschah: Im April 2008 fiel doch tatsächlich seine demente Mutter Gerda die Treppe hinab – und starb. Doch wer nun denkt, die steile Gefahr wurde irgendwie entschärft, der täuscht sich. Nichts passierte! Und so kam es vor wenigen Tagen an der genau gleichen Stelle erneut zu einer Tragödie: Der Heimbewohner Gottfried K. (83) stürzte ebenfalls so schwer, dass er wenig später im Krankenhaus starb.

Die Todestreppe mitten im Pflegeheim – wie kann es nur sein, dass hier gleich zwei Menschen ihr Leben lassen mussten? Fakt ist: Der traurige Fall ist ein Beispiel für unnötige Behördenregeln sowie schlichte Gleichgültigkeit. Wie berichtet, war am 12. April 2008 Gerda J. gestorben: Die alte Dame litt unter anderem an einer Demenz – konnte sich aber im Rolli noch ganz gut fortbewegen. Als sie im Flur unterwegs ist, rollt sie plötzlich auf die Treppen zu – und stürzt hinab. Jede Hilfe kommt zu spät. Fast identisch lief nun das Drama um Gottfried K. ab. Und: Fünf Tage zuvor war erst ein anderer Bewohner die Treppe hinabgestürzt – dieser kam aber glücklicherweise mit dem Leben davon.

Warum nie etwas passierte? Das Heim erklärte schon damals – beim ersten Fall – der tz, dass das „sichern dieser Stufen ein Hindernis wäre, wenn es um die Fluchtwege geht.“ Heißt in anderen Worten: Sollte es brennen, könnte niemand der Rollifahrer flüchten. Aber flüchten diese denn wirklich über eine Treppe? Und das auch noch alleine?

Rolf J. kann bei diesen Argumenten nur den Kopf schütteln. Nichtsdestotrotz mussten sich unter anderem nach dem Tod seiner Mutter die Oberste Baubehörde im Innenministerium sowie das Landratsamt in Ebersberg mit einer möglichen Absicherung beschäftigen. Unglaublich: Jahrelang zog sich dies alles hin. „Faktisch ist nichts passiert“, erklärte Rolf J. gegenüber dem Münchner Merkur. Mit bekanntlich fatalen Folgen. Merkwürdig ist zudem noch ein Detail, dass der Münchner Merkur recherchierte: Der tödliche Unfall von Gottfried K. mit zweifelsfrei unnatürlicher Todesfolge ist bis heute nicht bei der Kriminalpolizei aktenkundig geworden.

Was zudem viele wütend macht: Die gefährliche Treppe wäre ganz einfach zu entschärfen. Schon im März 2009 schrieb die Oberste Baubehörde des Innenministeriums nämlich, dass abmontierbare Sicherheitspfosten grundsätzlich nicht verboten seien. Dennoch sagte das Heim später wieder: „Kein Handlungsbedarf“! Dabei hätten die Feuerwehren keine Probleme mit solchen Absicherungs-Vorrichtungen. Gerhard Bullinger, Ebersberger Kreisbrandrat, könnte sich diese vor Treppen durchaus vorstellen, wenn sie baurechtlich zugelassen seien und von Feuerwehrleuten im Einsatzfall mit einem Griff leicht beseitigt werden könnten.

age/jd

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