Tödlicher Unfall im Phönixbad

Die Mitbewohner des Verunglückten richteten diese Trauerecke im Betreuungsheim in Eglharting ein. Foto: kn

Ottobrunn - Es sollte ein fröhlicher Badeausflug werden, doch er endete in einer Katastrophe: Ein 22-Jähriger ist am Dienstag in Ottobrunn nach einem epileptischen Anfall im Phönixbad ums Leben gekommen.

Schon fast so etwas wie Stammgäste sind die jungen Leute des Einrichtungsverbundes Betreuungszentrum Steinhöring (Landkreis Ebersberg) in Ottobrunn. Regelmäßig besuchen sie mit ihren Betreuern das Phönixbad, so auch am Dienstag. Wie immer tobt die Gruppe ausgelassen im Wasser, unter ihnen auch der 22-jährige Stefan W.. Gegen 19 Uhr steigt er auf das Ein- Meter-Brett und springt ins Wasser. Doch er taucht nicht mehr auf. „Unsere Wasserrettung ist sofort ins Becken gesprungen, um den jungen Mann herauszuholen“, schildert Sportpark-Geschäftsführer Werner Müller den Vorfall. Mit einem Defibrillator versuchen die Retter den 22-Jährigen eine halbe Stunde lang zu reanimieren. Doch auch der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. „Er muss wohl schon unter Wasser keine Herztöne mehr gehabt haben“, vermutet Müller nach einem Gespräch mit dem Notarzt und der Leichenbeschauerin.

Stefan W. litt an Epilepsie. Wahrscheinlich habe er während des Sprungs einen epileptischen Anfall gehabt, Wasser eingeatmet und ist dann an seinem eigenen Erbrochenen erstickt, sagt Müller. Wie ein Sprecher der Polizei München bestätigt, befindet sich der 22-Jährige derzeit in der Gerichtsmedizin in München, wo eine Obduktion die genaue Todesursache klären soll.

Werner Müller ist tief betroffen: „Wir sind alle sehr geschockt.“ Das Kriseninterventionsteam kümmerte sich nach dem Vorfall um das Personal des Phönixbads und war dabei, als die Angehörigen von Stefan W. die Nachricht erfuhren. „Es ist ein trauriges Unglück, und noch schlimmer, dass man es nicht hätte verhindern können“, meint Müller. Das Personal, besonders die Aufsichtskräfte im Badebereich, sind laut Müller in der Wasserrettung und im Umgang mit dem Defibrillator geschult. „Für sie war es natürlich besonders tragisch, dass sie dem jungen Mann nicht helfen konnten.“

Seit April 2007 lebte Stefan W. im Wohnheim des Einrichtungsverbundes Betreuungszentrum Steinhöring in Eglharting, arbeitet in den dortigen Werkstätten im Metallbereich. Er war geistig behindert und litt seit seiner Kindheit an Epilepsie. „Aber Stefan war sehr selbstständig, ging auch selbst einkaufen“, so Silvia Mayer, Sozialpädagogin in der Eglhartinger Einrichtung. „Und Stefan war ein guter Schwimmer.“

Mayer wurde am Dienstagabend informiert und kümmerte sich im Wohnheim in Eglharting zusammen mit einer Krankenschwester um die sieben Betreuten in der Gruppe, die mit Stefan im Hallenbad waren. „Wir saßen alle im Konferenzraum und haben eine Kerze angezündet. Die Stimmung war ganz unten.“ Da habe sie gefragt, wie es Stefan denn jetzt wohl gehe und was man ihm mitgeben könne. „Ich glaube, dass es ihm jetzt gut geht“, war eine der Antworten. Mitgeben sollte man ihm seine Musik. Stefan W. liebte Hansi Hinterseer.

In den Werkstätten wurde ein Foto von Stefan W. aufgestellt, zusammen mit einer Kerze. Die Bewohner wurden gestern informiert und konnten Abschied nehmen. Das für morgen geplante Faschingsfest wurde abgesagt. Stattdessen wird es eine Trauerfeier geben.

Patricia Kania und Robert Langer

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