Kaffeefahrt endet tödlich

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Bei dem Versuch, die Bundesstraße 11 in Höhe der Böhmwiese in Geretsried zu überqueren, wurde am 8. September vergangenen Jahres eine 75-Jährige von einem Pkw erfasst und tödlich verletzt.

Geretsried - Der Alptraum eines jeden Autofahrers: Bei Dunkelheit und strömendem Regen taucht ein Fußgänger auf der Straße auf. Einer Frau wurde das zum Verhängnis - und ein junger Fahrer muss sich verantworten.

Die Tasche voller neuer Kosmetik-Produkte stieg die Seniorin kurz nach 22 Uhr mit vier, fünf weiteren Teilnehmern einer Kaffeefahrt an der Haltestelle an der Böhmwiese aus dem Reisebus. Wenige Augenblicke später war die 75-Jährige tot. Erfasst von einem weißen Peugeot, dessen jugendlicher Fahrer sich am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten musste.

Die Straße glitzerte vom Regen, als der 21-Jährige am späten Abend des 8. September 2010 auf dem Heimweg von Tölz nach Wolfratshausen war. Weil ihm Autos entgegenkamen, schaltete er das Fernlicht aus. „Plötzlich habe ich 15 Meter vor mir nur einen schwarzen Fleck wahrgenommen und eine Vollbremsung gemacht. Aber da hat es schon die Windschutzscheibe zerschlagen und die Frau lag da."

Mit knapp Tempo 70 prallte der Peugeot gegen die dunkel gekleidete Fußgängerin. Die 75-jährige wurde über das Dach des Pkw geschleudert, wobei sie sich so schwere Verletzungen zuzog, dass sie verstarb, noch bevor der Rettungsdienst an der Unfallstelle eintraf.

Ein Polizeibeamter bestätigte die schwierigen Sichtverhältnisse an der spärlich beleuchteten Einmündung: „Die hätte in der Situation jeder übersehen, ich wahrscheinlich auch.“ Selbst die hellen Schuhe der Frau seien durch die von der Nässe reflektierende Straße vermutlich nicht erkennbar gewesen.

Das Gericht machte es sich nicht leicht, zu klären, ob der junge Fahrzeuglenker womöglich doch einen Fehler gemacht hatte. Letztlich ging es vor allem um eine Frage, die Richter Johann Lupperger so formulierte: „Muss man vom Autofahrer verlangen, dass er gleich eine Vollbremsung einleitet, wenn er am Rand der Gegenfahrbahn jemanden sieht?“ Noch dazu, wenn die Fahrspuren von einem so breiten Mittelstreifen getrennt sind, wie das in Höhe der Böhmwiese der Fall ist. „Wenn man im Straßenverkehr nicht darauf vertrauen kann, dass der andere sich an die Regeln hält, müssten wir jedesmal eine Vollbremsung hinlegen“, meinte Staatsanwältin Iris Koch. „Die Sache ist in einem Grenzbereich“, sagte Lupperger. Das Verfahren wurde eingestellt.

rs

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