Exklusiver Geburtstag

Sie plant Kinderpartys zum Kleinwagenpreis

Unterschleißheim - Daniela Schreck aus Aschheim organisiert exklusive Geburtstagspartys für Kinder bis zwölf - und oft zum Preis eines Kleinwagens. So läuft das rentable Geschäft:

Daniela Schreck legt den Kopf in den Nacken wenn sie lacht. „Jetzt hab’ ich zu viel Zucker in meinen Cappuccino.“ Sie bestellt einen neuen. Die 42-Jährige trägt eine rote Weste über einer hellen Bluse, die blonden Haare frisiert, das Gesicht geschminkt. Schon immer stand sie auf der Sonnenseite. „Ich bin entsprechend aufgewachsen, ich kann nicht sagen, dass es mir je schlecht ging.“ Auch später nicht. Trotzdem sagt sie: „Ich würde meiner Tochter keinen Geburtstag für 1000 Euro spendieren.“ Schreck, die davon lebt, dass andere Eltern für die Partys ihrer Kinder Kleinwagenpreise zahlen, würde sich selbst nicht buchen.

Dezember 2008, Finanzkrise. Schreck ist Bankerin in Elternzeit. Es zieht sie weißgott nicht zurück in den Job, der ihr schon mit Anfang 30 ihr erstes Magengeschwür beschert hat. Zum vierten Geburtstag wünscht sich Schrecks Tochter eine Party im Stil von „Prinzessin Lillifee“, der kleinen Blütenfee, mit der der Coppenrath-Verlag Deutschlands Kinderzimmer überrollt hat. Schreck recherchiert im Internet. Wie gestaltet man solche Partys? Sie stößt auf „Preise, die mich überrascht haben.“ Kindergeburtstage, ein lukratives Geschäft also. Es ist die erste Stunde der Firma „tollkids - die kindergeburtstagsmacher“, Schrecks Firma.

Heute antwortet Schreck auf die Frage, ob sich ihre Arbeit lohnt, mit einem bestimmten „Ja“. Wer bereit ist, einen Haufen Geld für einen Kindergeburtstag hinzulegen, befinde sich finanziell „auf einem gewissen Level“. Lukrative Kunden - zahlungskräftig, zuverlässig. Ab 450 Euro gibt es bei „tollkids“ die „Klassik-Party“ für bis zu sechs Kinder. Mottopartys gehen bei 600 Euro los. Richtig teuer wird’s, wenn der Kunde es maßgeschneidert will. Für 5000 Euro hat Schreck einen Kindergeburtstag in Grünwald aufgezogen. Ponys, Stelzenläufer, Zauberer, Bungeetrampolin. Ein „Piratenfest“ im Starnberger Raum war ähnlich kostspielig. Auch Schreck ist manchmal überrascht, wie locker das Geld sitzt: „Die Assistentin einer russischen Kundin hat mir beim ersten Treffen 4000 Euro auf den Tisch geklatscht und gefragt, ob das als Anzahlung reicht. ,Lassen Sie’s mal stecken’, hab ich da gesagt.“

Mit einigen ihrer Kunden ist Schreck mittlerweile sogar befreundet. Ihre Klientel eint außer dem nötigen Kleingeld nicht unbedingt viel. Sehr anspruchsvolle Menschen sind darunter. Andere, die Sicherheitsbedürftigen, verbieten etwa das Schießen von Fotos auf ihrem Anwesen. „Das ist aber auch verständlich, wenn solche Unsummen von Geld da sind“, sagt Schreck.

„Helikoptereltern“ seien viele ihrer Kunden. „Die sind in einer gewissen Schicht, haben ein Kind, um das sich alles dreht und das sie im Porsche Cheyenne von A nach B fahren.“ Und bei „tollkids“ buchen sie die Party für den Sprössling. Eine Schnitzeljagd im eigenen Privatwald etwa, oder ein paar Pferdchen. Wer zufrieden ist, kommt wieder. Für eine heute Vierjährige hat Schreck bisher jeden Geburtstag organisiert. „Da seh’ ich, wie die Kinder wachsen. Das ist schon schön.“

Daniela Schreck maßt sich nicht an, über ihre Kunden zu urteilen. „Es gibt nicht schwarz oder weiß“, sagt sie. Die Gründe, warum Eltern das Fest ihres Kindes nicht selbst organisieren, seien unterschiedlich, oft nachvollziehbar.

Doch für Daniela Schreck als Mutter käme der gebuchte Geburtstag nicht in Frage. Sie glaubt, der „Zuwendungsbeweis“ ist einfach größer, wenn die Mama selbst anpackt. „Geld können Kinder nicht so werten.“

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