Der Tote im Weiher: Er starb an seinem Lieblingsplatz

Trügerisches Idyll: Vielleicht ist Manfred D. ausgerutscht, ins Wasser gefallen und dann ertrunken. Foto: tb

Mittelstetten - Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit müssen die Bürger im kleinen Mittelstetten einen tragischen Unglücksfall verkraften.

Erst vor zehn Tagen starb die 18-jährige Veronika L. bei einem Autounfall. Vermutlich am Dienstag verlor der 38 Jahre alte Manfred D. in einem Fischweiher zwischen Mittelstetten und Längenmoos sein Leben. Er hatte - wie fast jeden Tag - an seinem Lieblingsplatz nach dem Rechten gesehen.

Am Dienstag Abend kehrte Manfred nicht nach Hause zurück. Seinem Bruder Michael war das gleich komisch vorgekommen. „Das war völlig untypisch, auf den Manfred war immer Verlass.“ Auch wenn es draußen schon stockfinster war - Michael verlor keine Zeit. „Ich bin gleich raus zum Weiher, habe aber nur sein Radl gefunden. Ich habe seinen Namen gerufen, bekam aber keine Antwort.“ Möglicherweise war sein Bruder zu diesem Zeitpunkt bereits tot. In der Hoffnung, dass sich doch noch alles irgendwie einrenken würde, ging Michael nach Hause.

Am folgenden Tag verständigte er den Pächter des Weihers. Der begann sofort mit der Suche und machte gegen 15 Uhr die grausige Entdeckung: Manfred trieb tot im Wasser. Vermutlich ist er ertrunken, die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Manfred war kerngesund, an der Leiche fanden sich keine Zeichen von Gewalteinwirkung, auch einen Selbstmord schließen die Beamten aus.

„An einigen Stellen ist der Weiher abschüssig und rutschig“, überlegt der Bruder. „Vielleicht ist er ausgerutscht, ins Wasser gefallen und hat dann einen Schock erlitten. Aber der einzige, der weiß, wie es wirklich war, kann es nicht mehr erzählen.“

Seit Michael denken kann lebten die Brüder zusammen in ihrem Elternhaus in der Lerchenstraße. Michael mit seiner Freundin und zwei Kindern (9 und 12), Manfred alleine. „Jeder hatte seinen eigenen Bereich, aber es war wie in einer Familie“, schildert der Bruder des Toten. Manfred, gelernter Schreiner, war arbeitslos. Im Auftrag des Pächters kümmerte er sich um den Weiher, fütterte Fische und Enten, mähte Gras. Es war einer seiner liebsten Plätze. Ab und zu war er auch zum Angeln draußen.

Auch Mittelstettens Bürgermeister Ernst Presser kannte den Toten, hat ihn das eine oder andere Mal beim Schwammerlsuchen im Wald getroffen. Er schildert ihn als „sehr angenehmen Zeitgenossen“. Als die Leiche gefunden wurde, war der Rathaus-Chef mit der Feuerwehr vor Ort. „Es ist unfassbar, dass nach dem Unfall des Mädchens wieder so etwas Schlimmes passiert ist.“ Auch für Bruder Michael und seine Familie gibt es keinen Trost. „Ich kann es nicht glauben, dass er nicht mehr da ist. Wir haben uns gut verstanden, und er war uns immer eine große Stütze.“

Auch interessant

Meistgelesen

Hundehasser: 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt
Hundehasser: 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt
Tödlicher Unfall in Gröbenzell: S-Bahn erfasst Puchheimer
Tödlicher Unfall in Gröbenzell: S-Bahn erfasst Puchheimer
Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus

Kommentare