Mann hatte Notrufknopf manipuliert

Toter liegt zwei Wochen in betreuter Wohnanlage

Eching - Zwei Wochen hat es gedauert, bis die Leiche eines 76-Jährigen in einer Betreuten Wohnanlage in Eching entdeckt wurde. Gestorben war er an einem Herzinfarkt. Dass sein Tod so lange nicht aufgefallen war, lag wohl an einem Streichholz.

Das letzte Lebenszeichen gibt Peter Wörner (Name geändert) am Heiligen Abend von sich: Wie jeden Tag drückt der 76-Jährige auf die Taste seines Hausnotruf-Apparats, sagt dem System so: „Alles in Ordnung.“ Wenige Tage später erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt. Den genauen Zeitpunkt können die Mediziner nicht mehr rekonstruieren, denn erst am 10. Januar, rund zwei Wochen später, wird sein Tod bemerkt – von Mitarbeitern seiner betreuten Wohnanlage.

Wörner hatte seit Oktober in der Einrichtung des Echinger „Alten Service Zentrums“ (ASZ) gelebt. Der demenzkranke Mann war dort eingezogen, nachdem Anfang 2012 seine Frau gestorben war – Angehörige gab es nicht. Seine Wohnung verließ er nur selten, tauchte auch nicht bei den regelmäßigen Veranstaltungen des ASZ auf. Dass etwas nicht stimmt, vermutet das ASZ-Personal zum ersten Mal am 3. Januar: Nachdem Wörner, einer von 34 Mietern im Haus, schon tagelang nicht mehr gesehen wurde, ruft eine Mitarbeiterin beim Betreiber des Hausnotrufs an: dem Roten Kreuz in Freising. Das kontaktiert seine technische Zentrale in Starnberg, doch dort heißt es: „Das Kontrollgerät funktioniert einwandfrei, alles ist in Ordnung.“ Weil am 7. Januar immer noch kein Lebenszeichen aus der Wohnung dringt, versucht das ASZ, die rechtliche Betreuerin von Peter Wörner, eine Pfaffenhofener Anwältin, zu erreichen – doch erst drei Tage später gelingt dies. Als den Mitarbeitern beim Öffnen der Wohnung strenger Leichengeruch in die Nase steigt, rufen sie den Notruf. Die Rettungssanitäter müssen sich beim Öffnen der Tür mit aller Kraft dagegenstemmen – der Tote liegt direkt dahinter. Sein Körper ist bereits verwest. Am Hausnotruf-Gerät, das eigentlich nach 24 Stunden ohne Meldung Alarm schlagen soll, steckt ein Streichholz: Peter Wörner hatte es in den Knopf geklemmt, um zu signalisieren, dass es ihm gut geht. Er war es wohl leid gewesen, jeden Tag die Taste zu drücken.

„Wir bedauern den tragischen Vorfall sehr“, sagt Sieglinde Lebich, Leiterin des Betreuten Wohnens. Gleichzeitig nimmt sie ihr Personal in Schutz: „Einfach die Wohnung aufsperren und nachsehen dürfen wir nicht“, sagt sie. „Herr Wörner war ganz normaler Mieter und kein Pflegefall, wir mussten also seine Privatsphäre wahren.“ Auch Albert Söhl, Geschäftsführer des BRK Freising, spricht von „äußerst tragischen und bedauernswerten Umständen“. Seine Mitarbeiter betreuen rund 500 Kunden von Hausnotruf-Geräten im Kreis Freising. „Wenn wir einen Verdacht haben, dass bei einer Person etwas nicht stimmt, dann schauen wir nach dem Rechten“, sagt Söhl. In diesem Fall habe jedoch das Gerät einwandfrei funktioniert und dem BRK keinen Grund zur Sorge geliefert. Die Kripo Erding, die aufgrund der ungeklärten Todesumstände ermittelt hatte, geht von einer tragischen Verkettung der Ereignisse aus.

Armin Forster

Rubriklistenbild: © dpa

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