Jagdpächter appelliert an Besitzer

Schon wieder: Hund reißt Reh – trotz Leinenpflicht

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Dieses Reh wurde in Bibereck gefunden. Die Bissverletzungen deuten darauf hin, dass es von einem Hund getötet wurde.

Im Frühjahr werden besonders viele Wildtiere von freilaufenden Hunden getötet. Schuld daran ist das uneinsichtige Verhalten einiger weniger Hundehalter. Dabei wäre die Lösung des Problems so einfach.

Bibereck – Einen traurigen Fund hat Thomas Barth in der Nähe des landwirtschaftlichen Hofs seines Vaters Hermann Barth machen müssen. Zwischen Stall und Maschinenhalle lag ein totes Reh, das offensichtlich von einem freilaufendem Hund gerissen wurde. Diesen Rückschluss lassen die eindeutigen Bissverletzungen zu. Solche Funde kämen in der Gemeinde immer öfters vor, erklärt Martin Heitmeier, Jagdpächter bei der Jagdgenossenschaft Bergkirchen.

Vor allem von Januar bis Mai häufen sich die Fälle. Den Tieren fehlen auf den schneebedeckten Feldern die Versteckmöglichkeiten, und sie sind noch geschwächt von den Strapazen des Winters.

Auch in Landsberg machte ein grausiger Fund jüngst von sich reden.

Die Felder um Bibereck in der Gemeinde Bergkirchen und der neue Maisachwanderweg seien „richtige Hundewanderstrecken“ geworden, so der 53-jährige Jäger – nicht nur für die Bergkirchener, sondern auch für Spaziergänger aus anderen Landkreisen, wie er anhand der Auto-Kennzeichen beobachten konnte.

Barth appelliert an Hundebesitzer

Mit den unschönen Folgen wird Heitmeier regelmäßig konfrontiert. Er appelliert deshalb an die Hundehalter, ihre Tiere an der Leine zu führen.

Einige der Hundebesitzer schätzen die Situation aber völlig falsch ein. „Meiner würde so etwas niemals machen“, oder „der hört aufs Wort“ sind Aussagen, die der Jäger häufig zu hören bekommt. Solchen Einschätzungen widerspricht aber auch Hundetrainer Benedikt Scheppan von der Mobilen Hundeschule Dog Coaching: „Jeder Hund hat einen genetisch verankerten Jagdtrieb. Den kann man eindämmen, aber nicht abstellen.“ Selbst bei einem bestens erzogenen Hund gäbe es keine hundertprozentige Sicherheit, so Scheppan. „Der Hund schüttet bei der Jagd viel Adrenalin und andere Glückshormone aus, egal, ob er seine Beute erlegt oder nicht“, erklärt der Hundetrainer. Wenn er sich im Jagdmodus befindet, ist das Tier für den Halter nicht mehr ansprechbar.

Deshalb empfiehlt auch Scheppan, den Hund nur dann frei laufen zu lassen, wenn Wildtiere in der Nähe ausgeschlossen werden können. Er zeigt gleichzeitig Alternativen auf, wie man die Hunde trotzdem körperlich auslasten kann: „Schleppleinen, mit dem Hund Fahrrad fahren, oder Hunderucksäcke sind hervorragende Mittel, das Tier zu fordern, ohne auf eine Leine zu verzichten.“

Gemeinde Bergkirchen kennt die Problematik

Das Jagen von Wildtieren kann aber auch für die Hunde zur Gefahr werden. „Bei uns gibt es flächendeckend die Fuchsräude. Diese Krankheit kann selbst mit einer Antibiotikumbehandlung tödlich für den Hund enden“, erklärt Heitmeier. Außerdem haben Jäger das Recht, jagende Hunde zu erschießen. „Den Schuh zieht sich aber kaum noch ein Jäger an. Zu groß ist der mediale und gerichtliche Stress, der in der Regel darauf folgt“, so Heitmeier.

Der Gemeinde Bergkirchen ist die Problematik bekannt. Entlang des Maisachwanderwegs ließ sie große Schilder aufstellen, die auf die Leinenpflicht hinweisen. Deren Einhaltung zu kontrollieren, ist für die Gemeinde aber praktisch nicht möglich. Siegfried Ketterl, Geschäftsleiter der Gemeinde, bleibt nichts anders übrig, als an die Vernunft der Hundebesitzer zu appellieren: „Ihnen sollte doch klar sein, dass sie sich so ihre eigene Lobby zerstören.“

Dem schließen sich Heitmeier und Scheppan an, die beide bedauern: „Ein kleiner Teil der Hundebesitzer zerstört das Ansehen aller anderen.“

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