1. tz
  2. München
  3. Region

Traditionsbäckerei Ways muss schließen: Bäckermeister findet kein Personal

Erstellt:

Von: Veronika Macht

Kommentare

Kreativkopf Ludovic Gerboin schließt seine Bäckerei in Moosinning.
Kreativkopf Ludovic Gerboin schließt seine Bäckerei in Moosinning. © LUKAS BARTH

Ludovic Gerboin schließt seine Bäckerei in Moosinning. Der Hauptgrund: Er findet einfach kein qualifiziertes Personal für die Produktion.

Moosinning – Er ist mit seinen Kreationen international bekannt, sie wurden vielfach ausgezeichnet – seien es die Kassenbonkrapfen, ein brasilianisches Brot zur Fußball-WM oder Backwaren mit Algen. Doch Ende Mai ist damit Schluss. Ludovic Gerboin schließt die Traditionsbäckerei Ways in Moosinning. Der Hauptgrund: Es mangelt an Fachpersonal für die Produktion.

Ludovic Gerboin stammt aus der Bretagne. Der 43-Jährige ist Bäcker, Konditor und Chocolatier, hat den französischen und den deutschen Meisterbrief. Im Jahr 2000 kam er im Rahmen eines Austauschprogramms nach Deutschland, arbeitete in Bäckereien im Allgäu und in München, bis er 2010 die Bäckerei Ways in Moosinning übernahm.

Traditionsbäckerei Ways in Moosinning schließt für immer – „nicht mehr tragbar“

„Es was alles ein bisschen anders, als ich gedacht hatte, aber ich war hoch motiviert und hatte unendlich viele Ideen im Kopf“, blickt Gerboin zurück. Viel Unterstützung beim Traum von der eigenen Backstube bekam er von seiner Frau Annette. Tochter Amandine war da gerade zwei Jahre alt, und das Ehepaar erwartete mit Luc sein zweites Kind.

Kurz darauf eröffnete die Bäckerei eine Filiale in Altenerding. Bauarbeiten direkt vor dem Laden vermiesten jedoch das Geschäft, und dann sei der Mietvertrag nicht verlängert worden. Gerboin gibt zu: „Ich befand mich ziemlich am Boden, ohne Geld, ohne meine zweite Verkaufsstelle.“

Backwaren-Aktionen mit Moosinninger Bürgern und Geschäftsleuten

Doch aller Anfang sei schwer, habe er sich gesagt, und mit Kreativität und Leidenschaft für sein Handwerk eine Lösung gefunden, seinen noch jungen Betrieb zu retten. Gerboin pachtete eine neue Verkaufsstelle in Klettham und stellte die Produktion in der Bäckerei um. Die Kunden bekamen weiterhin Brezen, Semmeln und Brote, aber auch echt französische Backwaren und Pâtisserie.

Außerdem organisierte Gerboin Aktionen mit den Moosinningern – es gab Kooperationen mit der Apotheke, dem Haselnuss-Hof oder dem Fitnessstudio, die Bäckerei kreierte Backwaren zugunsten der Jugendfeuerwehr, lud Kindergartengruppen zum Brezenbacken ein, und erst vor kurzem wurden Krapfen zugunsten des Helferkreises Anton verkauft.

Im Laufe der Jahre hat Gerboin mit seinen Kreationen an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen, etwa dem zum besten Bäcker Deutschlands, und auch viele Preise gewonnen. „Wir haben fast alles erreicht, was möglich war“, blickt er stolz und durchaus zufrieden zurück. Einige Ideen haben auch international hohe Wellen geschlagen – jüngst etwa Backwaren mit Algen oder Hefeöl aus altem Gebäck als Ersatz für Palmöl in Kooperation mit der TU München.

Ludovic Gerboin sieht seine Zukunft in der Produktentwicklung

An diesen beiden Projekten für mehr Nachhaltigkeit war das Medieninteresse groß, und sie haben Gerboin auch einige Türen für seine Zukunft geöffnet. Denn als angestellter Bäcker arbeiten, das will er nicht. Er würde gern in die Produktentwicklung gehen, und Gattin Annette (52) möchte wieder in ihrem erlernten Beruf als Hebamme arbeiten.

„Es ist wirklich schade“, sagt Gerboin über die Schließung, zu der letztlich auch die Pachtsituation der Bäckerei beigetragen habe. Sie sei „auf Dauer nicht mehr tragbar“, so der 43-Jährige, der dazu nicht weiter ins Detail gehen will.

Wer mit Gerboin spricht, merkt schnell: Er ist Handwerksbäcker mit Leib und Seele. Doch auch der fleißigste Bäcker kann das Geschäft nicht aufrecht erhalten, wenn er alleine in der Backstube steht. Und das war zuletzt das große Problem, wie er schildert: „Ich liebe meinen Beruf, aber wenn man teilweise 13, 14 Stunden am Tag arbeitet, kann das gesundheitlich nicht lange gut gehen.“

Seit drei, vier Jahren suche er, habe aber keine qualifizierten Mitarbeiter für die Backstube finden können. Die Konsequenz: „Die Produktion ist so nicht mehr möglich.“ Zuletzt habe er nur mehr mit einem Bäcker und einer Konditorin gearbeitet, und im Mai, dem letzten Öffnungsmonat, werde er die Produktion allein stemmen.

Generelles Nachwuchsproblem im Bäckerhandwerk

Viele Bäcker haben ein Nachwuchsproblem, weiß Gerboin. Es gebe kaum noch Lehrlinge, bei ihm selbst hätten seit 2010 nur vier Azubis ihre Lehre abgeschlossen – einige mehr hätten zwischendrin hingeschmissen. Sein aktueller Azubi könne in einer anderen Bäckerei seine Ausbildung beenden, und auch das Verkaufspersonal habe weitestgehend eine neue Anstellung gefunden. Mit den Teilzeitkräften waren es zuletzt zehn Mitarbeiter im Verkauf.

Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, habe er sogar überlegt, von Nacht- auf Tagproduktion umzustellen – andere Bäckereien haben das erfolgreich vorgemacht. Aber dies hätte teure Investitionen etwa in eine neue Kühlung erfordert, sagt Gerboin – ohne die Garantie, dass die Kräfte tatsächlich bleiben. Auch die Hoffnung, mit der Kreativität junge Leute für den Beruf begeistern zu können, blieb erfolglos. Angesichts der schwierigen Fachkräftesituation habe er letztlich auch die Idee eines Neubaus gemeinsam mit Biolandwirt Billesberger verworfen.

Die Filiale in Eichenried, die Gerboin im Sommer 2015 eröffnet hatte, ist schon seit den Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt geschlossen. Die Verkaufsstelle in Klettham schließt Ende April. Und einen Monat später bleibt auch in Moosinning der Backofen kalt. Was mit den Läden passiert, steht noch nicht fest.

Erding-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Erding-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Erding – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an. Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Erding finden Sie auf Merkur.de/Erding.

Auch interessant

Kommentare