Mutter der "Biermösl Blosn"

Traudl Well mit 95 Jahren gestorben

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Gertraud Well ist tot. Die Mutter der "Biermösl Blosn" und "Wellküren" verstarb im Alter von 95 Jahren.

Günzlhofen - Trauer bei Familie Well: Die 95-jährige Mutter der "Biermösl Blosn" und "Wellküren" ist in der Nacht zum Freitag verstorben.

Sie war eine große und wichtige Frau. Sie hat viel für Bayern getan – persönlich und mit den 15 Kindern, die sie geboren und erzogen hat. Schon allein wegen dieser Kinder werden Gertraud Wells Spuren nicht verblassen. Auch jetzt nicht, nachdem ihr Körper den Dienst versagt hat. Am Freitag ist sie im Alter von 95 Jahren verstorben. „Sie ist friedlich daheim eingeschlafen“, sagt Christoph („Stofferl“, 55), einer ihrer Söhne.

Die Traudl hat immer noch im alten Haus in Günzlhofen (bei Fürstenfeldbruck) gewohnt. Als sie um halb drei Uhr morgens ihren letzten Atemzug tat, war Tochter Christa bei ihr. Die Familie hat in Traudls Leben immer dazugehört – und hat auch bei ihrem Tod. Jene Familie, aus der drei Musikgruppen hervorgegangen sind, die in Bayern viel mehr als nur Unterhaltung gemacht haben. Die Biermösl Blosn (in der Stofferl, Hans und Michael zusammenspielten), die Wellküren der Schwestern und in jüngerer Vergangenheit auch die Wellbappn (Hans und seine Kinder).

Angefangen hat das alles im Schulhaus in Günzlhofen, wo der Papa Lehrer war. Stofferl erinnert sich: „Die Mama hat immer mit uns gesungen, von klein auf.“ Und später ist sie dann zusammen mit den Kindern auf der Bühne gestanden – zum Beispiel in den Kammerspielen. Gertraud hat Zither gespielt, die Kinder Trompete, Akkordeon, Horn, und, und, und. Gesang dazu, sowieso. Immer mit viel Hirn, immer für Freiheit und Menschlichkeit, oft genug gegen die CSU. Was die Biermösl Blosn im Speziellen angeht: Da war die Traudl nicht immer einverstanden mit den frechen Texten. Aber: „Man gewöhnt sich dran...“ Und wenn sie zum Ausgleich ein bissl Ruhe gebraucht hat, ist sie in den Wald gegangen. Diese Stille hat sie geliebt...

Und dann wieder: volle Energie, voller Einsatz. Stofferl erinnert sich: „Sie hat viel, viel Kraft gehabt. Vor zwei Jahren ist sie an einer Herzklappe operiert worden. Viele Patienten leben nach so einem Eingriff nur noch ein halbes Jahr. Auch das zeigt, wie stark die Mama war.“

Ihr Mann Hermann ist im Jahr 1996 gestorben – aber Gertraud hat sich nicht gehen lassen. Ihre Freude am Leben und ihr Engagement sind geblieben. Und ihre Kinder haben ihr viel zurückgegeben. Stofferl erzählt über die letzten Jahre, in denen es der Mama schon nicht mehr so gut ging: „Wir haben uns abgewechselt: Jeden Tag war ein anderes von uns Kindern bei ihr – zum Mittagessen, zum Ratschen, zum Musizieren.“

Tatsächlich ging Gertraud auch immer noch in die Öffentlichkeit. Ihr letzter Auftritt liegt keine vier Wochen zurück: Das war am vierten Advent in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg. Stofferl sagt: „Die Mama hat Standing Ovations und Verneigungen bekommen. Es war ein schöner Abschied.“

Für die Kinder ist es jetzt nicht einfach. Obwohl die Mama so alt geworden ist und obwohl der Tod mit 95 nicht unerwartet kommt, sagt Stofferl: „Es ist immer schwer, wenn jemand stirbt – vor allem, wenn es die Mutter ist. Dann ist man kein Kind mehr...“ Und: „Man wird auch an seine eigene Sterblichkeit erinnert.“

Trauer gehört zum Leben. Die darf man nicht einfach unterdrücken, sonst zerbricht man daran. Stofferl meint jedenfalls: „Es ist gut, wenn man über so etwas nachdenkt. Gerade in unserer Gesellschaft, die den Tod tabuisiert.“

Nein, kein Tabu. Lieber offen sein. Lieber dem Tod genau so ins Auge schauen wie zuvor dem Leben. Damit man der Mama gerecht wird – und damit man sich selbst gerecht wird. Dann kann man später trotz aller Trauer auch positive Gefühle mitnehmen. Stofferl: „Ich habe viel Respekt vor meiner Mama. Sie hat's geschafft, ihr Leben. Und jetzt hat sie den Tod erlebt.“ In der Nacht. Und am nächsten Tag waren, wie sich das bei so einer Familie gehört, viele ihrer Kinder zusammen. Haben über die Mama geredet, haben sich gemeinsam erinnert. Und: Sie haben natürlich den Abschied von Gertraud besprochen. Die Beerdigung wird am Freitag, 23. Januar, in Günzlhofen stattfinden. Dort, wo alles begonnen hat.

Klar ist: Bei dieser Beerdigung wird nicht bloß gesprochen – da wird es auch viel Musik geben. Das versteht sich bei einer Familie, in der die Mama so viel gesungen und gespielt hat, in der sie die Liebe zur Musik an die Kinder weitergegeben hat. Stofferl, der früher sogar bei den Philharmonikern spielte, sagt: „Mit Musik kann ich mich am besten artikulieren. Das gilt für Freude, aber das gilt auch ganz genauso für Trauer.“

Vielleicht kann die Musik auch eines viel besser tun als die Sprache. Danke sagen.

Uli Heichele

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