Trauer um den beliebten Musterschüler

Dachau - Tilman T. (31) war einer der talentiertesten Juristen Bayerns, dem Tür und Tor zu einer glänzenden Karriere offen standen – bis er am Mittwoch während einer Gerichtsverhandlung mit drei Schüssen aus dem Leben gerissen wurde.

Ein lustiger, sympathischer Typ mit sonnigem Gemüt, der für jeden Spaß zu haben war. Ein Dozent, mit dem man auch mal ein Bier trinken konnte – so wird Staatsanwalt Tilman T. seinen Münchner Jurastudenten in Erinnerung bleiben. Der 31-Jährige war einer der talentiertesten Juristen Bayerns, dem Tür und Tor zu einer glänzenden Karriere offen standen – bis er am Mittwoch während einer Gerichtsverhandlung mit drei Schüssen aus dem Leben gerissen wurde.

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Einen Tag nach der Tragödie im Dachauer Amtsgericht sitzt der Schock tief bei LMU-Studentin Jessica U. (28, Name geändert): „Es ist so schrecklich! Das Gerichtsverfahren war eine Lappalie – der Angeklagte bekam doch nur ein Jahr auf Bewährung!“ In der Adalbertstraße 31, wo T. als Repetitor juristische Seminare abhielt, trauern die Studenten. „Er war ein unheimlich netter und sympathischer Mensch. Obwohl er so erfolgreich war, war er sich für nichts zu schade.“ Sein langjähriger Freund und Kollege Dr. Christoph Pechstein kann das Unglück kaum fassen: „Sein Tod trifft uns wie ein Schlag. Er war einer unserer Besten, immer engagiert und freundlich. Er sollte langfristig für uns arbeiten.“

Tilman T. ist tot

Die Karriere des jungen Staatsanwalts verlief wie im Bilderbuch: An der Ludwig-Maximilians-Universität war T. 2005 unter den besten zwei Prozent aller Studenten. Zwei Jahre später erzielte er beim Zweiten Staatsexamen ein sensationelles Ergebnis von 12,79 Punkten, wurde von 646 Teilnehmern der Drittbeste. Seine Studien führte er vor drei Jahren an einer New Yorker Elite-Uni fort und machte den Master of Law – einer erfolgreichen Zukunft im Staatsdienst als Richter oder Staatsanwalt stand nichts mehr im Weg. In New York lernte T. seine Ehefrau kennen, eine US-Amerikanerin, die aus Liebe mit ihm nach München zog. Die beiden wollten bald eine Familie gründen.

Bilder: Schüsse am Dachauer Amtsgericht

Bilder: Schüsse am Dachauer Amtsgericht

Unter den Studenten galt T. als der beliebteste Repetitor. Seinen Kurs hielt er jeden Donnerstagabend, doch wegen der späten Uhrzeit konnten nur wenige Studenten teilnehmen. Als das Seminar abgesetzt werden soll, bestehen die Studenten auf Fortsetzung: „Wir wollten ihn unbedingt behalten. Tilman war ein super Dozent“, sagt Jessica U. Tilman – mit seinen Studenten war er per Du. „Er hat immer gesagt: Es geht nicht um eure Noten, sondern darum, dass ihr den Stoff versteht.“

Studentin Bettina K. (24, Name geändert) hat auf Facebook „R.I.P. Tilman T.“ gepostet. Mit Tränen in den Augen erzählt sie: „Es ist furchtbar, am nächsten Tag in der Zeitung seinen Dozenten zu erkennen, den man noch vor einem Monat quicklebendig bei der Weihnachtsfeier gesehen hat. Da bekommt das Ganze etwas Unwirkliches.“ Besonders wird sie seinen Humor vermissen: Auf der Weihnachtsfeier im Dezember zapfte T. mit Weihnachtsmütze auf dem Kopf mehrere Bierfässer an.

Christina Lewinsky

Dachau am Tag nach dem schrecklichen Verbrechen

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Viele Gerichte bleiben geschlossen

Trauer, Tränen, aber auch Zorn und Wut: Der grausame Mord an dem jungen Münchner Staatsanwalt Tilman Turck (31) im Dachauer Amtsgericht – am Donnerstag begann die Aufarbeitung dieser Tragödie. Ein Drama, bei der ein junger, beliebter und erfolgreicher Mensch von einer tickenden Zeitbombe aus dem Leben gerissen wurde. Bekannte und Kollegen beschreiben den Täter Rudolf U. (54) als cholerischen Zeitgenossen mit schlechten Manieren. Einer, der wegen einer Bewährungsstrafe für Sozialversicherungsbetrug zur Pistole greift und einfach losballert!

Nachdem er nach ­seiner Wahnsinnstat am Mittwoch um 16 Uhr überwältigt wurde, ist er am Donnerstag um 11 Uhr im Münchner Institut für Rechtsmedizin in der Nußbaumstraße psychologisch begutachtet worden. Um 15.25 Uhr wurde er im Polizeipräsidium dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der erließ Haftbefehl.

Ausnahmezustand herrschte am Donnerstag an vielen Justizgebäuden in der Region: Die Amtsgerichte in Ebersberg, Starnberg und Miesbach bleiben geschlossen, das in Dachau sowieso. An einem Münchner Gericht wurde einem Staatsanwaltschaft angeboten, ob er zur Verhandlung eine kugelsichere Weste anziehen will. Traurige Reflexe nach dem diesem schrecklichen Verbrechen.

Die Staatsanwaltschaft München II wird gegen Rudolf U., der vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten hatte und unter Betreuung stand, Mord-Anklage erheben. Er muss mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen – für eine Leben, das er aus Zorn ausgelöscht hat.

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