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Trauer um Erdinger Mediziner: Nicht nur als Arzt ein Tausendsassa

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Von: Gerda Gebel

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Das Lernen war das Lebenselexier von Dr. James Koch. Der Erdinger Facharzt starb im Alter von 84 Jahren.
Das Lernen war das Lebenselixier von Dr. James Koch. Der Erdinger Facharzt starb im Alter von 84 Jahren. © privat

Dr. James Koch war in Erding als HNO-Arzt wohlbekannt. Er hatte viele Leidenschaften, war auch Mathematiker, Sprachtalent und Sport-Ass. Nun ist er mit 84 Jahren gestorben.

Erding – Fast 30 Jahre behandelte Dr. James Koch in Erding Patienten als Facharzt für Hals, Nasen und Ohren sowie der Plastischen Chirurgie. Nun ist der Mediziner nach einer schweren Krebserkrankung im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war nicht nur medizinisch ein Tausendsassa.

Seine Praxis am Schönen Turm eröffnete Koch 1974 und fand neben den HNO-Behandlungen besonders an der Wiederherstellungschirurgie große Freude. Dies betraf etwa die Rekonstruktion von Lippen oder Nasen nach Krebserkrankungen oder Unfällen. Auch bei Operationen am Ohr galt er als Koryphäe. Eine Spezialität Kochs war die Einrichtung einer gebrochenen Nase ohne Narkose – kurz und (nahezu) schmerzlos. Ein Griff, der besonders von Polizisten und Eishockeyspielern geschätzt wurde, so seine Ehefrau Anneliese.

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Doch Koch war nicht nur als HNO-Facharzt gefragt, er hatte zeitgleich auch ein Studium der Zahnmedizin mit Auszeichnung abgeschlossen. Nach Unfällen mit Kieferbrüchen wurde er vom Krankenhaus Erding gern als Fachmann hinzugezogen.

Ein besonderes Augenmerk legte er auf seine kleinen Patienten. Ihm lag am Herzen, dass sie ohne Angst und Tränen behandelt werden konnten. Mit Rat und Tat stand ihm dabei seine pädagogisch ausgebildete Ehefrau Anneliese zur Seite. Die Patienten schätzten Kochs ruhige und souveräne Art. So schwärmt eine ehemalige Patientin noch heute, wie der Arzt ihr als Kind die Angst vor Eingriffen nahm.

Geboren wurde Koch in Tanga (heute Tansania), wo seine Eltern im Hochland eine Kaffeeplantage betrieben. Der Vater war Deutscher, die Mutter Engländerin. Vor Ort verständigte sich der junge James in der Landessprache Kisuaheli. Das Aufwachsen mit viel Abenteuer und großer Freiheit in Afrika prägte ihn sein Leben lang. Für ihn bedeutete der Ausdruck „at home“ immer Afrika.

Erst nach dem Abitur kam James Koch im Alter von 17 Jahren nach Deutschland. Seine mathematische Begabung führte zu einem Stipendium für ein Mathematik- und Physikstudium in Cambridge, doch nach einem Jahr schwenkte er um und begann ein Doppelstudium der Medizin und Zahnmedizin in Deutschland. Anschließend sammelte er Erfahrung auf Fortbildungen im Ausland und entschied sich letztlich nicht für die Übernahme einer Klinik, sondern ließ sich als Facharzt in Erding nieder.

Hier lernte er vor 45 Jahren seine Ehefrau kennen. Sie war eine seiner Patientinnen. 1985 heirateten die beiden und bekamen die Kinder Corina und Jimmy. Mit großer Leidenschaft widmete sich Koch fortan nicht nur seiner Arbeit, sondern auch seiner Familie. Um seine britische Herkunft weiterzugeben, erzog er Tochter und Sohn zweisprachig.

Sein Leben lang war der Mediziner von großer Wissbegierde erfüllt, die sich weit über seine Fachgebiete hinaus erstreckte. Fremde Länder und Kulturen, neue Sprachen, Musik und Naturwissenschaften interessierten ihn sehr. „Das Lernen war sein Lebenselixier“, erzählt Anneliese Koch.

So entschloss er sich nach der Praxisaufgabe, als achte Sprache Chinesisch zu lernen. Zur Vertiefung verbrachte er vier Monate in Peking, wohnte dort bei einer Familie, besuchte eine Sprachenschule und hospitierte daneben in chinesischen Operationssälen. Ungeachtet seines Alters übernahm Koch regelmäßig auch Praxisvertretungen für Kollegen in Künzelsau, Kufstein und Deggendorf. Von seinen Kollegen wurde er sehr geschätzt und erntete viel Respekt und Anerkennung.

Ein wichtiger Teil, der zu Dr. James Koch gehörte, war der Sport. Zu Schulzeiten führte er als Kapitän die Hockeymannschaft seiner Schule zum legendären Sieg über die kenianische Nationalmannschaft. Auf Kochs Sportprogramm standen neben Tennis, Golf und Squash auch Eiskunstlaufen und Skifahren. Und als Grandpa krabbelte er mit über 80 mit seinen Enkeln noch durch Spieltunnel, kletterte auf Bäume, fuhr mit dem Bobbycar und sauste Rutschen hinunter.

Auch wegen seiner drei Enkel Jonas, Mia und Annabelle fiel es Koch sehr schwer, das Leben loszulassen. Er starb zuhause im Kreis seiner Familie. „Kwa heri na salama sana – Farewell and rest in peace“ heißt es auf Kisuaheli und Englisch in der Todesanzeige mit Blick auf das Wahrzeichen seiner afrikanischer Heimat, den Kilimandscharo. In bester Erinnerung werden ihn neben der Familie auch seine Patienten behalten.

Die Beisetzung findet am heutigen Samstag um 10 Uhr im städtischen Parkfriedhof an der Itzlinger Straße in Altenerding statt.

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