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Trauer um Josef Lanzinger: Vollblut-Landwirt und Brückenbauer

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Von: Friedbert Holz

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Ein Mann mit Weitsicht: der Gruckinger Josef Lanzinger.
Ein Mann mit Weitsicht: Josef Lanzinger. © privat

Auf ein wahrlich erfülltes Leben konnte der Gruckinger Josef Lanzinger zurückblicken, der jetzt im Alter von 83 Jahren starb. Diesen Dienstag wird er zu Grabe getragen.

Grucking - Der Gruckinger war nicht nur mit großer Hingabe Landwirt auf dem Klostermaier-Hof. Er übte auch lange Zeit einige politische Ämter in der Gemeinde Fraunberg aus, war Mitglied in vielen Vereinen und verrichtete zusammen mit seiner Frau die Mesner-Dienste in Grucking. Am heutigen Dienstag wird Josef Lanzinger nach dem Gottesdienst um 10 Uhr in der Reichenkirchener Pfarrkirche in Grucking zu seiner letzten Ruhestätte begleitet.

Trauer um Josef Lanzinger: Vollblut-Landwirt und Brückenbauer

Der rührige Gruckinger war zusammen mit seinen drei Geschwistern Ursula (82), Franz (80) und Anneliese (78) auf dem väterlichen Hof aufgewachsen, ging in Reichenkirchen zur Schule. Danach begann er eine landwirtschaftliche Lehre, besuchte ein Berufsschulinternat in Pfarrkirchen, war von 1957 bis 1959 auf der Landwirtschaftsschule Erding und lernte zusätzlich auf einem Betrieb in Röhrmoos (Kreis Dachau). 1960 übernahm Josef Lanzinger den elterlichen Hof und legte sieben Jahre später die Meisterprüfung ab.

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Schon damals begeisterte er sich für neue Ideen und fortschrittliche Methoden. So war er vor 60 Jahren auch Mitbegründer der Maschinen- und Betriebshilfsringe Reichenkirchen und Erding. Bis 1971 engagierte sich der Gruckinger dort als Geschäftsführer, bis 1981 als Vorsitzender. Es war ihm eine Herzensangelegenheit. 2004 übergab er seinen Betrieb, „einen der ersten mit Maisanbau im Landkreis“, wie er einst stolz bemerkte, an seinen ältesten Sohn Sepp.

Josef Lanzinger verstorben - er lernte seine Frau bereits in der Schule kennen

Bei aller beruflichen Tätigkeit war ihm seine Familie sehr wichtig. Nachdem er seine Frau Resi (75) aus dem niederbayerischen Gundhöring über gemeinsame Freunde in der Schule kennen gelernt hatte, heirateten die beiden 1970 in Grucking und feierten vor zwei Jahren Goldene Hochzeit. Die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin schenkte ihm sechs Kinder, die fast alle mit ihren Familien oder Partnern ganz in der Nähe leben: Josef (50, Grucking), Klaus (49, Eichenkofen), Maria (47, Oberding), Bernhard (45, Langenpreising), Stephan (43, Berlin) und Verena (36, Oberding). Auch über mittlerweile 13 Enkelkinder durfte sich Josef Lanzinger freuen.

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In seiner Gemeinde wirkte er aktiv am politischen Leben mit, war zunächst Gemeinderat im Teilort Reichenkirchen von 1972 bis 1974. Von 1974 bis 1996 saß er für die CSU im Fraunberger Gemeinderat, war von 1974 bis 1990 Zweiter Bürgermeister. Zudem war Josef Lanzinger 24 Jahre lang Verbandsrat im Wasserzweckverband Berglerner Gruppe.

Damals lernte ihn auch der amtierende Fraunberger Bürgermeister Hans Wiesmaier kennen und schätzen. „Josef Lanzinger war zeitlebens eng mit der Gemeinde und ihren Geschicken verbunden, war ein vorausschauender Pionier, der stets über den so genannten Tellerrand hinausblicken konnte. Wir alle schätzten seine große Erfahrung, nicht nur aus der Landwirtschaft. Er war ein wichtiges Bindeglied“, würdigt Wiesmaier den Verstorbenen. Persönlich habe er Lanzinger als einen Menschen kennen gelernt, der mit seinen guten Ratschlägen niemals Druck ausgeübt und öffentliche Versammlungen noch bis vor kurzem mit wertvollen Beiträgen bereichert habe.

Trauer um Josef Lanzinger: Auszeichnungen für seine politische Arbeit

Für seine politische Arbeit, auch als Mitglied des Kreistages von 1966 bis 1984, wurde Lanzinger 1984 mit der kommunalen Dankurkunde für Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung ausgezeichnet. Darüber hinaus ehrte ihn seine Gemeinde mit der Bürgermedaille. 2006 erhielt er die Bayerische Staatsmedaille in Silber für Verdienste um die bäuerliche Landwirtschaft. „Ihre Fähigkeit, Brücken zu bauen und unterschiedliche Interessen für die gute Sache zu bündeln, wird allseits hoch geschätzt“, lobte ihn der damalige Landwirtschaftsminister Josef Miller.

Josef Lanzinger arbeitete von 1964 bis 1972 auch als Einsatzleiter für Betriebshelfer, die bei Notfällen auf Höfen einspringen. Zudem kümmerte er sich als Vorsitzender des Erzeugervereins für Saat- und Pflanzgut um landwirtschaftliche Qualitätsprodukte, hielt dazu Fachvorträge. Er brachte seine Erfahrung auch in vielen anderen landwirtschaftlichen Vereinigungen ein.

Auch in vielen Vereinen in seiner Heimatgemeinde engagierte sich Josef Lanzinger: in der Schützengesellschaft Germania Grucking, im Krieger- und Soldatenverein Reichenkirchen, in der Freiwilligen Feuerwehr sowie in der örtlichen Jagdgenossenschaft.

Wenn es seine knappe Freizeit zuließ, radelte er gerne oder spielte Akkordeon. In früheren Jahren war er sogar nach Syrien, Ägypten und Israel gereist, wo sein jüngster Sohn Stephan studiert hatte. Alle lokalen Geschehnisse verfolgte er in der Heimatzeitung, die er täglich las.

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