Tragischer Unfall auf Flughafen-Tangente

Trauer um Martin Lindermayer: Für den Navis-Helfer kam jede Rettung zu spät

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Martin Lindermayer (64), kürzlich mit der Hilfsorganisation Navis in Mosambik, ist bei einem Autounfall gestorben.

In Mosambik half er Menschen aus der Not. Nun kam für Martin Lindermayer selbst jede Rettung zu spät: Ein Unfall riss den beliebten Navis-Helfer aus dem Leben.

Moosburg – Die paar Mückenstiche, die er sich im Hilfseinsatz in Mosambik eingefangen hatte, wollte er zur Sicherheit von einem Münchner Tropenmediziner untersuchen lassen. Als Martin Lindermayer bei dem Professor in der Praxis sitzt, sprudelt aber erst einmal seine Begeisterung heraus: Er erzählt von der Mission mit der Moosburger Hilfsorganisation Navis, bei der er für Überlebende des Zyklons Tausende Liter Trinkwasser aufbereitet hat. 

Der Professor ist so beeindruckt, dass er einen Vortrag vor Studenten am kommenden Montag vorschlägt. Martin Lindermayer sagt sofort zu. Aber sein Versprechen kann er nicht mehr einlösen. Eine knappe Woche vor dem Vortrag, am vergangenen Dienstag, reißt ihn ein Autounfall aus dem Leben.

Auf der Flughafen-Tangente Ost gerät der 64-Jährige, der in Eching (Kreis Landshut) wohnt, in den Gegenverkehr. Er prallt frontal in einen Lkw. Der Brummi-Fahrer bleibt unverletzt, doch Martin Lindermayer hat es schlimm erwischt. Ersthelfer und der Notarzt versuchen, ihn zu reanimieren, vergebens. Im Polizeibericht steht später „ungeklärte Ursache“. Man vermutet einen gesundheitlichen Auslöser.

Die Nachricht von seinem Tod ist ein schwerer Schock für die Angehörigen. Martin Lindermayer hinterlässt eine Ehefrau und zwei Söhne.

Plötzlich aus Leben gerissen: Navis-Kameraden vom plötzlichen Tod tief erschüttert

Und auch beim Verein Navis ist man vom plötzlichen Tod des Kameraden erschüttert. „Ich stand am Wochenende noch mit Martin auf der Messe Moosburg“, sagt Navis-Chef Wolfgang Wagner, dem vor Trauer immer wieder die Stimme versagt. „So emotional, wie er den Messebesuchern von seinem Einsatz mit allen Höhen und Tiefen berichtet hat, da hätte man einen Film drehen können.“ Ein alter Hase sei Lindermayer dank mehrerer Einsätze gewesen, ein Vorbild für Jüngere. „Martin konnte fachlich und kameradschaftlich selbst schwierigste Lagen meistern.“ 

Auf der Facebook-Seite von Navis überlagert ein schwarzes Trauerband das Vereinslogo, darunter hat man versucht, den Schmerz in Worte zu fassen: „Ein Mensch, der immer für uns und die Ärmsten der Welt da war, ist nicht mehr. Er wird uns fehlen.“

Martin Lindermayer (r.) stolz beim Wasseraufbereiten in Mosambik. Links neben ihm: Teamleiter Oliver Krebs.

„Dass er gebürtig aus dem Bayerischen Wald stammte, hat man gemerkt“, sagt Werner Hammerschmid, der mit Lindermayer in Mosambik war. „Ein Pragmatiker, mit beiden Füßen am Boden, so, wie man es sich wünscht.“ Auch den 52-jährigen Notfallsanitäter hat die Nachricht tief getroffen. „Vor unserem Einsatz war er ein Fremder für mich. Jetzt hab’ ich einen Freund verloren.“ Schon im Flieger nach Afrika habe man sich alles Mögliche erzählt, „so, als hätten wir uns bereits 100 Jahre gekannt“.

Bei Unfall ums Leben gekommen: Er war ein Experte seines Fachs

Für die kommenden Wochen hatte Hammerschmid geplant, seinen Kameraden mit dem Motorrad in dessen Firma zu besuchen. „Auf die war er sehr stolz. Der Martin war nicht einfach nur ein Installationsmeister, der war hochspezialisiert auf Trinkwasseraufbereitung und hat auch Großaufträge für Krankenhäuser und die Bundeswehr gestemmt.“ Als Lindermayer in Mosambik den allerersten Becher mit sauberem Wasser aus der Anlage zapfen konnte, bat er Hammerschmid, zum Fotohandy zu greifen. „Das Bild wollte er unbedingt seinem Buben schicken, der daheim die Firma übernommen hatte.“

Ein Moment aus der gemeinsamen Zeit ist Werner Hammerschmid besonders im Gedächtnis geblieben, und er beschäftigt ihn nun. „Weil wir in Flugzeugtypen saßen, die erst kürzlich von Abstürzen betroffen waren, haben wir auch übers Sterben geredet. Der Martin meinte, er habe keine Angst vorm Tod. Er habe nämlich schon alles geregelt.“

Die Beerdigung für Martin Lindermayer findet am Dienstag, 14. Mai, um 14 Uhr in der Gemeinde Eching (Kreis Landshut) statt. Mehr Informationen zum Einsatz der Moosburger Hilfsorganisation Navis in Mosambi k finden Sie hier.

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