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Schwergewicht der Herrschinger Ortspolitik: Große Trauer um Wolfgang Schief

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Von: Andrea Gräpel

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Wolfgang Schief war ein Schwergewicht der Ortspolitik.
Wolfgang Schief war ein Schwergewicht der Ortspolitik. © privat

Der ehemalige SPD-Gemeinderat Wolfgang Schief (90) ist tot. „Sein Engagement für mehr Gerechtigkeit werden wir sehr vermissen“, sagt ein Weggefährte.

Herrsching – Seine Wortbeiträge in den Herrschinger Gemeinderatssitzungen waren für die Berichterstatter nicht selten das Salz in der Suppe. Bis zuletzt war Wolfgang Schief als charmanter streitlustiger Mitbürger bekannt. Im Alter von 90 Jahren ist er vor Weihnachten verstorben. Seine Frau Christel spricht vielen Freunden und Weggefährten des Sozialdemokraten aus der Seele, wenn sie sagt, dass man immer den Eindruck hatte, Wolfgang Schief sei unsterblich. So aktiv und geistreich wie er bis ins hohe Alter war. Noch mit weit über 80 Jahren unternahm er Motorradreisen in die Türkei und nach Lesbos, der griechischen Lieblingsinsel der Schiefs.

Herrsching: ehemaliger SPD-Gemeinderat Wolfgang Schief mit 90 Jahren gestorben

Er war ein Schwergewicht der Herrschinger Ortspolitik, vertrat die SPD von 1984 bis 1990 und noch mal von 1996 bis 2008 im Gemeinderat. Das Thema „barrierefreies Kurparkschlösschen“ pflegte er bis zum Schluss wie ein Baby und schimpfte leidenschaftlich, wenn neue Argumente dagegen sprachen. Noch mit 87 Jahren kehrte er seinem Ortsverein in Herrsching den Rücken und wechselte nach Seefeld. Zwischendrin überlegte er zurückzukehren, „aber er tat es dann nicht mehr“, sagt seine Frau Christel. Anträge stellte er trotzdem, auch Leserbriefe zu schreiben, wurde er nicht müde.

Wolfgang und Christel Schief kamen 1958 aus Stuttgart an den Ammersee. Schief unterrichtete Versicherungskaufleute in München. 1972 traten sie der SPD bei, um zu der Zeit Willi Brandt im Bundestagswahlkampf zu unterstützten. Als ihr damaliger Nachbar Rudolf Hanauer gegenüber am Zaun CSU-Plakate aufhängte, antworteten die Schiefs mit Plakaten Brandts. Diese Art Humor zeichnete Schief all die Jahre aus.

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Wolfgang Schief gestorben - „Zeitlebens verstand er sich als Anwalt der sozial Benachteiligten“

„Zeitlebens verstand er sich als Anwalt der sozial Benachteiligten“, sagt Werner Odemer, Vorsitzender des Herrschinger SPD-Ortsvereins und langjähriger Weggefährte. Nicht immer waren sie einer Meinung, aber immer freundschaftlich verbunden. „Sein Engagement für mehr Gerechtigkeit werden wir sehr vermissen“, schreibt Odemer in einer Todesanzeige. Ebenso seine Hartnäckigkeit. Ein Symbol dafür mag der kleine Mülleimer am Zaun der Schiefs sein, der bis heute dort hängt und geleert wird. Immer wieder hatte Schief einen Abfallbehälter für die Rudolf-Hanauer-Straße gefordert, weil Spaziergänger ihre Eisbecher und anderen Unrat bei ihm im Garten entsorgten. Bis er schließlich selbst einen Eimer aufhängte. Jahrzehnte ist dies her.

Der Trauergottesdienst für Wolfgang Schief findet am kommenden Montag, 2. Januar, ab 13.30 Uhr in der Erlöserkirche in Herrsching statt.  

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