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So trauert Krailling um die toten Schwestern

Krailling - Nach dem Mord an den beiden Schwestern Sharon und Chiara ist die Angst in Krailling plötzlich Alltag. Was die Kinder und Eltern im Ort fühlen und wie Schule und Rathaus reagieren:

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Schreckensfund: Chiara (8) und Sharon (11) ermordet

Als Sophia S. (10) mitten in der Nacht aufwacht, hört der Albtraum nicht auf: Sharon, ihre Mitschülerin wurde ermordet. „Ich habe plötzlich Angst bekommen, dass der Mann dasselbe mit mir und meiner Schwester auch macht.“ Die Eltern beruhigen sie, lassen sie zum ersten Mal seit Jahren wieder im Ehebett schlafen. Krailling ein Tag nach dem Kindermord: Die Polizei konnte den Täter nicht so schnell wie erhofft präsentieren. Vielleicht ist er noch unter ihnen? Nun herrscht neben der Trauer auch große Verunsicherung.

Die Trauer in Krailling

Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort

Um 7.30 Uhr stehen die Autos vor der Volksschule Schlange, in die das jüngere Opfer Chiara (8) ging. Am Donnerstagabend hatte der Elternbeirat eine Telefonkette gestartet, die Eltern sollten ihre Kinder sicherheitshalber nicht alleine zum Unterricht kommen lassen. Am Tor empfangen sie der Kontaktpolizist Bernd Halckenhäuser und die Rektorin Hermine Freystätter. „Wir wollen zeigen, dass wir da sind und wollen ein Sicherheitsgefühl vermitteln,“ sagt die Pädagogin.

Heute nimmt sich der Schulpsychologe so viel Zeit für die Kinder wie nötig, der Unterricht ist Nebensache. Die Kinder malen Bilder für Chiara, sie reihen sie auf den Treppenstufen in der Aula auf und stellen Kerzen und Blumen dazu. Auf einem Bild steht: „Wir hoffen, dass es euch im Himmel gut geht.“ Auch in Sharons Gymnasium in Gräfelfing steht am Freitag alles im Zeichen der Trauerbewältigung und Beruhigung. Mitschülerin Sophia S. berichtet: „Sie haben uns gesagt, wir brauchen keine Angst zu haben und dass der Mord nur mit dieser Familie zu tun hatte.“ Beide Schulen planen Gedenkgottesdienste nach der Beerdigung der Mädchen.

Bilder vom Tatort

Familiendrama in Krailling

Nach Schulschluss übernehmen an diesem Tag die Eltern wieder die Seelsorge. Viele gehen mit ihren Kleinen zum Tatort, so wie der Vater von Sophia, Peter S. (50). „Wir müssen viel mit den Kindern reden und ihnen Sicherheit geben. Ich bin ganz ehrlich zu meinen Kindern, sie erfahren ja ohnehin irgendwann alles über den Mord im Freundeskreis.“ Auch am Haus von Chiara und Sharon haben sich bunte Blumen, Kerzen, Briefe und Bilder angesammelt. Eine Freundin von Sophia stößt hinzu, die Mädchen fallen sich in die Arme und weinen.

Angst und Trauer sind im Alltag angekommen. Die 14-jährige Sarah R. sagt: „An diesem Wochenende wird keiner von uns Party machen, wir treffen uns, um uns irgendwie abzulenken.“ Als der Schmerz sie wieder übermannt, klammert sie sich an ihre Mutter Annette (44). Diese versucht, stark zu bleiben. „Aber es fällt mir schwer, ich habe früher mit der Mutter zusammengearbeitet. Und dann diese Angst: Ich denke sogar an der Supermarkt-Kasse, der Täter könnte der Mann hinter mir sein. Ich habe gestern alle Fenster und Türen verschlossen, die Rollos runtergelassen und das Gartentor verschlossen. Früher hätte ich gedacht, so etwa ist hysterisch. Aber jetzt ist alles anders …“

Am Tag danach ist der erste Schock verdaut, aber das Grundvertrauen bleibt erschüttert. Bürgermeisterin Christine Borst (CSU): „Unsere Bürger ziehen hierher wegen der Ruhe und Sicherheit. Bei uns gibt es nicht einmal viele Blechschäden. Eine solche Tat verunsichert an diesem Ort mehr als an anderen.“ Auch deshalb sitzen die Bürger jetzt in ihren Wohnzimmern oft an den Radios. Hoffentlich ist der Mörder bald gefasst! Keiner im Ort will Panik verbreiten, allein der Kinder wegen. Aber die ernsten Gesichter der Kunden beim Metzger, die verwaisten Vorgärten und die Stille in den Straßen verraten, was Elisabeth K. (55) aus Krailling ausspricht: „Wir haben das Unbeschwerte verloren. Vielleicht für immer.“

Nina Bautz

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