Hochadel zu Gast am Starnberger See

Adelshochzeit: Tutzing im Fokus der Medienwelt

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Die Hochzeit von Maria Theresia von Thurn und Taxis mit dem Künstler Hugo Wilson hat zahlreiche Vertreter des europäischen Hochadels und etliche Mitglieder der Glamourwelt in die Seegemeinde gelockt.

Tutzing - Tutzing liegt am Samstag für einige Stunden im Fokus der Medienwelt. Die Hochzeit von Maria Theresia von Thurn und Taxis mit dem Künstler Hugo Wilson hat zahlreiche Vertreter des europäischen Hochadels und etliche Mitglieder der Glamourwelt in die Seegemeinde gelockt.

Die Dame in der ersten Zuschauerreihe weiß alles: „Das war gerade Filippa von Bayern“, teilt die Adelsexpertin aus Darmstadt den weniger Kundigen hinter ihr mit. Vor dem Haupteingang der Tutzinger St. Joseph-Kirche balgen sich gerade die Fotografen um die besten Plätze, manche haben sogar Leitern mitgebracht, um besser sehen zu können.

Wer im Gedränge steht, ist auf die Deutungshoheit der Frontfrau angewiesen: Schon seit einem halben Jahrhundert ist sie bei allen großen Hochzeiten des europäischen Hochadels als Zaungast dabei gewesen, angefangen hat sie allerdings mit der Beisetzung von John F. Kennedy 1963.

Heute gilt es mal wieder Erfreulicheres zu beobachten, wenn auch im Nieselregen: Maria Theresia Prinzessin von Thurn und Taxis wird mit dem Londoner Künstler Hugo Wilson vermählt - nach 34 Jahren, also seit Mutter Glorias Verehelichung mit dem Fürsten, hat das Haus Thurn und Taxis endlich wieder eine Hochzeit zu feiern.

Adelshochzeit: Noch mehr Bilder aus Tutzing

Adelshochzeit: Noch mehr Bilder aus Tutzing

Auch das Volk ist wieder gut vertreten: Vom gegenüberliegenden Festzelt sind viele Schaulustige nach draußen gekommen, der Bierumsatz drinnen leidet ein wenig. In gespannter Erwartung schaut alles Richtung St. Joseph. Wird man einen Blick ins dezent geschmückte Kircheninnere erhaschen? Sogar das Toilettenhäuschen vor dem Zelt ist irgendwie „aufgehübscht“ worden, man hat es mit ein paar tarnenden Zweigen verhüllt. Die Polizei sorgt dafür, dass die Straße einigermaßen frei bleibt, scheucht allzu dreiste Parker weg. So ein Münchner sei patzig geworden, berichtet ein Polizist der Verfügungseinheit - deren Einsatzbereich sind normalerweise Fußball-Hooligans. Er wird noch viel Freude haben an diesem Nachmittag.

Als zwei Vans mit abgedunkelten Scheiben die Kirchenstraße hochkommen und direkt vors Portal von St. Joseph einschwenken, gerät die Menge samt Adelsexpertin in Bewegung. „Es geht doch nur um die Braut und das Brautkleid!“, sagt eine offenbar erfahrene Schlachtenbummlerin. Dem ersten Van entsteigt die engste Familie mit Fürstin Gloria, dem zweiten ihre Tochter und Braut Maria Theresia, ihr Kleid mit weißem Oberteil und mit floralen Muster bedrucktem Rock, den Schleier hält ein goldener Haarreif.. Sie dreht sich an der Seite ihres Bruders Fürst Albert kurz zu den heftig rangelnden Fotografen um, verschwindet dann wie Mama im Kircheninneren.

Hier kommt das Brautpaar aus der Kirche

Hier kommt das Brautpaar aus der Kirche

Tutzings Pfarrer Peter Brummer zeigt sich kurz, er ist an diesem Tag zwar nicht der Zelebrant der Trauung, aber immer noch der Hausherr. Das Defilee der Gäste dauert etwa eine halbe Stunde. Manche huschen leicht genervt durch das Spalier der Normalsterblichen die Stufen zur Kirche hoch, andere genießen ihren Auftritt ganz offensichtlich, streichen sich fotogen durchs Haar. Auch „Swinging London“, die Stadt des Bräutigams, ist modisch stark vertreten, ein junges Paar in poppiger Aufmachung setzt Farbtupfer. Die Briten sind allesamt gut drauf: Noch hat sich Schottland nicht abgespalten. Die Security droht einem der Fotografen, ihn von der Leiter zu holen - er blockiert den Abfahrtsweg der Vans. Absperrbänder werden nun ausgerollt, wohl doch zu viel Volksnähe.

„Sie schleudern hier gerade eine Kamera für 6000 Euro herum!“, erregt sich eine über ihrem Laptop hockende Online-Journalistin über die allzu rabiate Vorgehensweise der Sicherheitsleute. Einer von ihnen erzählt, dass er das ganze Theater des Abschirmens nachher auf Schloss Garatshausen bei der Hochzeitsfeier noch einmal vor sich hat. Apropos Schirme: Mittlerweile streiten sich die Bildberichterstatter mit denen, die ihnen mit ihrem „Knirps“ die Sicht verbauen, es fallen deutliche Worte, die Blumenbeete vor St. Joseph leiden.

Mehrere Busse mit Gästen der Trauungszeremonie sind nun unten vorgefahren, Man erspäht statt dessen Künstlerwitwe Immendorf, Andrea Casiraghi aus Monacos Fürstenfamilie, Ex-Bond-Gespielin Rosamund Pike - in Pink. Promi-Friseur Gerhard Meir ist auch da, schließlich hat er das Braut-Haar gestylt. Er wird nicht in die Kirche gehen, dafür schwingt er hin und wieder draußen seinen Kamm und gibt während der etwa 75-minütigen Trauungszeremonie Interviews. Dann fährt ein mit weißen und rosa-farbenen Luftballons behängter Bentley vors Portal. Die frisch Vermählten kommen aus der Kirche, Gloria muss ihrer Tochter beim Einsteigen schnell noch den Brautstrauß nachreichen, ehe es Richtung Garatshausen geht. Wir üben stumm den Satz: „Brautstrauß bleibt Brautstrauß.“

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