Sie kämpft gegen die Verschwendung

Tutzingerin fordert Wegwerf-Verbot für Lebensmittel

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Claudia Ruthner (50).

Tutzing - Es ist ein bedeutsamer Tag für Claudia Ruthner (50) aus Tutzing: Heute beschäftigen sich EU-Politiker mit unserem Umgang mit Lebensmitteln – und dass es so weit gekommen ist, liegt auch an der Bayerin.

Die Verwaltungsangestellte hat eine Petition im Internet gestartet: Supermärkte sollen keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen. Ein solches Gesetz gilt in Frankreich bereits. Und Claudia Ruthner fragte sich: Warum kann man das nicht auch bei uns machen …? Grund ihrer Empörung: Angeblich wirft der durchschnittliche europäische Supermarkt jeden Abend 40 Kilo Essen weg. In Frankreich ist das seit einigen Wochen anders: Unverkaufte Lebensmittel muss der Markt spenden oder recyceln. Mit einer ähnlichen Idee für Deutschland startete Ruthner im Internet bei change.org ihre Petition. 15 000 Unterschriften später meldete sich der französische Initiator Arash Derambarsh (35) bei ihr und schlug vor: „Hey, lass uns die Sache doch gleich in ganz Europa machen!“ Gesagt, getan: Mit fünf weiteren Aktivisten aus Belgien, Griechenland, Großbritannien, Italien und Spanien starteten sie die europaweite Aktion. Innerhalb von zwei Wochen haben über 540 000 Menschen unterschrieben. Heute stellt Derambarsh die Sache im europäischen Parlament in Straßburg vor. Er sagt der tz: „Frankreich zeigt es: Wir können einiges verändern. Knapp 100 Millionen Menschen leiden in Europa an Armut!“

Wenn das Parlament den Plänen zustimmt, ginge die Sache an die Europäische Kommission und könnte den einzelnen Staaten in einem weiteren Schritt als Gesetzes-Vorschlag empfohlen werden.

Der französische Initiator Arash Derambarsh (35) gibt Lebensmittel vor einem Supermarkt aus.

Claudia Ruthner will ihre Petition (unter change.org/Lebensmittel) derweil auf jeden Fall parallel weiterlaufen lassen: „Wenn wir in Deutschland 100 000 Unterschriften gesammelt haben und sich eine Mehrheit der Bevölkerung bei einer repräsentativen Umfrage dafür ausspricht, muss sich der Bundestag damit beschäftigen.“

So oder so: Das Problem liegt nicht nur auf Seiten des Einzelhandels. Bernd Ohlmann, Sprecher des Bayerischen Einzelhandelsverbandes, sagt: „Pro Jahr und Verbraucher werden von Supermärkten vier Kilogramm Lebensmittel auf den Müll geworfen, während in privaten Mülltonnen die 20-fache Menge landet …“

Severin Schötz

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