Ballon landet mitten am Marktplatz

Diese mobile Wind-Mess-Station landete in Grafing, mitten am Marktplatz. Foto: Stefan Rossmann

Grafing - Ufo, Außerirdische, Modellflugzeug oder Wetterballon? Was da in Grafing mitten am Marktplatz niederging, war nichts von alledem.

Es war die Windmessanlage aus Baumberg. Und ein Absturz war das auch keiner.

Andreas Schumann, Martin Höher und Simon Wieser von der gleichnamigen Firma für Energietechnik in Frauenneuharting machen das, was im Landkreis Ebersberg bisher keiner gemacht hat: Sie wollen ein Jahr lang die Windgeschwindigkeit in Nabenhöhe messen. Erst dann, so argumentieren sie, könne man überhaupt eine erste Aussage treffen, ob Windenergie im Kreis wirtschaftlich genutzt werden kann. Standort der Anlage ist Baumberg.

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Inzwischen liegen Daten für etwa drei Wochen vor. „Zu wenig, um darüber eine Aussage machen zu können“, sagt Schumann. Jetzt gab es erste Schwierigkeiten. Der Ballon machte sich selbständig und ging in Grafing mitten auf dem Marktplatz nieder. „Glücklicherweise hat er keinen Schaden angerichtet“, sagt Schumann erleichtert. „Wir hätten ihn bei einem Gewitter einholen müssen. Aber dazu hat uns die Zeit nicht mehr gereicht“, schildert er die Situation.

Die Messung geschieht hauptsächlich auf ehrenamtlicher Basis. Dazu muss enorm viel Zeit für die Betreuung der Anlage aufgewendet werden. Allein die Materialkosten beziffert Schumann auf einen Betrag in Höhe von 10 000 Euro.

Dass es Schwierigkeiten geben könnte, war allen vorher klar: „Das ist kein Kinderspiel“, sagt Heinrich Hufnagel von der Fachschaft Windenergie.

Abgestürzt ist die Anlage jedoch nicht. Sie hat aber den vom Luftfahrt-Bundesamt definierten Luftraum verlassen. In so einem Fall erhitzt ein 20 Zentimeter langer Glühfaden die Ballon-Außenhülle. Es wird ein Loch in den Ballon geschmolzen, das Helium entweicht und die Messapparatur sinkt zu Boden. Dass die Anlage von Baumberg noch nach Grafing geflogen ist, führt Schumann auf den starken Wind zurück. Er betont aber: „Das Notablass-System hat funktioniert.“

Warum konnte sich der Ballon überhaupt selbständig machen? „Wir haben einen Fehler gemacht bei der Aufstellung“, räumt Schumann ein. Zwar habe vergangene Woche bereits einmal ein stärkeres Gewitter stattgefunden, der Wind sei aber aus einer anderen Richtung gekommen. Das habe die Anlage problemlos gepackt. Diesmal habe der Sturm den Ballon aber offensichtlich stark niedergedrückt, wodurch die Fangleine, an der das Instrumentarium samt Ballon befestigt ist, Kontakt bekommen habe mit einer Dachkante. Und diese Kante habe offensichtlich die Schnur durchgescheuert.

Die drei Messpioniere werfen deswegen aber die Flinte nicht ins Korn. Wie Schumann berichtet, werde der Standort um 300 Meter verlegt. Damit könne verhindert werden, dass die Schur mit umliegenden Gebäuden in Berührung kommt.

„Die Messgeräte wurden nicht beschädigt“, berichtet Simon Wieser. Lediglich eine kleine Karbonstange müsse ersetzt werden. Allerdings habe man sich entschlossen, den Ballon vom Hersteller wieder instand setzen zu lassen, damit alles seine Ordnung hat. „Wir hätten ihn aber auch selbst richten können“, so Wieser. „Die Messungen werden fortgesetzt“, kündigt Schumann an.

Von Michael Seeholzer

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