Harmonie im Tierstall

Diese Hasen-Dame zieht ein Katzenbaby auf

+
Ersatzmama Sarah (Hase rechts) kümmert sich liebevoll um Katzennachwuchs Mia. Das Baby wurde kurz nach der Geburt zu einem Waisen.

Dünzelbach - Artübergreifende Harmonie im Stall von Felix Engelschall: Seine Häsin Sarah hat sich eines Katzenbabys angenommen. Denn das Tier war kurz nach der Geburt zu einem Waisen geworden.

Anna Oswald ist die Freundin des Hobby-Kaninchenzüchters Felix Engelschall (26). Auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Dünzelbach hatte Kätzin Mona am 12. Mai ihren ersten Wurf zur Welt gebracht. Doch die drei süßen Miezen wurden schon zehn Tage später zu Tierwaisen: „Die Katzenmama blieb ganz ungewohnt über Nacht weg. Am nächsten Tag fanden wir sie rund 200 Meter von unserem Hof entfernt – sie ist überfahren worden“, sagt Anna Oswald.

Während zwei Kätzchen sich mit der Flasche großziehen ließen, verweigerte das schmächtigste unter ihnen diese Form der Nahrungsaufnahme. „Da kam mir die Idee, es einfach mit meiner Häsin, die wenige Tage nach der Kätzin einen Wurf zur Welt gebracht hat, zu versuchen“, erzählt Felix Engelschall.

Verhalten der Hasenmama ist ungewöhnlich

Anna Oswald aus Dünzelbach besucht Katzenbaby Mia regelmäßig im benachbarten Egling an der Paar. Dort lebt die Häsin ihres Freundes Felix Engelschall.

Das artübergreifende Experiment im Hasenstall im benachbarten Egling an der Paar glückte: Häsin Sarah nahm das Katzenbaby sofort unter ihre Fittiche: „Sie säugt es und putzt es, als wäre es ihr eigenes Junges“, freuen sich Oswald und Engelschall.

Tatsächlich ist das Verhalten der einjährigen Hasenmama Sarah äußerst ungewöhnlich: „Nicht jede Häsin hätte dieses fremde Tier angenommen, so etwas kommt sehr selten vor – von solchen Fällen hört man ganz wenig“, sagt Erwin Leowsky, Präsident des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter. Nach seiner Auskunft handelt es sich bei Hasenmama Sarah übrigens um eine Kreuzung aus Schecke und Riesenkaninchen. „Das muss eine sehr gutmütige Häsin sein“, lautet sein fachmännisches Urteil.

Im Hasenstall tummeln sich um die Hasenmami drei putzige Babykarnickel und Pflegemieze Mia. Die ist schon um einiges agiler als der leibliche Nachwuchs ihrer Ersatzmama. Leowsky weiß: „Ein junges Kaninchen bleibt schön brav bei der Häsin. Die junge Katze will wahrscheinlich bald die Welt erobern und sucht den Weg nach draußen.“

Bis dahin ist noch etwas Zeit: Mia hat eben erst die Augen geöffnet – den Weg zu den Ersatzzitzen findet sie mittlerweile mühelos und nuckelt eifrig daran. Während Häsin Sarah an Rüben oder Löwenzahn herummümmelt, miaut sie auf dem Weg zur Nahrungsaufnahme. Anna Oswald und Felix Engelschall schätzen, dass dieses ungewöhnliche Mutter-Tochter-Glück noch rund zwei Wochen anhalten wird.

Katze bekommt Hasenmuttermilch

Ungefähr so lange wird es auch noch dauern, bis die beiden Geschwister Mias sich langsam von der Flasche weg in Richtung feste Nahrung orientieren oder eigenständig aus dem Milchschüsserl schlabbern. Alle drei Katzenbabys haben schon an Gewicht zugelegt. „Momentan müssen wir die Katzenbabys noch alle vier Stunden mit der Flasche füttern“, erzählt Anna Oswald, die sich diese Aufgabe mit ihrer Mutter teilt.

Auf die 16-Jährige kommt noch eine weitere Herausforderung zu: Nämlich die Prüfungen zum Realschulabschluss. Aber sie sagt: „Das schaffe ich schon, wir sind schließlich eine tierliebe Familie.“ Während die beiden Miezen in Dünzelbach von Hand mit Katzenersatzmilch hochgepäppelt werden, bekommt Mia frische Hasenmuttermilch.

Das Mutterglück hielt nur kurz: Katzenmama Mona wurde nur zehn Tage nach der Geburt ihres ersten Wurfs überfahren.

Statt liebevoll in der guten Stube in Dünzelbach gestreichelt zu werden, kuschelt sie sich im Eglinger Hasenstall ins Stroh und fühlt sich bei ihren Ersatzgeschwistern, den drei Babykaninchen, richtig wohl. Bei den Engelschalls wird schon geschmunzelt und gemunkelt: „Vielleicht wird die Mia ja eine vegetarische Katz’.“ Oder ein vegetarischer Kater, denn: „Wir wissen noch nicht, ob es sich bei Mia wirklich um ein Weibchen handelt, aber wenn es ein Kater ist, nennen wir ihn halt Mio“, sind sich Felix und Anna einig. Und eines ist heute schon klar: „Hasenmama Sarah werde ich auf keinen Fall mehr hergeben, die ist was ganz besonderes, die bleibt bei mir“, sagt Hobbyzüchter Felix Engelschall.

Angi Kiener

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe

Kommentare