Dissident vor 31 Jahren ermordet

Jugoslawischer Ex-Geheimdienstchef vor Gericht

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Das Foto ist vom 18. April 2014 und zeigt den früheren jugoslawischen Geheimdienstchef Zdravko Mustac. Der Mord liegt mehr als 30 Jahre zurück, doch erst jetzt müssen sich Mustac und sein Komplize Josip Perkovic vor Gericht verantworten. Der Generalbundesanwalt wirft den beiden Männern ihm vor, 1983 die Ermordung des jugoslawischen Oppositionellen Stjepan Durekovic im oberbayerischen Wolfratshausen betrieben zu haben.

München - Für den 31 Jahre zurückliegenden Mord an einem kroatischen Dissidenten in Deutschland müssen sich seit Freitag der damalige jugoslawische Geheimdienstchef Zdravko Mustac und sein enger Mitarbeiter General Josip Perkovic vor Gericht verantworten.

Die Anklage wirft den beiden Männern vor, 1983 die Ermordung von Stjepan Durekovic im oberbayerischen Wolfratshausen angeordnet zu haben. Sie sind wegen Beihilfe zum Mord am Oberlandesgericht (OLG) München angeklagt.

Beide verweigerten zum Prozessauftakt Angaben zur Sache. Die Witwe des Opfers ist Nebenklägerin. Sie erschien wegen ihres angeschlagenen Gesundheitszustands aber nicht vor Gericht.

Mustac war von 1982 bis 1985 Chef des kommunistischen jugoslawischen Geheimdienstes SDS. Er soll die Ermordung befehligt haben. Der 72-Jährige wurde im April nach langem politischen Tauziehen von Kroatien nach Deutschland ausgeliefert. Der drei Monate zuvor überstellte Perkovic (69) war SDS-General. Er wird von der Bundesanwaltschaft bezichtigt, die Mörder angeworben zu haben.

Initiiert wurde der Mord nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft vom damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Mika Spiljak persönlich. Dieser habe verhindern wollen, dass Durekovic Verwicklungen seines Sohnes in illegale Geschäfte beim staatlichen Mineralölkonzern publik macht. Die regimekritischen Äußerungen und Veröffentlichungen Durekovics hätten lediglich vordergründig das Motiv für seine Liquidierung gebildet, heißt es in der Anklage.

Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor dem OLG-Staatsschutzsenat statt und soll bis zum Frühjahr dauern.

dpa

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