Polizei tappt im Dunkeln

Rätselhafte Masche: Woher wussten die Betrüger das?

Garmisch-Partenkirchen - Dieser Betrugsfall übersteigt alles was bislang gab: Ein Ehepaar erhält einen Anruf, soll sofort tausende Euro überweisen. Die Masche haben sie schnell durchschaut - wäre da nicht noch ein weiterer Anruf gekommen.

Äußerst dubioser Betrugsfall in Garmisch-Partenkirchen: Ein älteres Ehepaar erhält einen Anruf, soll sofort eine größere Summe Geld überweisen. Tun sie das nicht, wird sich der Betrag direkt verdoppeln. So weit, so bekannt.

Doch dann übersteigt die Geschichte alles, was es bislang gab - selbst die Polizei in Garmisch-Partenkirchen ist von dem Vorgehen völlig überrascht.

Der Fall ereignete sich laut Polizei so: Das Rentnerpaar (74 und 69 Jahre alt) wurde am Dienstag von einer angeblichen Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main angerufen. Auf dem Display des Telefons war dann auch tatsächlich die existierende Festnetznummer dieser Staatsanwaltschaft - die Nummer (069)136701 - zu sehen.

Überweisung per Western Union

Die angebliche Mitarbeiterin sagte dem erstaunten Geschädigten, dass gegen ihn eine Forderung in Höhe von 3750 Euro bestehe - angeblich wegen eines Strafverfahrens. Worum es dabei aber genau ging, sagten die Betrüger nicht. Das Geld jedoch müsse sofort überwiesen werden und zwar per Western Union an eine Person in der Türkei. Anderenfalls würde sich der Betrag verdoppeln.

Die Ehefrau des Geschädigten wollte sich daraufhin bei der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen rückversichern. Dort riet ihr eine Polizeibeamtin sofort davon ab, das Geld zu überweisen, da die Art des Einforderns sofort einen betrügerischen Hintergrund vermuten ließe. Die Beamtin versprach der Ehefrau außerdem, der Sache noch einmal nachzugehen und sich noch einmal zu melden.

Kurz darauf bekam die Ehefrau tatsächlich einen Anruf - von einer Frau, die sehr ähnlich klang wie die Polizeibeamtin, die sie vorher angerufen hatte. Die Frau nannte auch einen fast identisch klingenden Nachnamen und eröffnete der Ehefrau, dass die Forderung tatsächlich bestehen würde und die Zahlung unabdingbar sei.

Aufmerksamer Postbank-Mitarbeiter verhindert Betrug

Doch damit war der Fall noch immer nicht vorbei: Nur wenige Minuten später klingelte das Telefon beim Garmischer Ehepaar erneut. Diesmal war der vermeintliche Vorgesetze der Polizeibeamtin am Apparat. Auch er bestätigte den Eheleuten, dass sie sofort überweisen sollten - mittlerweile war der Gesamtbetrag schon auf mehr als 5000 Euro gestiegen.

Völlig schockiert ging das Ehepaar daraufhin an den Bankschalter ihrer Hausbank und hob das geforderte Geld ab. Damit fuhren die beiden zur Postbank nach Garmisch-Partenkirchen - denn per Western Union ist nur eine Bar-Überweisung möglich. Doch das kam dann einem aufmerksamen Mitarbeiter der Postbank ziemlich komisch vor - wohl auch deswegen, weil das Ehepaar einen erschreckten Eindruck gemacht hatte.

Der Postbank-Mitarbeiter rief noch einmal bei der Garmischer Polizei an. Und erst dann klärte sich auf, dass das Paar tatsächlich Betrügern zum Opfer gefallen war. Da hatten sie das Geld zum Glück noch nicht überwiesen und so konnte Schlimmeres verhinderte werden.

Wie ist dieser Betrugsfall möglich?

Doch wie ist dieser Betrugsfall möglich? "Das wüssten wir auch gerne", sagt ein Sprecher der Garmischer Polizei. Eine Masche, die die Polizei auch noch überhaupt nicht kennt, ist der Trick mit der tatsächlich existierende Nummer der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main - die wurde ja auf dem Display des Telefons angezeigt. "Offenbar gibt es eine App dafür", sagt der Sprecher. "Die kann dann jede mögliche Nummer simulieren."

Fast genauso dubios ist aber der Fakt, dass die Eheleute einen Rückruf der Polizei bekommen haben, in dem sich eine Betrügerin als eben die echte Polizistin der Garmischer Polizei ausgegeben hatte. "Hier muss man wohl vermuten, dass das Telefon des Rentnerpaares abgehört worden ist", sagt der Polizeisprecher. Denn die Betrügerin nannte offenbar auch einen Namen, der dem Namen der echten Garmischer Polizistin verblüffend ähnlich ist.

Wie die Dinge genau abgelaufen sind, wird derzeit ermittelt. Der Polizei sind allerdings schon weitere Fälle bekannt, in denen die Nummer der Frankfurter Staatsanwaltschaft aufgetaucht ist. Dennoch bleibt der Fall dubios. "Sehr sehr seltsam", sagt der Polizeisprecher. "Eine ganz linke Tour."

pak

Rubriklistenbild: © dpa

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