Kuh entdeckt geheimnisvollen Erdstall

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Ein Forscher untersucht den geheimnisvollen Erdstall in Doblberg.

Glonn - Eine Wiese, eine Kuh, ein Loch: so kam Familie Greithanner aus Doblberg (Gemeinde Glonn) zur ihrem ganz persönlichen Erdstall. Und das war so:

Im Sommer des Jahres 2005 marschierte eine Kuh über die Weide und brach mit dem Fuß in ein Loch ein. Das Loch war nicht sehr groß. Die Greithanners blickten hinein und hielten das Ganze erst einmal für einen Dachsbau. „Dann haben wir es ein bisschen ausgestochen“, erinnert sich Beate Greithanner an das Ereignis. Irgendwann war das Loch groß genug, dass man hinabsteigen konnte. Der Nachbar, Rudolf Greithanner und schließlich auch seine Frau Beate - ausgerüstet mit Taschenlampe und in gebückter Haltung. „Jeder ist ein Stück weitergegangen“, berichtet sie. „Ich bin als dritte runter und bin den Gang bis zu einer Abzweigung gegangen. Links führte er in eine Sackgasse, rechts verlief ein weiterer Gang.“ Etwas komisch sei es schon gewesen. Schließlich habe man ja nicht gewusst, ob der Erdstall nicht gleich einbreche.

Die Greithanners schliefen eine Nacht über ihre Entdeckung. Dann riefen sie beim Landesamt für Denkmalschutz an. „Dort hat man gleich gewusst, dass das ein Erdstall ist“, sagt Beate Greithanner.

Schließlich kam es zum Ortstermin auf der Kuhwiese. Neben einem Vertreter des Denkmalschutzes, rückten auch Mitglieder des Arbeitskreises für Erdstallforschung an, um die Entdeckung zu vermessen.

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„Die Erdställe sind ein ungelöstes Rätsel, ein Mysterium“, sagt Dieter Ahlborn, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises für Erdstallforschung aus Aying, auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Zu ihrer Zweckbestimmung gebe es viele Überlegungen. „Es gibt die Verstecktheoretiker. Möglich ist aber auch die kultische Bedeutung der Erdställe als Seelenkammern“, so Ahlborn. Eine weitere Theorie sei die des Durchschlupfbrauchtums. Das hält Ahlborn aber für unwahrscheinlicher, denn: „Das war eher nicht unterirdisch. Es gab Durchschlupfaltäre, durch die man durchgekrabbelt ist, um sich von Krankheit zu befreien“, weiß Ahlborn.

Zurück nach Doblberg: Hier wurde also vermessen und dokumentiert. Anschließend wurde der Eingang mit einer Betonplatte versehen, so dass niemand hinunter steigen kann. Das ist auch der Grund, weshalb diesmal auf einen Besuch der Ebersberger Zeitung im Untergrund verzichtet werden musste: Die Erdställe im Landkreis sind allesamt nicht mehr öffentlich zugänglich. Viele sind längst zugeschaufelt oder verschüttet.

Was fanden die Forscher in Doblberg heraus? Dieter Ahlborn, Thomas Beilner und Peter Forster haben es in ihrem Beitrag „Der Erdstall von Doblberg, Gemeinde Glonn, Landkreis Ebersberg“ (erschienen in „Der Erdstall. Hefte des Arbeitskreises für Erdstallforschung, Nr. 33) zusammengefasst. „Das erforschte Erdstallfragment ist Südwest-Nordost gerichtet und hat eine vermessene Gesamtlänge von ca. 25 m“, heißt es da. Und weiter: „Heute betritt man die Erdstallanlage über die runde Einstiegsluke einer Betonplatte, mit welcher die Einbruchsstelle vom Juli 2005 gesichert wurde (...) Von hier aus führt ein 7,0 m langer, 0,60 m breiter und im Schnitt 1,1 m hoher Gang in nordöstlicher Richtung. In seinem Deckenprofil weist er einen Rundbogen auf und hat in der östlichen Wand acht Lichtnischen auf gleichbleibendem Höhenniveau. In keiner einzigen Lichtnische wurden Rußspuren festgestellt. (...) Folgt man zunächst einem kurzen Ganstück in westlicher Richtung, so endet dieses schon nach 0,65 m an einem großen roten Sandsteinblock, auf dem mehrere verschieden große Konglomeratbrocken abgelegt wurden. (...) Folgt man dem 3,0 m langen und im Schnitt 0,6 m breiten abfallenden Gang in östlicher Richtung , so setzt er sich an seinem Ende durch ein vertikales Schlupfloch nach oben fort. Der Schlupf hat einen Durchmesser von 44 cm. (...) Von dieser Stelle aus setzt sich ein leicht abfallender Gang 3,7 m in östlicher Richtung fort, ehe er blind endet endet.“ Auch der Gangverlauf in südlicher Richtung wird in dem Beitrag akkurat beschrieben.

Einen Schatz zu finden, das wäre schon schön gewesen. Aber ernsthaft gerechnet haben die Greithanners nicht damit. „Man blödelt halt so rum, aber es war schon klar, dass da wohl nichts ist“, sagt Beate Greithanner. Bei ihrem Mann Rudolf flackerte für einige Sekunden wohl mal diese Hoffnung auf. „Es war ja eine arme Gegend, deswegenwar nicht mit einem Schatz zu rechnen“, sagt er. „Als ich aber erfahren habe, dass da früher mal eine Kirche war, habe ich gedacht, dass vielleicht Kirchenschätze dort versteckt wurden. Aber die Kirche vergräbt ihre Schätze wohl nicht in einem Erdloch.“

Auf der Kuhwiese ist es längst wieder ruhig geworden, die Betonplatte ist zugewuchert. Die Forscher haben aber, mit Unterstützung der Greithanners, jederzeit die Möglichkeit, wieder zu wissenschaftlichen Zwecken abzutauchen. Und die Kuh? Lebt sie noch? Beate Greithanner lacht. „Wir wissen gar nicht, welche es war. Sie ist eingebrochen, konnte sich aber selbst befreien und ist weitergegangen.“ Und war völlig ahnungslos, was sie mit ihrem Tritt ausgelöst hat.

Von Tanja Beetz

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