Sie arbeitete für eine Versicherung

28-Jährige ergaunert 800.000 Euro mit falschen Identitäten

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Klaudia K. (28) wird in den Gerichtssaal geführt.

München/Altomünster - Sie überwies Geld von Kunden auf ihr eigenes Konto, legte sich mehrere Identitäten zu: Eine Versicherungsmitarbeiterin hat ihre Kunden um fast 800.000 Euro betrogen. Vor Gericht kamen nun ihre raffinierten Maschen auf den Tisch.

Ziemlich genau eine Stunde braucht der Staatsanwalt, um alle Anklagepunkte gegen Klaudia K. zu verlesen: schwere Urkundenfälschung in 24 Fällen, schwerer Betrug in 45 Fällen, dazu etliche Versuche, die jedoch scheiterten. Der Schaden, den die 28-Jährige damit angerichtet hat: exakt 781 144,62 Euro!

Die Liste der Vorwürfe gegen sie ist lang. Sehr lang. Die junge Frau, die für ein großes Versicherungsunternehmen im Raum Altomünster (Kreis Dachau) als Vertriebspartnerin tätig war, verkaufte Bausparverträge an Kunden – das Geld dafür landete jedoch stets auf dem eigenen Konto. Außerdem löste sie die Verträge ohne Wissen der Kunden auf und sackte das Geld selbst ein. Schließlich soll sie mehreren Krankenkassen vorgegaukelt haben, arbeitsunfähig zu sein. Die nötigen Atteste und Gutachten fälschte sie wie am Fließband und kassierte dadurch Leistungen in Höhe von mehreren Tausend Euro ein. Für ihre Machenschaften legte sie sich kurzerhand verschiedene Identitäten zu. Mit dem erschwindelten Geld kaufte sie laut Anklage ein Haus und stattete es luxuriös aus.

Während des Prozesses vor dem Münchner Landgericht lässt Klaudia K. die Vorwürfe fast uninteressiert über sich ergehen, ihr Kopf liegt – erschöpft oder gelangweilt – in der rechten Hand. Ihr Blick ist starr auf den dicken Aktenordner vor ihr gerichtet. Als der Staatsanwalt endet, fragt der Richter sie: „Haben Sie das alles getan?“ Ihre Antwort ist sinnbildlich für das weitere Gespräch: „Ja, ich war dabei“, sagte sie. „Aber nur auf Druck der Serben!“

Der Serben? K. gibt erst Teile der Anklage zu, zieht dann das Geständnis wieder zurück. Sie sei vergewaltigt worden und depressiv gewesen, sagt sie. Mit dieser Begründung hatte sie sich in einem Fall Leistungen wegen Berufsunfähigkeit erschlichen. Irgendwann reicht’s dem Richter: „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Sie verurteilt werden.“ Nach einer Pause räumt K. fast alles ein.

Bei der Angeklagten war 2008 die Verdachtsdiagnose Multiple Sklerose gestellt worden. Sie nahm Beruhigungsmittel in erheblichen Dosen. Ob dies mit den Betrügereien zu tun hat, ist unklar. Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 27. Februar fallen.

Tobias Scharnagl und Angelika Klingenfuss

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