Details zu der Tragödie

Lebensgefährtin fand Leichen im Bett

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In diesem Haus in Neufinsing (Landkreis Erding) ereignete sich die Verzweiflungstat: Ein 41 Jahre alter Vater nahm seinen elfjährigen Sohn mit in den Tod.

Markt Schwaben/Finsing - Der Selbstmörder von Neufinsing, der seinen elf Jahre alten Buben mit in den Tod genommen hat, muss in großer Verzweiflung gehandelt haben. Zu dem erweiterten Suizid hat die Kriminalpolizei Erding weitere Details ermittelt.

Immer mehr spricht dafür, dass der 41 Jahre alte Stefan F. und sein elf Jahre alter Sohn Raphael am Sonntag starben. Nachbarn berichten, sie hätten das Kind am Wochenende noch draußen spielen gesehen. Der Schüler des Markt Schwabener Franz-Marc-Gymnasiums sei öfter mit Nachbarskindern herumgetollt. Auch wird von einem Telefonat der Lebensgefährtin am Sonntag berichtet. Das war wohl das letzte Lebenszeichen des 1972 in Nordrhein-Westfalen geborenen Vaters. Seine Ausweglosigkeit soll persönliche, möglicherweise finanzielle Gründe gehabt haben.

Stefan und Raphael F. mussten 2006 einen schweren Schicksalsschlag verkraften, damals starb Ehefrau und Mutter Martina. Vor einem Jahr zogen Vater und Sohn von Landsberg am Lech nach Neufinsing. Stefan F. war Informatiker und inzwischen wieder liiert. Dies bestätigte Peter Grießer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, auf Anfrage. Bei seiner Lebensgefährtin handelt es sich um eine 44-Jährige aus dem Holzland. Ihr kommt bei der Aufklärung der zweifachen Selbsttötung eine entscheidende Rolle zu. Zwei Tage lang konnte sie ihren Freund und das Kind nicht erreichen. Weil das ungewöhnlich war, machte sie sich am Dienstagmittag auf den Weg zu dem Mehrfamilienhaus am Lindenweg. Gegen 13 Uhr traf sie dort ein und betrat die Wohnung im Obergeschoss. Medienberichten zufolge fand sie beide leblos auf dem Bett. Sofort setzte sie einen Notruf ab. Die Integrierte Leitstelle Erding schickte einen Rettungswagen und eine Notärztin. Doch die konnte Stefan und Raphael F. nicht mehr helfen.

Weil eine ungeklärte Todesursache außer Zweifel stand, wurde die Kriminalpolizei Erding eingeschaltet. Zahlreiche Beamten eilten in den Lindenweg, um das Haus weiträumig abzuriegeln. Grießer erklärte, die Obduktion sei für Mittwochnachmittag angesetzt, mit einem Ergebnis sei am Donnerstag zu rechnen.

Groß war das Entsetzen über die Tragödie auch in Markt Schwaben. Der Bub, der Ende Juli zwölften Geburtstag gefeiert hätte, besuchte eine fünfte Klasse des Franz-Marc-Gymnasiums. Vor allem in Raphaels Klasse wurde der Tod aufzuarbeiten versucht. Schulleiter Gerhard Dittmann berichtet, „dass wir erst am Morgen aus der Zeitung von dem Unglück erfahren haben“. Daraufhin hätten Direktorat, Klassleiterin, Beratungslehrerin und die Schulpsychologin ein Kriseninterventionsteam gebildet. „In der ersten Stunde wurde ausschließlich Krisenintervention geleistet“, so der Oberstudiendirektor zu unserer Zeitung. Die Kinder hätten geredet, zugehört oder geweint. „Es bestand auch die Möglichkeit, dem Mitschüler ein Bild zu malen oder ihm letzte Zeilen zukommen zu lassen. Alles wurde auf seinen Platz gelegt.“ Für Mittwoch waren die Bundesjugendspiele angesetzt. Dittmann berichtet, „dass wir den Kindern die Möglichkeit eröffnet haben, daran teilzunehmen. Fast alle sind hingegangen.“ Man habe sich bewusst das Ziel gesetzt, „für den Mitschüler zu gewinnen“. Im Staffellauf sei Raphaels Klasse dann tatsächlich die schnellste gewesen. Nun, so der Direktor, soll wieder regulärer Unterricht stattfinden, „wir werden die Schüler aber im Auge behalten und auf ihre Trauer Rücksicht nehmen“.

Hans Moritz

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