"In der Öffentlichkeit präsent sein"

Imam Idriz: Jetzt radikalen Islamisten entgegentreten

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"Wir müssen engagierter in den sozialen Netzwerken aktiv sein und mit Stellungnahmen und Publikationen solchen radikalen Muslimen entgegentreten", sagt Imam Benjamin Idriz.

Penzberg/München - Viele Muslime in Bayern sind erschüttert über den islamistischen Anschlag auf "Charlie Hebdo". Der Penzberger Imam Benjamin Idriz sagt: "Wir müssen radikalen Muslimen entgegentreten." Auch der Vorsitzende des Muslimrats München, Sokol Lamaj, äußert sich.

„Wir müssen engagierter in den sozialen Netzwerken aktiv sein und mit Stellungnahmen und Publikationen solchen radikalen Muslimen entgegentreten“, sagte Idriz am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Islamisten nutzten das Internet bisher deutlich erfolgreicher: „Wir müssen in der Öffentlichkeit stärker präsent sein als solche radikalen Muslime. Die sind da bisher noch besser.“

An diesem Freitag sollten auch alle Imame den Anschlag in ihren Gebeten und Gemeinden thematisieren, forderte Idriz. „Wir dürfen nicht einfach still bleiben, und nach ein paar Tagen ist die Sache vorbei“, sagte der Imam. „Wir müssen immer wieder in die Öffentlichkeit gehen und mit der Mehrheitsgesellschaft Proteste organisieren, um uns von solchen Leuten zu distanzieren.“

Schon Jugendliche erreichen

Das Problem sei: Islamisten wie die mutmaßlichen Attentäter in Frankreich tauchten in einer normalen Moschee-Gemeinde nicht auf. „Daher fehlt die Kommunikation mit solchen Menschen.“ Es müsse den Muslimen dennoch gelingen, schon Jugendliche zu erreichen und ihnen zu sagen, „dass das der falsche Weg ist und unserer Religion schadet“. Mit Terror und Gewalt fügten Islamisten dem Islam „viel mehr Schaden zu als irgendeine Karikatur“, sagte Idriz.

Der Vorsitzende des Muslimrats München, Sokol Lamaj, sagte: „Es ist ein Prozess, der Menschen zu so etwas treibt.“ Oft seien sie isoliert und hätten ein persönliches Scheitern erlebt. Daher müsse man früher ansetzen als bei der Kommunikation über soziale Netze. Die Imame versuchten, diesen Menschen mit islamischen Argumenten klar zu machen, dass der Koran oder der Prophet Mohammed niemals mit Hass oder Gewalt auf Anfeindungen reagieren würde.

"Wir müssen jetzt alle zusammenstehen"

„Ich hoffe, dass der Anschlag für Muslime keine tragischen Auswirkungen hat. Ich hoffe, dass es jetzt keine Angriffe auf muslimische Einrichtungen gibt wie in Frankreich“, sagte Lamaj. Auch Aykan Inan vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Ditib sagte: „Wir hoffen, dass das friedliche Zusammenleben zwischen allen Religionen und Kulturen in Bayern durch solche Ereignisse nicht gestört wird.“

Idriz sagte, die Pegida-Bewegung arbeite „denen in die Hände, die Hass schüren und am Ende zu Gewalt greifen“. Der Imam forderte: „Wir müssen jetzt alle zusammenstehen, um einen gefährlichen religiösen Konflikt in Europa zu verhindern. Jetzt ist die richtige Zeit, dass Mulime und Nicht-Muslime zusammen ihre Stimme erheben und für ein friedliches Zusammenleben plädieren.“

dpa

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