Meine Tochter zu begraben – das würde trösten

Baldham - Nach dem Fund von Wrackteilen der Airfrance-Unglücksmaschine hofft der Vater des bayerischen Opfers, dass auch die Blackbox entdeckt wird - und Klarheit über die Absturz-Ursache bringt.

Herr Gans, Sie haben Ihre Tochter Ines bei dem Flugzeugunglück vom 1. Juni 2009 verloren. Weil Air France und Airbus bei der Aufklärung mauerten, gründeten Sie den Hinterbliebenen-Verein HIOP AF 447. Sind Sie erleichtert, dass nun Wrackteile der Unglücksmaschine geborgen wurden?

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"Wir wollen wissen, was passiert ist"

Bernd Gans:
Ja, denn nun haben wir endlich die Gewissheit, dass tatsächlich gesucht und nicht nur Zeitverzögerung betrieben wird. Denn bisher wurde in keinster Weise Aufklärungsarbeit von den Behörden betrieben.

Wurden Sie offiziell über den Fund der Wrackteile informiert?

Gans: Wir haben das aus der Presse erfahren. Dem Vorsitzenden des brasilianischen Hinterbliebenenverbandes wurde inzwischen gesagt, dass Mitte der Woche ein offizieller Bericht veröffentlicht wird, den wir dann auch bekommen sollen.

Todesflug AF 447: Bilder vom Meeresgrund

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Es sollen auch Leichenteile fotografiert worden sein. Hoffen Sie, Ihre Tochter doch noch beerdigen zu können?

Gans: Ja, das ist das urmenschlichste Bedürfnis, seine tote Tochter begraben zu wollen. Das würde Trost spenden. Aber ich fürchte, das ist noch in weiter Ferne. Seriöse Experten erklärten mir, dass es selbst mit Sonargeräten schwierig ist, in 4000 Metern Tiefe Felsgestein, Metall und Körper unterscheiden zu können. Vielleicht sind die angeblichen Leichenfotos nur Horrormeldungen, um uns Angehörige davon abzuschrecken, selbst auf die Suchschiffe zu gehen.

Was erhoffen Sie sich, falls nun die Blackbox der Unglücksmaschine gefunden werden kann?

Gans: Es wäre ganz entscheidend für uns! Wenn dieses schreckliche Unglück überhaupt irgendeinen Sinn haben soll, dann doch den, dass die Fehler ausgemerzt werden, die zu diesem Absturz geführt haben. Die Blackbox könnte klären, ob mangelndes Pilotentraining oder ein technischer Fehler schuld war. Die Hinterbliebenenverbände haben deshalb bei jedem Treffen mit den Verantwortlichen gefordert, die Ortungs­daten in den Flugsimulator in Toulouse einzugeben. Damit hätten sich Hypothesen ergeben, was zum Absturz geführt hat. Aber Airbus wollte nicht.

Und warum hat Airbus das verweigert?

Gans: Airbus will Zeit gewinnen. Denen wäre es wegen möglicher Schadensersatzforderungen natürlich lieber, dass Pilotenfehler und nicht Konstruktionsfehler schuld am Absturz waren.

Interview: Klaus Rimpel

Rubriklistenbild: © Robert Langer

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