Ismaninger überlebt Erdbeben in Christchurch

Nicolas Halkhoree

Landkreis - War es nur ein Wind, oder ist es wieder ein Erdbeben? Das fragt sich Nicolas Halkhoree aus Ismaning derzeit ängstlich, wenn er unter sich kleine Schwankungen spürt.

Auch die junge Unterschleißheimer Kirchenmalermeisterin Eva Mayrhofer hielt sich zur Zeit des Erdbebens in Christchurch auf. Ihr Hotel fiel in Schutt und Asche zusammen. Das Militär handelte schnell und flog sie nach Auckland aus, wo sie derzeit auf den Heimflug wartet. So hatte sich die junge Frau ihre letzten Urlaubstage nicht vorgestellt. Und doch bleibt große Erleichterung, da es zumindest keine körperlichen Schäden gab.

Wenn Nicolas Halkhoree dagegen im Moment unterwegs ist, trifft ihn das Schicksal vieler Betroffener hautnah. Da stehen weinende Menschen vor einem von Bausteinen zerschlagenen Auto, in dem Angehörige starben.

„So richtig mies habe ich mich vor allem in der zweiten Nacht gefühlt“, erzählt der Dreißigjährige: „Da regnete es und war wirklich sehr kalt. Und wir saßen im warmen Zimmer und wussten, dass nicht einmal sechs Kilometer weiter immer noch Menschen vielleicht lebendig unter Trümmern begraben sind und nur ums nackte Überleben kämpfen.“

Noch in der ersten Nacht nahmen Halkhoree und seine Freunde Unbekannte mit: „Am Abend hatten wir durchs Fernsehen erfahren, dass die Notunterkünfte überfüllt sind. Spontan haben wir uns entschlossen, in die Stadt zu fahren und beim Roten Kreuz eine Unterkunft anzubieten.“

So teilten sie in der Nacht ihr Zimmer mit einem Engländer und einem Neuseeländer, die nur das noch hatten, was sie zum Zeitpunkt des Erdbebens bei sich trugen.

Die beiden wurden am Mittwoch in die Hauptstadt Wellington geflogen. „Primär wurde versucht, alle Gestrandeten aus Christchurch wegzubringen, meistens nach Wellington oder Auckland per Flieger. Alle die nach Wellington, Auckland oder auch woanders gebracht wurden, kamen ebenfalls bei Privatpersonen unter.“

Der Zusammenhalt der Neuseeländer sei sehr groß, stellt der Ismaninger fest, „alle Firmen in Neuseeland helfen wo sie nur können. Die Leute haben Essen, Kleidung Spielzeug für die Kinder zu den Notunterkünften gebracht oder auch einfach nur mit Betroffenen geredet.“

Zum Zeitpunkt des Erbebens war Halkhoree selbst zum Glück gut 15 Kilometer entfernt bei der Arbeit im Vorort Rolleston: „Bei uns fielen nur einige Flaschen um. Aber wir merkten schon, dass es ein sehr langes Beben war. Das ganze Ausmaß wurde uns erst bewusst, als wir den Fernseher eingeschaltet haben und fassungslos die ersten Live-Bilder sahen. Es war ja mitten am Tag.“

Die Nacht danach konnten er und seine Freunde kaum ein Auge schließen: Knapp 250 Nachbeben mit Stärken zwischen 2,5 und 5.9 auf der Richterskala folgten. In den Tagen nach dem Erdbeben gab es kein Brot mehr, kaum noch Milch. Und Wasser nur begrenzt: „Es kam zu Hamsterkäufen bei Benzin, da eine Benzinknappheit befürchtet wurde. Inzwischen läuft die Versorgung mit Lebensmittel und Wasser wieder normal.“

In Christchurch selbst gebe es aber nach wie vor keinen Strom und kein Wasser: „Wir, die Wasser haben, wurden gebeten, sparsam damit umzugehen, es nicht zum Duschen oder Wäschewaschen zu verwenden. Das Wasser kann im Moment auch nur abgekocht getrunken werden.“

Am Tag vor dem Erdbeben feierte Halkhoree noch seinen 30. Geburtstag, verbrachte den Abend in der Stadt, saß in einem Restaurant am Cathedral Square mit Blick auf die Kirche. Ein Blick, den es keine 24 Stunden später nicht mehr gibt.

Neun Milliarden Euro, so die Schätzungen, wird der Aufbau kosten. „Von den bisher 113 identifizierten toten Menschen aber bleibt nur die Erinnerung“, meint Halkhoree traurig.

agm

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