"Schlimmste Qualhaltung"

Kaninchen aus Tier-Hölle gerettet

Fürstenfeldbruck - Ein Rasse-Kaninchenzüchter hat Tiere unter unsäglichen Bedingungen gehalten. Die Tierfreunde Brucker Land haben die Viecherl gerettet.

Das Veterinäramt will den Züchter jetzt genau beobachten - und er wird wegen Tierquälerei angezeigt.

„Das ist das Schlimmste, was ich je an Qualhaltung gesehen habe“, sagt Heidi Minderlein, Vorsitzende der Tierfreunde Brucker Land. In engen Verschlägen vegetierten unzählige Kaninchen auf dicken Schichten aus Kot, ohne Einstreu und Stroh. Die Stallungen waren offenbar schon so lange nicht mehr gereinigt worden, dass die Köttel fest wie Beton geworden waren. Die Tierfreunde alarmierten die Amtstierärzte, mit deren Hilfe sie insgesamt 23 Nager befreien konnten. Für die Haltung der übrigen fast 40 Kaninchen machte das Veterinäramt dem Züchter strenge Auflagen.

Begonnen hatte alles mit dem Anruf einer Spaziergängerin bei den Tierfreunden. Sie hatte einen Hahn gesehen, der sich im Maschendrahtzaun des Grundstücks verfangen hatte, auf dem der Züchter neben Kaninchen auch Geflügel und Tauben hält. Der Gockel hing mit seinem viel zu langen Sporn kopfüber hilflos in den Schlingen und drohte zu verenden. Sofort fuhr Heidi Minderlein zu dem Anwesen und befreite den Hahn aus seiner bedrohlichen Lage. Dabei sah sie, in welch erbärmlichen Zustand die Kaninchenstallungen waren. Sie verständigte das Veterinäramt des Landratsamtes, das eine Amtstierärztin schickte. „Die Zustände, in denen die Kaninchen gehalten wurden, waren auf jeden Fall tierschutzrelevant. Insbesondere waren die Größe der Stallabteile, Hygiene und Pflegezustand sowie die Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser zu beanstanden“, sagte sie. Es habe in den Verschlägen keine Rückzugsmöglichkeit gegeben, und bei den trächtigen Weibchen fehlten die Wurfhöhlen.

Der Züchter, so die Amtstierärztin, habe sich aber kooperativ gezeigt. Ohne Weiteres stimmte er zu, dass die Tierfreunde gleich zehn Kaninchen mitnahmen, zwei trächtige Weibchen und zwei Mütter mit ihren Jungen. Zwei Tage später, als der Züchter noch einmal Besuch vom Veterinäramt bekam, holten die Tierfreunde schließlich weitere 13 Tiere und brachten sie in der Tierauffangstation für Katzen und Kleintiere in Überacker unter. Dort können die Kaninchen jetzt durch Heu und Stroh hoppeln.

Die Kleinsten sind gerade mal vier Wochen alt, und bald werden etliche Babys dazukommen, da die trächtigen Häsinnen kurz vor dem Werfen stehen. „Ich bin froh, dass wir diese Tiere vor dem Dahinvegetieren retten konnten“, sagt Heidi Minderlein. „Sie mussten völlig ohne Einstreu und fast ohne Stroh im Dreck hausen, selbst die Futternäpfe waren voller Kot.“

Der Züchter habe die Häsinnen als Gebärmaschinen missbraucht. „Das hat für mich nichts mehr mit verantwortungsvoller Zucht und Liebe zum Hobby zu tun, sondern nur mit Gelderwerb.“ Mit den 23 befreiten Tieren leben in der Station jetzt 71 Kaninchen.

Und die beim Züchter verbliebenen Nager? „Für deren Haltung bekommt er strenge Auflagen, deren Einhaltung durch engmaschige Nachkontrollen überprüft wird“, sagt die Amtstierärztin. Auch für seine Tauben und das Geflügel müsse sich der Mann Verbesserungen überlegen. Das Amt will die Einleitung eines Bußgeldverfahrens prüfen. Und er muss mit einer Anzeige der Tierfreunde Brucker Land rechnen. „Wir werden am Ball bleiben“, verspricht Heidi Minderlein. tb

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