Mädchen sticht an Schule mit Messer auf Mitschülerin ein

Freising – Dramatische Szenen am Josef-Hofmiller-Gymnasium: Eine 15-Jährige hat eine Mitschülerin (16) gezielt mit einem 15 Zentimeter langen Küchenmesser attackiert.

Bilder: Messer-Angriff am Freisinger Gymnasium

Bilder: Messer-Angriff am Freisinger Gymnasium

Mittwoch, kurz vor zehn Uhr, im Josef-Hofmiller-Gymnasium: In einer zehnten Klasse im Erdgeschoss des Hauses läuft gerade der Latein-Unterricht. Es klopft an der Tür. Es ist eine Schülerin, die von der Lehrerin einen Schlüssel benötigt. Die Lehrkraft verlässt für einen Moment das Zimmer. „Da hat die 15-Jährige auf einmal auf die neben ihr sitzende 16-Jährige mit einem längeren Küchenmesser eingestochen“, berichtet Pressesprecher Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Die Täterin habe die Abwesenheit der Lehrerin offenbar ganz gezielt ausgenutzt. Das Opfer habe tiefe Stich- und Schnittverletzungen am Oberkörper sowie an den Händen erlitten. Die Schnitte gingen bis auf den Oberarmknochen. In Lebensgefahr schwebte die 16-Jährige nie, musste jedoch am Nachmittag im Klinikum Freising operiert werden. Die Täterin wurde bei dem Handgemenge leicht an der Hand verletzt.

Schlimmeres hat vielleicht das beherzte Eingreifen der anderen Schüler verhindert: „Sie haben die Täterin sofort überwältigt und dem Sekretariat übergeben. Von dort wurde auch sofort ein Notruf abgesetzt“, berichtet Kammerer. Weitere Sicherheitsmaßnahmen seien nach Eintreffen der Polizei – insgesamt waren gut 25 Mann im Einsatz – jedoch nicht nötig gewesen. Die Täterin wurde der Polizei übergeben, kam in den Gewahrsam der PI Freising. Kammerer: „In den anderen Klassen konnte der Unterricht normal weitergehen.“

Nicht natürlich in der betroffenen zehnten Klasse, die vom Kriseninterventionsteam (KIT) Erding-Freising betreut wird. „Die Schüler reagieren ganz unterschiedlich auf eine solche Tat“, erzählt Christine Rattenhuber vom KIT. „Sieben Kräfte sind in der Klasse und betreuen die 20 Schüler in zwei Gruppen. Wir werden das wohl in den nächsten Tagen weiterführen. Es ist einfach sehr wichtig, viel mit ihnen zu reden“, berichtete sie rund zwei Stunden nach der Tat. Die Erziehungsberechtigten seien frühzeitig informiert worden und zum Teil schnell vor Ort gewesen.

Die Schule selbst steht nun vor der schwierigen Aufgabe, irgendwie wieder in die Normalität zurückzufinden. Kultusminister Ludwig Spaenle, der am Nachmittag nach Freising kam, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen, sicherte Schulleiterin Hedwig Stock-Archner die volle Unterstützung seitens des Ministeriums zu – von schulrechtlichen Fragen wie einer Verlegung von Schulaufgaben bis hin zur Betreuung. Er sei „tief betroffen, dass so etwas in einer Schule, einem geschützten Raum, passieren konnte“. Zugleich betonte er aber, dass der „Ablauf der Sicherheitsmaßnahmen“ von der Polizei-Alarmierung bis hin zur psychologischen Betreuung der Schüler durch das KIT „professionell funktioniert“ habe.

Tief betroffen äußerte sich auch Schuldirektorin Stock-Archner: Der Vorfall sei „erschütternd“ und „nicht zu erahnen“ gewesen. „Es hat nichts auf diese Tat hingedeutet – das Mädchen war eine ganz normale Schülerin.“

Was das Motiv für die Messerattacke war, ist noch unklar. Fakt ist: Die Kriminalpolizei in Erding ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Landshut wird das 15-jährige Mädchen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Michael Leitner

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