Mieter fragen - die tz hilft

Dürre im Garten: Hilfe, bei uns ist der Hahn zugedreht

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Die Regenwasserpumpen streiken schon seit Monaten. Jetzt müssen Roswitha Fikerment (r.) und ihre Nachbarin Marija Gazafy jeden Tag zig Kannen schleppen, damit ihre Pflanzen nicht verdursten. Darf man dafür die Miete mindern?

München - Das Thermometer steigt seit Tagen über die 30-Grad-Marke, aber in den Gärten von Roswitha Fikerment (67) und ihren Nachbarn vertrocknen die Pflanzen, weil die Regenwasser-Pumpe defekt ist. Darf die Miete gemindert werden?

Wo die Pflanzen nicht vertrocknen, klagen die Mieter über Kreuzschmerzen, weil sie seit zwei Monaten die Gärten nur mit Wasser aus der Gießkanne bewässern können. Aber sie müssen die schweren Kannen ja erst einmal von den Wohnungen in die Gärten schleppen. Grund für die Dürre sind zwei defekte Pumpen in einer Zisterne. In der wird das Regenwasser gesammelt, damit die Mieter ihre Gärten jederzeit bewässern können. Aber seit zwei Monaten fließt hier kein Tropfen mehr, weil die Pumpen kaputt sind. Deshalb bleiben auch die Wasserhähne in den Gärten von mehr als zehn Mietern trocken.

„Jetzt müssen wir die Gärten mit Gießkannen bewässern und dafür wertvolles Trinkwasser verschwenden, für das wir auch noch Abwassergebühren zahlen müssen“, ärgert sich Roswitha Fikerment. Weil sie mit Kannenschleppen nicht hinterher kam, vertrockneten ihr unter anderem bereits ihre geliebten Rosensträucher. Inzwischen haben die Rosen - dank eifrigen Kannenschleppens - zwar wieder ausgetrieben und die restlichen welken Pflanzen hat sie durch frische ersetzt, aber so kann es doch nicht weitergehen, ärgert sie sich. Denn die Gärten in der Anlage müssen bewässert werden, da die Humusschicht nur dünn ist. Denn unter den Gärten liegen Tiefgaragen.

Beatrix Zurek (r.) und Anja Fanz.

„Die älteren Mieter müssen jetzt zuschauen, wie alles vertrocknet“, ärgert sich Fikerment. Ihre über 80 Jahre alte Nachbarin schafft es nicht, eine Zehnliterkanne zu schleppen: „Sie muss mit kleinen Kannen gießen und hundert Mal hin und her rennen. Bei der Hitze ist das doch eine Zumutung!“ Obwohl sich die beiden Damen schon mehrfach bei der Hausverwaltung beschwerten, wurden sie bislang immer nur vertröstet. „Zuerst hieß es, die Ventile der Pumpen seien kaputt, jetzt heißt es, die zwei Pumpen haben ihren Geist aufgegeben und müssen erneuert werden. Aber vorher will die Hausverwaltung eine Eigentümerversammlung abwarten. Und für die gibt es noch nicht mal einen Termin!“ Jetzt fragt Roswitha Fikerment auch stellvertretend für die anderem Mieter, was sie tun können. „Um wie viel Prozent können wir die Nebenkosten beziehungsweise die Miete mindern und ab wann?“

Als sie vor sechs Jahren einzog, funktionierte die Bewässerung des Gartens prächtig, sagt die Seniorin: „Ich habe mit dem Wasser gegossen und meine Gartendusche betrieben - seit das wegfällt, ist der Gartengenuss enorm getrübt.“ Da die Gärten mit Bewässerungsmöglichkeit mitvermietet wurden, muss der Vermieter diese erhalten und kann seinen Mietern nicht im Nachhinein den Hahn zudrehen, sagt Beatrix Zurek, Präsidentin des Mietervereins München. Der Vermieter muss dafür sorgen, dass die mitvermieteten Anlagen funktionieren. Dafür die Eigentümerversammlung abzuwarten, ist nicht rechtmäßig, da hier schnellstmöglich gehandelt werden muss. Die Eigentümerversammlung muss dann eben nachträglich genehmigen. Für das vergossene Leitungswasser und die vertrockneten Pflanzen können die Mieter Schadensersatz verlangen - gut wäre es, wenn dazu die Rechnungen über den Kauf der Pflanzen noch vorhanden sind, wieviel Leitungswasser verbraucht wurde, lässt sich abschätzen, wenn man die täglich verbrauchten Kannen zusammenrechnet.

In Sachen Mietminderung rät die Mieterpräsidentin, einen Anwalt zu konsultieren: „Aber ich sehe da Probleme, weil durch das fehlende Wasser im Garten ja nicht die Wohnqualität an sich beeinträchtigt ist.“

Bitte richten Sie Ihre Fragen (plus Telefonnummer für Rückfragen) an die Mieterverein-Vorsitzende Beatrix Zurek und ihre Kollegin Anja Franz: Stichwort „tz-Leser fragen die Mieterpräsidentin“, per Post an die Lokalredaktion, 80282 München, per Fax an 089/5 30 65 67 oder per Mail an: lokales@tz.de. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine ausführliche Einzelfallberatung vornehmen können.

Susanne Sasse

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