Eklat im Religionsunterricht

Pfarrer ohrfeigt Bub in der Kirche

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Pfarrer Kaspar Müller entschuldigt sich für seine Ohrfeige.

Langenbach – Als ein Bub im Religionsunterricht in der Kirche aus der Reihe tanzt, ohrfeigt ihn der Pfarrer. Trotz öffentlicher Entschuldigung ist der Fall für den Vater des Jungen noch lange nicht erledigt.

Es ist heiß an jenem Donnerstag vor zwei Wochen, das Klassenzimmer in der Grundschule Langenbach im Landkreis Freising stickig. Also verlegt der Religionslehrer der 3b, Gemeindepfarrer Kaspar Müller, seinen Unterricht in die nahegelegene Kirche. Doch dem neunjährigen Anton (Name geändert) ist es dort zu ruhig, der Bub albert herum. Wie ein Cowboy reitet er auf der Lehne einer Kirchenbank, der Pfarrer ermahnt ihn. Als sich der Drittklässler dann auch noch auf der Bank schlafen legt, verliert der Geistliche die Beherrschung: „Er hat meinem Sohn eine Watschn verpasst“, erzählt der Vater von Anton und ist immer noch fassungslos. „Dann hat der Pfarrer die gesamte Klasse beten lassen, dass Anton braver wird“, sagt er.

Vater: Statt Entschuldigung setzte der Lehrer "noch einen drauf"

Von dem Vorfall erfahren die Eltern erst über eine Mitschülerin, die das Erlebte zu Hause erzählt. Anton hatte aus Angst geschwiegen. „Meine Frau ist dann in die Pfarrei gefahren, um Herrn Müller zur Rede zu stellen“, erinnert sich der Vater. Doch der Lehrer habe „noch einen draufgesetzt“: „Statt sich zu entschuldigen, hat er es als Erziehungsmaßnahme gerechtfertigt und angekündigt, jederzeit wieder so zu handeln.“ Auf die Warnung der Mutter, ihn anzuzeigen, habe der Pfarrer mit dem Jugendamt gedroht.

Doch offenbar erkennt der 55-jährige Müller, dass er zu weit gegangen war. Er informiert die Langenbacher Schulleitung, die schaltet das Erzbischöfliche Ordinariat ein. Am nächsten Tag stehen vor Antons Elternhaus zwei Kirchenvertreter. Sie lassen sich den Vorfall schildern, kündigen eine Untersuchung an und entschuldigen sich stellvertretend. Mit der Familie, der Schulleitung und dem Pfarrer wird Stillschweigen vereinbart.

Ordinariat: "Herr Müller ist mit den Nerven am Ende"

Doch in der 4000-Seelen-Gemeinde brodelt längst die Gerüchteküche. Der Druck auf den Pfarrer wächst offenbar, vergangenen Sonntag platzt es in der Messe aus ihm heraus. Ja, er habe nach massiven Störungen eine Ohrfeige ausgeteilt. Er bitte um Vergebung, er habe sich auch „an der Gemeinde schuldig gemacht“. Gleichzeitig gab er bekannt, dass er ab sofort nicht mehr an der Schule unterrichten werde.

Diese Version bestätigt auch Bernhard Kellner, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. „Wir haben uns intensiv mit Herrn Müller unterhalten, er ist am Boden zerstört und mit den Nerven am Ende.“ Der Pfarrer, der seit 19 Jahren in Langenbach tätig ist, werde sich nun eine Auszeit von allen Ämtern nehmen. Zu Disziplinarmaßnahmen konnte Kellner jedoch keine weiteren Auskünfte erteilen. Dem Vater des neunjährigen ist das jedoch zu wenig. „Man darf heute einfach kein Kind mehr schlagen.“ Die Entschuldigung habe er nicht angenommen, „weil ich nicht will, dass mein Sohn nochmal von ihm direkt angesprochen oder angefasst wird“. Der Bub habe nun Angst vor dem Pfarrer. Die Konsequenz für den 46-Jährigen: „Ich werde Anzeige erstatten.“ Der Pfarrer selbst wollte sich zu den Vorwürfen gestern nicht äußern.

von Armin Forster

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