Todesangst im eigenen Haus - tz klärt auf

Straßlacher Ehepaar in Wohnung überfallen

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Ein älteres Ehepaar ist am frühen Dienstagmorgen in Straßlach in der eigenen Wohnung überfallen worden.

Straßlach - Ein älteres Ehepaar ist am frühen Dienstagmorgen in Straßlach in der eigenen Wohnung überfallen worden. Die Täter schlugen der 81-jährigen Frau ins Gesicht und fesselten beide Opfer. 

My home is my castle – mein Zuhause ist eine Festung. Für ein hoch betagtes Ehepaar aus Straßlach muss dieses Sprichwort neuerdings wie Hohn klingen. Franz (88) und Ursula S. (81) sind am Montag früh von brutalen Einbrechern heimgesucht worden: Geschlagen, gefesselt, ausgeraubt – Todesangst in den eigenen vier Wänden. An den furchtbaren Erinnerungen werden sie wohl für den Rest ihres Lebens leiden. Das totale Trauma – es wird nur durch eine gute Nachricht etwas gelindert: Die Polizei hat die Täter aus Rumänien inzwischen geschnappt. Statistisch gesehen wird nur jeder fünfte Einbruch in München geklärt.

Die tz schildert den Horror-Überfall und die Sicherheitslage vor unseren Haustüren.

Lange Jahre arbeiteten sie gemeinsam in ihrem kleinen Fachbetrieb für Rollläden. Und erst letztes Jahr durften Franz und Ursula gemeinsam erleben, was nicht vielen Ehepaaren vergönnt ist: ihre Goldene Hochzeit. Aber seit Montag, 3 Uhr nachts, vereint sie leider auch der schlimmste Albtraum ihres Lebens:

Als die Senioren jäh aus dem Schlaf gerissen werden, schauen sie in das gleißende Licht von Taschenlampen und in ein Messer. Vorm Ehebett stehen zwei dunkle Gestalten, herrschen sie an: „Geld her, Schmuck!“

Die Opfer flehen: „Wir haben doch nichts!“ Wie sich hinterher herausstellt, hatten die beiden Täter zuvor bereits das ganze Haus im Ortsteil Hailafing nach Wertgegenständen durchsucht – vergeblich.

Jetzt zwingen sie die Seniorin, allen Schmuck herauszurücken, den sie am Körper trägt. Dann fesseln die Ganoven ihre Opfer an Händen und Füßen. Ursula wehrt sich, bekommt einen brutalen Schlag ins Gesicht. Trotzdem gelingt es der Frau, sich kurz nach der Flucht ihrer Peininger zu befreien. Per Handy wählt sie den Notruf, ermöglicht der Polizei dadurch, die Räuber noch in der Nähe des Tatorts aufzuspüren – samt ihrer Beute. Sie stammen aus Rumänien, 30 und 36 Jahre alt. Heute entscheidet der Haftrichter, was mit ihnen geschieht.

Jacob Mell, Patricia Kania

Drei Fälle pro Tag in München

Alle vier Minuten steigen Einbrecher in Deutschland in ein Haus oder eine Wohnung ein. 2011 gab es in Deutschland so viele Einbrüche wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bayern hat nur ein Viertel des Bundes-Schnitts zu verzeichnen. Aber: Die Zahl der Delikte ist hier um 17,2 Prozent auf 5.237 Delikte gestiegen.

Mit 1035 Einbrüchen in der Stadt ist die Zahl im Vergleich zu 2010 um 54 Fälle gestiegen. Das heißt: Statistisch gesehen machen sich in München drei Mal pro Tag Einbrecher ans Werk. „Die Täter klingeln – und wenn keiner daheim ist, schlagen sie zu. Das wichtigste für die Einbrecher ist es, sich möglichst schnell und leise Zutritt zu verschaffen. Sie wählen also meist das Haus mit den wenigsten Sicherheitsvorkehrungen und Hindernissen“, sagt Bernd Reindl, Leiter des Einbruchsdezernats der Münchner Polizei.

Einer Studie zufolge steigen 40 Prozent der Einbrecher über die Terrassen- oder Balkontüre ein, 32 Prozent durchs Fenster im Erdgeschoss und 14 Prozent durch die Haustüre. Reindl: „Da die meisten Einbrüche tagsüber oder in der Dämmerung geschehen, kommt es glücklicherweise nur sehr selten zu einem Kontakt zwischen Täter und Opfer.“

So schützen Sie sich gegen Einbrecher

Den Zweitschlüssel nicht in der Garage, auf dem Türstock oder unter dem Blumentopf liegen lassen! Bargeld und Schmuck immer in den Safe!

Schließen Sie alle Türen und Fenster – auch wenn sie nur kurz weg sind. Ziehen Sie Ihre Rollläden tagsüber hoch – heruntergelassene Rolläden signalisieren, dass Sie nicht da sind. Lassen Sie den Briefkasten bei Abwesenheit von den Nachbarn leeren!

Verteilen Sie, bevor Sie in den Urlaub fahren, Kinder- und oder Hundespielzeug im Garten!

Vorsicht! Gekippte Fenster sind offene Fenster. Sie stellen für Profi-Einbrecher kein Hindernis dar. Bei ständig gekippten Fenstern Fenster vergittern!

Sperren Sie Ihre Wohnungstür immer zwei Mal ab.

Entfernen Sie Steighilfen wie Gartenmöbel oder Leitern von Ihrer Terrasse.

Verankern Sie das Gitter Ihres Kellerschachts!

Vermeiden Sie im Extremfall jegliche Konfrontation mit den Tätern. Schließen Sie sich mit Ihrer Familie im Kinderzimmer ein, nehmen Sie Ihr Handy mit und rufen Sie so leise wie möglich die Polizei.

Lassen Sie sich kostenlos bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle beraten: Tel. 089/29 10 34 30.

"Das Vertrauen in die Welt ist erschüttert"

Die tz sprach mit Marlene Biberacher, Traumafachberaterin aus München, über die Folgen eines Einbruchs:

Frau Biberacher, worunter leiden die Opfer am meisten?

Marlene Biberacher: Bei Einbrüchen ist eine fremde Person in die Privatsphäre eingedrungen und hat in den persönlichen Dingen herumgewühlt. Deshalb ist die Grundsicherheit des Opfers gestört. Das Vertrauen in die Menschen und die Welt ist zutiefst erschüttert.

Wie kann das Sicherheitsgefühl wiederhergestellt werden?

Biberacher: Bei den meisten Opfern reicht es aus, wenn objektiv mehr Sicherheit geschaffen wird – durch zusätzliche Vorkehrungen am und im Haus. In der ersten Zeit nach dem Einbruch ist es hilfreich, wenn die Opfer so selten wie möglich alleine sind. Lebt das Opfer alleine, sollten Freunde und Verwandte zum Beispiel abends regelmäßig anrufen. Oder das Opfer zieht vorübergehend zu jemand anderem. Eine Hilfe kann auch eine Art Reinigungsritual sein, bei dem die Wohnung neu gestrichen wird oder die Möbel umgestellt werden.

Das genügt aber offenbar nicht bei allen …

Biberacher: Nein. Hat das Opfer zum Beispiel bemerkt, dass der Einbrecher da war, während es anwesend war oder hatte es sogar direkten Kontakt mit dem Täter, dann kann es zu schwerwiegenden psychischen Störungen kommen. Das kann aber auch schon bei einem vermeintlich harmlosen Fall passieren, wenn das Opfer einfach von Haus aus labiler ist oder bereits ähnliche Vorerfahrungen gemacht hat.

Wie äußern sich die Störungen?

Biberacher: Da gibt es viele Möglichkeiten: Die Symptome reichen von Angststörungen über Panikattacken, Schweißausbrüchen bis hin zu Kontrollzwängen. Ich hatte Patienten, die sich über Jahre komplett verbarrikadiert haben, nicht mehr aus dem Haus gegangen sind und alle sozialen Kontakte abgebrochen haben. Es können ganze Existenzen zerbrechen.Da hilft nur eine professionelle Therapie.

Nina Bautz

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