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"Entsetzliches Jucken"

Saugwurm-Larven plagen Badegäste am Feringasee

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Vorsicht, Zerkarien. Enten scheiden die Saugwurm-Larven mit dem Kot aus.

Unterföhring - Die aktuelle Gefährdung durch Saugwurm-Larven am Feringasee Unterföhring war bei den Stammgästen am See an diesem Wochenende Hauptgesprächsstoff.

Mehr als darüber regen sich die Besucher aber über die derzeitige Enten- und Gänseplage auf. Sie fordern, dass das Landratsamt und der Erholungsflächenverein einschreiten.

„Ja, ich hatte vergangene Woche 15 solche entzündeten Stiche“, erzählt eine ältere Münchnerin. Nein, fotografieren wolle sie sich nicht lassen, auch keine Namensnennung. Die Münchnerin gehört zu den Stammgästen auf der FKK-Insel. Hier will man immer gern anonym bleiben. „Erst habe ich nichts gespürt, dann aber über Nacht fing es entsetzlich an zu jucken. Ich dachte, es wären Mückenstiche. Jetzt weiß ich, dass es diese Zerkarien sind.“ Inzwischen haben die Gemeinde und das Landratsamt auch vereinzelt an Anschlagtafeln und Schildern auf die Gefahr einer Zerkarien-Infizierung hingewiesen.

„Wurde auch Zeit, dass die endlich was tun“, regt sich eine Unterföhringerin auf. Auch sie will auf keinen Fall ihren Namen nennen: „Das braucht's nicht. Aber ich habe schon vor sechs Wochen im Landratsamt angerufen und gefordert, dass die endlich tätig werden.“ Nicht die Zerkarien und „so ein paar Mückenstiche“ seien der Grund ihres Anrufes gewesen: „Das mit den Enten nimmt wirklich überhand. Hier muss ein generelles Fütterungsverbot her!“ Die Umstehenden nicken heftig. Derweil wirft im Hintergrund eine Sonnenanbeterin begeistert einer Entenfamilie Brot hin.

Eine Badegast aus Aschheim schüttelt verständnislos den Kopf: „Schauen sie nur mal auf die Wiese. Den Entenkot merkt man kaum, aber diese Häuflein hier kommen von den Gänsen. Das nimmt einfach überhand und ist sehr unangenehm.“ Eine Münchnerin fügt gleich hinzu: „Ich komme jetzt schon seit 20 Jahren auf die FKK-Insel. Aber so schlimm wie heuer war es noch nie mit den Enten und Gänsen. Die vermehren sich extrem. Das Landratsamt muss endlich handeln.“

Mit den Wasservögeln wächst auch der Anteil an Zerkarien, den Saugwurm-Larven, im Wasser. Ein Kreislauf, der unterbrochen gehöre. Die Unterföhringerin, die sich an das Landratsamt gewendet hat, schimpft: „Wenn die Wasservögel nur artgerechte Nahrung aus der Natur bekämen, ginge es noch. So aber bekommen sie Brot und Fleischreste. Wenn die Badegäste abends weg sind, laufen die Enten und Gänse über die Wiesen und fressen, was sie finden. Wenn man wenigstens schon mal ein generelles Fütterungsverbot aussprechen würden, wäre schon einiges erreicht.“ Handzettel wurden auf Initiative der Frau schon verteilt.

Ob Entenkot oder Zerkarien, die Sonnenanbeter und Schwimmfreunde hält es offensichtlich nicht ab, zum See zu kommen. Eine junge Mutter am Spielstrand lächelt: „Als meine Tochter mal ein, zwei Stiche am Bein hatte, dachte ich, es wäre halt ein Sandfloh. Vielleicht aber kam es von den Zerkarien. Mit einer Lotion ist das aber wieder schnell weg gewesen.“ Eine ältere Dame, die gerade zum See radelt, bleibt stehen: „Letzen Sonntag war es schon schlimm. Da hat es mich abends dann überall gejuckt und ich habe mich fast ein wenig krank gefühlt. Aber dann habe ich eine Calciumtablette genommen und es war gut.“ Sie steigt wieder auf, Sonne und Wasser rufen.

Nur das Ehepaar aus Düsseldorf mit seinen zwei Kleinkindern, das auf der Durchreise ist und schnell mal eine Stunde sonnen und schwimmen wollte, schaut verängstigt, als sie auf den Larvenbefall und das Warnschild am Feringasee hingewiesen werden: „Das hatten wir noch gar nicht gesehen.“ Dann packen sie schnell ihre Sachen zusammen und gehen wieder. agm

Tipps vom Gesundheitsamt

Zerkarien, wie sie nach griechischem Namensursprung wegen ihrer länglichen Form mit einem Schwanzteil (Kérkos) heißen, sind winzig kleine Larven von Saugwürmern, die üblicherweise über Entenkot ausgeschieden werden und sich über Schlammschnecken als Wirtstieren zu Würmern entwickeln. Kommen sie auf einen „Fehlwirt“, wie es der Mensch ist, sterben diese Parasiten sofort ab. Nach rund acht Stunden entzündet sich die Haut und die Stelle juckt stark, wie nach einem Mückenstich oder Kontakt mit Brennnesseln. Das ist die Reaktion der Haut auf das zwar mikrobiologisch kleine, aber körperfremde Eiweiß. Kühlende Gels oder bei starker Dermatitis Cortisonsalben lindern die Symptome, die nach spätestens zwei Wochen verschwinden.

Besonders in warmen Wasser nach kühler Witterung ist die Population erhöht, erklärt Gerhard Schmid, Leiter des zuständigen Gesundheitsamtes im Landratsamt München. Man könne gegen die Zerkarien wenig tun, so Schmid. Im letzten Jahrzehnt sei es drei- bis viermal an Seen im Landkreis aufgetaucht. Nach wenigen Tagen sei der Spuk wieder vorbei. Ein so häufiger Befall von Menschen, wie derzeit bekannt wird, folge aufgrund „synchronen Ausstoßes von Zerkarien an Sonnentagen nach einer kühleren Witterung“. Eine Gesundheitsgefährdung sei nicht gegeben, höchstens bei extrem allergischer Reaktion. Längerer Aufenthalt in Flachgewässern, wie es bei Kindern häufig der Fall sei, begünstige den Kontakt. Das Wechseln der Badekleidung, Abduschen und schnelle Abtrocknen nach dem Schwimmen sei gut. Außerdem könne man sich mit einer Schutzlotion aus der Apotheke schützen. Allerdings müsse man dann auch den gesamten Körper einreiben, damit es keine Stelle mehr gibt, in die die Larven eindringen könnten, sagt Schmid. Vom Abschuss der Enten, wie schon gefordert, hält Schmid wenig: „Das wäre nicht verhältnismäßig.“ Das sehen manche Badegäste aber anders.

agm

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