Nach Lawinen-Unglück im Himalaya

Das sind die Überlebenden vom Manaslu

Ralf Reiske (links) liegt in Kathmandu in seinem Krankenbett. Oben: Alexander Beckmann, unten Andreas Reiter.

Grafing/Kathmandu – Unter den Bergsteigern, die am Manaslu im Himalaya von einer Lawine erfasst wurden, sind auch zwei Alpenvereinsmitglieder aus dem Kreis Ebersberg und ein Münchner: Alle drei haben überlebt.

Die Lawine, die die Bergsteiger am Sonntag gegen 4.30 Uhr traf, überraschte sie in etwa 7300 Meter Höhe. „Wir haben nach dem Essen im Zelt geschlafen, als wir plötzlich andere Bergsteiger schreien hörten“, sagte Andreas Reiter, 26, einer Nachrichtenagentur.

Die Lawine habe ihn mit fortgerissen, berichtete er weiter: „Ich konnte mich nicht bewegen und den Menschen nicht helfen, die um Hilfe geschrien haben. Ich war Zeuge, als ein Gruppenmitglied starb.“ Er glaube nun, dass es zu gefährlich gewesen sei, einen so hohen Berg zu besteigen. Den Zeitpunkt des Aufstiegs hält Reiter aber nicht für falsch.

Ralf Reiske liegt in Kathmandu in seinem Krankenbett. An der rechten Hand hat er Frostbeulen.

Der Grafinger wird derzeit im Krankenhaus in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu behandelt. Nach Angaben von Georg Haas, Chef der DAV-Sektion Ebersberg-Grafing, hat sich Reiter einen Wirbelbruch und zahlreiche Prellungen zugezogen. Er sei als einer der ersten von den Rettungskräften ausgeflogen worden. Kurz habe er mit seiner Familie telefonieren können. Einer Journalistin in der Klinik erzählte Reiter: „Ich vermisse meine Familie.“ Haas sagte, Reiter solle schnellstmöglich nach München geflogen und operiert werden. Reiters Partner, der 28 Jahre alte Alexander Beckmann aus Oberpframmern, hat Haas zufolge etliche Rippenbrüche erlitten. Er befinde sich noch im Basislager auf 4800 Metern. Das Wetter sei so schlecht, dass er noch nicht geholt werden konnte. Dies solle baldmöglichst mit einem Hubschrauber geschehen.

Auch Ralf Reiske aus München ist unter den Überlebenden. Der 40-Jährige war sieben Tage lang unterwegs, bevor die Katastrophe passierte – mit dem 42-Jährigen aus Dingolfing, der am Manaslu starb, teilte er sich sein Zelt. Reiske wurde verschüttet, nur der Kopf und ein Arm waren oberhalb des Eises, das fest wie Zement war. Seinen Körper konnte er nicht bewegen. Über sich der Dingolfinger und das kaputte Zelt. „Hinter mir schrie jemand um Hilfe“, schilderte Reiske am Krankenbett. Einer aus der Gruppe rannte auf ihn zu, barfuß. „Die Lawine hat seine Schuhe mitgerissen.“ Nach einer Stunde kam die Rettung: Bergsteiger und Sherpas aus einem anderen Lager trafen ein und schaufelten Schnee, um Überlebende zu finden. Reiske, der wie durch ein Wunder keine Knochenbrüche erlitten hat, hat einen geprellten Brustkorb und heftige Frostbeulen an der rechten Hand. Aus der Intensivstation in Kathmandu wurde er nach kritischen 24 Stunden in ein normales Zimmer gebracht. Dort sammelt er Kraft für die Heimreise.

Am Manaslu suchen Einsatzkräfte noch immer nach weiteren Überlebenden. Die Angaben über die Zahl der Vermissten und der Todesopfer schwanken: Nepals Bergsteigervereinigung spricht von zwölf, die Tourismuspolizei von acht Toten. Darunter ist der Dingolfinger. Dem Oberstdorfer Expeditionsveranstalter „Amical alpin“ zufolge wurde sein Leichnam der deutschen Botschaft übergeben.

Reiter und Beckmann aus dem Kreis Ebersberg hatten sich auf die Expedition akribisch vorbereitet. Es sollte ihr erster 8000er werden. Die Männer seien hervorragende Kletterer und Höhenbergsteiger, berichtet Sektionschef Haas. Beckmann sei als Leiter der Jungmannschaft, Reiter als „Griffeschrauber“ in der vereinseigenen Kletterhalle aktiv. Haas sagt: „Die beiden haben riesiges Glück gehabt. Wir sind sehr dankbar und froh, dass ihnen nichts Schlimmeres passiert ist.“

Michael Acker und Ani Nero

Auch interessant

Meistgelesen

Tödlicher Unfall in Gröbenzell: S-Bahn erfasst Puchheimer
Tödlicher Unfall in Gröbenzell: S-Bahn erfasst Puchheimer
Hundehasser: 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt
Hundehasser: 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt
Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Alkohol-Orgien, Raser, Vandalen - Freisinger berichten von Katastrophen-Viertel
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus
Schüler und Rentner (92) krachen mit den Rädern zusammen - Krankenhaus

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion