Es kam völlig überraschend

Ulrike Scharfs Rausschmiss aus Kabinett: „Gelinde gesagt eine Katastrophe“

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Nichts mehr anzustoßen gibt es zwischen Markus Söder, Ulrike Scharf und Ludwig Spaenle (v. l.). Der neue Ministerpräsident hat die Umweltministerin und den Kultusminister aus dem Kabinett gekegelt. Für Scharf kehrt der bisherige Staatskanzleichef Marcel Huber ins Umweltressort zurück.

Völlig überraschend hat der neue Ministerpräsident Markus Söder Umweltministerin Ulrike Scharf nicht in seine Regierung berufen. Die 50-Jährige ist enttäuscht, trägt den Rausschmiss aber mit Fassung. Führende Erdinger CSU-Politiker schlagen deutlich härtere Töne an.

Erding - Der Rausschmiss kam völlig überraschend. Sämtliche Spekulationen der vergangenen Tage sagten Ulrike Scharf einen sicheren Verbleib im Kabinett voraus. Sogar als Wirtschaftsministerin wurde sie gehandelt.

Am Dienstagabend wurde die 50-Jährige dann in die Staatskanzlei einbestellt. „Es gab drei Optionen: Abberufung, Verbleib oder Ressortwechsel. Dass es Ersteres wird, damit hätte ich nie gerechnet“, gibt sie zu. Und gesteht: „Ja, ich bin enttäuscht.“ Aber Scharf ist Polit-Profi: „Jeder, der in eine Position gewählt wird, weiß, dass es ein Amt auf Zeit ist. Wir bekommen vom Wähler Zeitverträge. Und da muss man sich vorher im Klaren sein, dass es rasch auch wieder vorbei sein kann.“

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Scharf, die erst vor dreieinhalb Jahren auf den jetzigen Rückkehrer ins Umweltressort, Marcel Huber, gefolgt war, versichert: „Ich habe diese Aufgabe mit sehr viel Leidenschaft erfüllt. Ich habe eine Menge Arbeit investiert. Schade, dass es jetzt vorbei ist.“ Heute oder am Freitag wird sie ihr Büro räumen – und dann über Ostern ein paar Tage freinehmen.

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Söder-Freund Bayerstorfer: „Das ist sehr bedauerlich“

In ein Loch fallen werde sie nicht. „Ich werde mich jetzt noch stärker auf meinen Wahlkreis Erding konzentrieren.“ Ihr Bürgerbüro bleibe, ebenso ihre Mitarbeiter Beate Wagner und Markus Ehm. „Da lasse ich ganz bestimmt nicht nach“, sagt die Heimatabgeordnete, die am 14. Oktober wiedergewählt werden will. Und sie schaut auch schon wieder nach vorne: „Es ist doch oft so: Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.“

Söders Entscheidung wird an der Erdinger CSU-Basis bedauert, aber auch scharf kritisiert. Landrat, CSU-Kreischef und Söder-Freund Martin Bayerstorfer erklärt: „Das ist sehr bedauerlich. Ich hätte mir gewünscht, dass sie im Kabinett bleibt. Es ist für eine Region immer gut, wenn der Stimmkreisabgeordnete auch in der Regierung ist.“ Bayerstorfer ist aber überzeugt, „dass Ulrike Scharf ihre Heimat jetzt im Landtag genauso engagiert vertreten wird wie zuvor“.

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Scharfs Vorgänger im Landtag, Jakob Schwimmer, sagte: „Ich war mir sicher, dass Ulrike Scharf im Kabinett bleibt. Es gab keinerlei Hinweise. Ich bin baff. Das ist eine Schwächung der Position des Landkreises Erding.“ Er glaube nicht, dass Scharf wegen ihres Neins zur dritten Startbahn gehen musste. Söder will den Airport-Ausbau.

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Erdings OB Max Gotz sagte: „Ich kann mir den Rausschmiss nicht erklären, denn die Ministerin hat einen herausragenden Job gemacht – und das in einem schwierigen und emotionalen Ressort.“ Für Erding sei es eine „bittere Nummer“. Gotz ist gespannt, „wie es jetzt mit all unseren Projekten wie Konversion, FTO-Ausbau und Ringschluss weitergeht, wenn Erding nicht mehr im Kabinett vertreten ist“. Gotz kündigte an: „Da wird unser Ton in Richtung München jetzt sicher schärfer werden.“ Der Region werde immer mehr aufgebürdet, zuletzt die Abschiebehaft. In der Regierung solle man aber nichts mehr zu sagen haben.

Eittings Bürgermeister Wiester schimpft auf Söder: „Es ist unglaublich“

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Eittings Bürgermeister Georg Wiester erklärte: „Es ist unglaublich, dass Scharf nicht mehr Umweltministerin ist, denn sie hat sehr sehr gute Arbeit gemacht.“ Den Bayern-Ei-Skandal könne man vielen anlasten, aber nicht ihr. Wiesters Dorfener Amtskollege Heinz Grundner: „Die Abberufung ist gelinde gesagt eine Katastrophe.“ Der Landkreis mit seinen großen und wichtigen Infrastrukturprojekten werde auf diese Weise geschwächt. Grundner hält „das gesamte Kabinett für hinterfragenswert“.

Benno Zierer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler aus Freising, meinte: „Persönlich tut es mir für Ulrike Scharf leid. Aber ihre Amtszeit stand von Anfang an unter keinem guten Stern – obwohl sie selbst kaum etwas dafür konnte.“

Unversöhnlicher äußerte sich die Landtags-SPD: „Ulrike Scharf hinterlässt einen Scherbenhaufen.“ Gemeint war damit aber (nur) die Nitratbelastung im Trinkwasser.

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