Fazit einer Umfrage

Am Flughafen München schmeckt's am besten

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Röllchen am Rollfeld: Meethong Chokniyom, 33, Koch im „Mangostin“, präsentiert eine Sushiplatte im Terminal 2 des Münchner Flughafens. Der hat gastronomisch auch sonst einiges zu bieten.

Erding - Der Flughafen München ist Weltmeister – was die Gastronomie anbelangt. Auf keinem Airport der Welt schmeckt es den Besuchern besser, ergab eine große Umfrage. Für manche wird das Fliegen da fast schon zur Nebensache.

Manchmal rufen sie Markus Gradler, 34, vom Rollfeld aus an. „Servus, sind grad gelandet. Machen Sie uns bitte drei Pizza Salami. Gleich da. Müssen nur noch die Koffer abholen.“ Die Passagierbrücke ist noch nicht angedockt, aber die Leute denken schon ans Essen. Ja, wo samma denn jetzt gelandet? Am Airport Schlaraffenland? Äh, nein, aber so ähnlich. Am Flughafen München.

Der ist gerade Weltmeister geworden – in Sachen Essen und Trinken. Nirgends schmeckt’s besser. Weiß man von zwölf Millionen Passagieren, die die Unternehmensberatung Skytrax auf der ganzen Welt befragt hat. Platz zwei Hongkong, drei Seoul, vier Amsterdam. Die Kriterien: Auswahl, Preis, Service, Öffnungszeiten und natürlich Geschmack. Ein gigantischer Erfolg für Köche am Flughafen, die Kellner, Schweinsbratenkrustenzauberer, Burgerbrater und Pizzabäcker.

Muss man sich mal vorstellen: Für Gradlers Steinofenpizza kehren die Leute sogar noch mal im Flughafen ein, anstatt mit ihren Koffern brav nach Hause zu gehen. Gradler ist Küchenchef der Restaurants „bagutta“ und „Mangostin“. Beide gehören zum Münchner Gourmet-Imperium Kuffler, beide sind am Terminal 2, gleich nebeneinander. Man blickt hier von oben auf den Lufthansa-Schalter. Hier gibt’s rohe Jakobsmuscheln mit Limettensaft, vom Sushimeister handgedrehte Thunfischrollen und Hühnchen süß-sauer für 17,50 Euro. Ein Paradies für Gern-Esser mit dem nötigen Kleingeld.

Aber auch für den Auf-die-Hand-Esser. Beim Dönerladen Oliva, Öffnungszeiten 6.30 Uhr bis 24 Uhr, herrscht gerade Hochbetrieb. Mittagszeit. Drei Dönerspieße gleichzeitig drehen sich. Vor dem Check-in noch ein Kalbs-Döner, Preis 4,50 Euro. Warum denn nicht? Wer weiß, was einen in New York, Abu Dhabi oder Hamburg erwartet.

Kurioses zwischen Himmel und Erde

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Der Flughafen München ist ein Mordstrumm Schmausetempel. Es schmeckt manchen so gut hier, erzählt der Koch Gradler, dass für sie der Urlaub neuerdings nicht im Flieger oder am Strand beginnt, sondern im Flughafenrestaurant. Gegen 19 Uhr, sagt er, geht jeden Tag ein Flug nach Thailand. Davor kommen immer gut 30 Passagiere ins Mangostin. Um sich in Urlaubsstimmung zu essen.

Wer abfliegt, isst. Wer ankommt, auch. Die Kundschaft kommt aus allen Richtungen. Denn der Flughafen München bietet für jeden Geschmack das Richtige. Auch so ein Weltmeister-Geheimnis. Es gibt Weißwurst, Döner, Currywurst, Kuchen, Pasta, Burger, Pommes, Meeresfrüchte, Waffeln, Fisch, Rinderfilet, teuer, günstig, heiß, kalt. Kurzum: Es gibt alles. Hier gibt es mehr Auswahl als in jeder Kleinstadt. Wer es nicht glaubt, sollte beim nächsten Flughafenbesuch „Wetten, dass...“ spielen: Wetten, dass ich ein Gericht nennen kann, das es am Flughafen nicht gibt. Sie werden wahrscheinlich verlieren.

Oben bei Küchenchef Gradler bieten sie neuerdings Pizzaback-Kurse für Kinder an. Jede noch so kleine Nische will besetzt sein. Für plötzliche Hungerattacken stehen im Terminal gigantische Touchscreen-Computer, auf denen man sich Speisekarten anzeigen lassen kann – und die schnellste Route zum Lieblings-Flughafen-Restaurant.

Hinter dem Ganzen steckt ein Superhirn. Ein Mann, der alles überblickt, bei dem alles zusammenläuft. Er heißt Gerhard Halamoda, 52, war früher Koch im Tantris, im Hilton und auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik. Er ist der Gastro-Weltmeister-Macher vom Erdinger Moos. Schwer mitverantwortlich für den lukullischen Höhenflug.

Erklärung: Halamoda ist Geschäftsführer von Allresto, einer 100-Prozent-Tochter der Flughafen München GmbH mit 670 Mitarbeitern, darunter eigene Eismacher, Konditoren, Sushimeister und Ernährungsberater. Der Gastro-Gigant macht einen Jahresumsatz von 61 Millionen Euro und betreibt 85 Prozent aller gastronomischen Betriebe am Flughafen, zum Beispiel das „Airbräu“, das „Käfer’s“, „Tante Ju’s Speisenwerkstatt“ am Besucherpark, McDonald’s und 35 weitere Läden. Am Terminal 1 sind es sogar alle, 100 Prozent.

Halamoda deutet auf die Surfbretter an den Wänden des Restaurants „Surf & Turf“, dann auf frische Garnelen und den Lachs, der in der Auslage unterm Eis liegt. Halamoda sagt: Am Flughafen hat sich vieles geändert. Früher gab es halt Würstl, Semmeln und einfache Gerichte – „aber auf hohem Preisniveau. Heute wollen wir den Menschen spannendes Entertainment bieten.“ Bei neuen Gastro-Ideen, bei der Inneneinrichtung orientiert er sich an Trendmodemarken wie Abercrombie, preislich an der Innenstadtgastronomie. Denn selbst im größten Reisefieber schauen die Leute genau aufs Geld. „Gerichte bis elf, zwölf Euro gehen gut“, sagt Halamoda. „Danach wird die Luft dünn.“ Hier im „Surf & Turf“ hatten sie schon Rinderfilet mit einer halben Languste auf der Karte, für 30 Euro. „Das haben wir einmal am Tag verkauft.“ Halamoda hat es wieder rausgestrichen.

Betriebe wie McDonald’s führt Allresto als Franchise-Nehmer, andere selbstständig. Beim Käfer-Restaurant gibt der Münchner Feinkostler den Namen und berät Halamodas Leute bei der Auswahl der Gerichte. Der Geschäftsführer sagt: „Wir wollen auf keinen Fall den Eindruck erwecken: Das ist der Monopolist, der zieht alle über den Tisch.“ Flughafen ist hochsensibles Emotionsgebiet. Die Leute sollen gut gelaunt in den Flieger steigen. Einer von Halamodas Tricks: der Bierpreis. Mancherorts kostet die Halbe 3,30 Euro, manchmal ein bisserl mehr. Das suggeriert Vielfalt. Ganz wichtig.

Das schätzt auch eine zweite Klientel: die Flughafen-Touristen. Menschen, oft aus dem Umland, die zum Shoppen, zum Fliegergucken und natürlich zum Essen herkommen. Natürlich werden sie auch hergelockt. Ins Terminal 2 hat Halamoda das „Airbräu“ reinbauen lassen, ein bayerisches Wirtshaus samt Biergarten, Schweinsbraten, eigenem Braumeister und Bedienungen im Dirndl. Ein künstliches Stück Bayern mit Fliegerlärm und eigenem Bier. Am 1. Mai stellen sie einen Maibaum auf. Danach ist ökumenischer Gottesdienst. Wirtin Franziska Kumpf sagt: „Dabei darf man sogar Bier trinken.“ Ein Geniestreich, wenn man so will. Die Leute lieben es.

Zielgruppe also: jeder. Ankommer, Abflieger, die Rentnergruppe aus Unterschleißheim. Ein Stammgast steht jeden Tag schon um 8 Uhr in der Früh vor der Türe. Eine sagenhafte Kunstwelt in Startbahnnähe. Nur Fliegen ist schöner? Für manche noch nicht mal das.

Von Stefan Sessler

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