Umland-Irrtum: Warum Pendeln nicht billiger ist

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Ein Häuschen im Grünen bleibt für viele ein Traum – die Fahrtkosten fressen die gesparte Miete voll auf

München - Teures München, günstigeres Landleben - so lautet die gängige Einschätzung. Die bayerische Oberste Baubehörde hat jetzt eine Vergleichsstudie veröffentlicht - mit überraschenden Ergebnissen.

Raus aus der Wohnung in der Stadt, raus aus der Enge, aus Verkehr und Lärm – rein ins Grüne! Viele Familien in München träumen von einem Umzug ins Umland, von Garten, Natur und Ruhe. Die Kalkulation: Von der Miete in München lasse sich locker ein Häuschen finanzieren, auch wenn man dafür etwas weiter in die Arbeit fahren muss. Die Realität: Wer die Kosten für Wohnen und Fahrten verrechnet, zahlt im Umland fast immer drauf – mal mehr, mal weniger.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Obersten Baubehörde, die am Mittwoch im Münchner Stadtrat vorgestellt wurde. „Siedlungsentwicklung und Mobilität“ soll die Zusammenhänge zwischen Wohnen und Verkehr aufzeigen, damit der Großraum wachsen kann, umweltverträglich und bezahlbar bleibt – und nicht einfach explodiert!

Die Grundzüge sind bekannt: Je weiter draußen, umso billiger das Wohnen. Der Effekt setzt allerdings erst am äußeren Rand der umliegenden Landkreise ein und dahinter. „Die Konsequenz ist eine starke Autoorientierung“, schreiben die Experten. Dann fressen die Fahrtkosten die gesparte Miete einfach auf.

Auf 300 Seiten haben die Autoren das Modell für 18 unterschiedliche Haushaltstypen an 223 Standorten für drei Wohnformen durchgerechnet. Fazit: Für eine Familie mit zwei berufstätigen Erwachsenen und einem Schulkind, das eine Doppelhaushälfte gemietet hat, betragen die gesamten Kosten immer zwischen 1600 und 1700 Euro. Der Unterschied besteht einzig darin, dass in der Stadt die Fahrtkosten nur ein Viertel ausmachen und auf dem Land der Anteil mehr als die Hälfte beträgt. Autos und MVV-Karten kosten demnach mehr als die Miete!

Doch die Experten sind noch tiefer in die Materie eingedrungen – schließlich wollen sich Familien in Wahrheit etwas verbessern, wenn sie ins Umland ziehen. Aus der Mietwohnung soll wenigstens ein gebrauchtes Reihenmittelhäuschen mit Garten werden. Dann aber wird es teuer: Selbst zur Miete müssten die Träumer bis zu 50 Prozent der alten Kosten drauflegen, selbst wenn die Zahl der Quadratmeter gleich bleibt, selbst im etwas günstigeren Norden.

Das bestätigen die aktuellen Zahlen des Immobilienverbandes IVD – ein Beispiel: Eine hübsche 70-Quadratmeter-Wohnung kostet in der Stadt im Schnitt 875 Euro im Monat kalt. In Grafrath (Kreis Fürstenfeldbruck) schlägt ein Reihenmittelhäuschen mit 110 Quadratmetern tatsächlich nur mit 800 Euro zu Buche.

Doch die beiden MVV-Monatskarten für Mama und Papa kosten in der Stadt nur 89,80 Euro für je zwei Ringe – in Grafrath mit zwölf Ringen kosten sie 248,20 Euro. Und da ist das Auto für den Weg zur S-Bahn-Station noch gar nicht drin.

David Costanzo

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