Waldbesitzerin ist fassungslos

Unbekannte köpfen Marienfigur im Wald

Ebersberg - An einem lauschigen Fleckchen mitten im Wald war ihr Platz. Umringt von Grün kniete die Mutter Gottes aus Stein acht Jahre lang auf einem großen Baumstumpf im Reiter Gassl in Ebersberg. Jetzt wurde sie geköpft.

Regina Faßrainer war fassungslos, als sie am Sonntagabend den Anruf bekam. Eine Bekannte aus Haselbach war dran. „Sitz dich erst einmal nieder“, hatte die Frau ihr aufgeregt geraten. Die Haselbacherin berichtete: Sie käme gerade von einem Spaziergang im Wald zurück. Sie wollte zur Marienfigur, dort einen Blumenstock nieder legen. Und dann der Schock. Die Heilige Gottes Mutter mit ihrem Sohn im Arm wurde geschändet. Täter hätten die Maria mit Steinen beworfen, zu Boden geworfen und ihr sogar den Kopf runter gerissen. Auch der Arm fehle. Faßrainer war sprachlos.

Vor acht Jahren hat sie die etwa einen Meter hohe Figur aufgestellt. „Aus Dank und Gefallen“, sagt die Waldbesitzerin. Dort musste nämlich kurz zuvor eine große Buche abgeholzt werden. „Sie war dürr“, erklärt Faßrainer. Mit einer Mordsaktion taten die Waldarbeiter den Riesen-Baum um. Erleichtert war Faßrainer als die 17 Ster Holz zu Boden fielen und niemand verletzt wurde.

„Das Fällen war nicht ungefährlich“, sagt sie. Aus Erleichterung stellte Faßrainer zusammen mit ihrem Bruder Benno die Pieta auf dem Riesen-Stumpf auf. „Eigentlich stehen solche Figuren nur an Orten, an denen jemand umgebracht wurde“, sagt Faßrainer. Doch ihr gefiel die Idee von einem kleinen Ort der Besinnung trotzdem. „Dafür wollte ich nicht extra einen umbringen müssen“, sagt sie schmunzelnd.

Regelmäßig schaute sie bei der Maria und ihrem Sohn vorbei. Und nicht nur sie. „Das ist ein Ort zum inne halten“, sagt Faßrainer. Spaziergänger, die dort vorbeikämen, blieben gerne stehen, sagt sie. Sie kann die Tat nicht fassen.

„Ich verzeihe dem Täter. Den Rest muss er aber mit dem Herrgott ausmachen“, sagt Faßrainer ernst. Ihre Rache sei die Vergebung. Deshalb habe sie die Polizei nicht verständigt. „Die können eh nichts machen“, glaubt Faßrainer. Sie will ihre Steinfigur so gut es geht reparieren. Sie soll bald wieder auf dem Baumstumpf knien.

Carolin Nuscheler

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