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„Schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste“

Ärger mit Personal: Pächter machen ihren Gasthof dicht

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„Das Schönste, was ich je gemacht habe“: Stefan Schreyegg mit Ehefrau Tanja. 

Nach fünf Generationen ist in einer Traditionswirtschaft Schluss: Stefan und Tanja Schreyegg stellen den Betrieb ein. Vorangegangen war auch Ärger mit dem Personal.

Unering– Ein Zettel am Fenster verrät noch nichts von der großen Entscheidung, die die Familie Schreyegg in der vergangenen Woche endgültig getroffen hat: „Betriebsurlaub bis 31. Januar“, steht da nur geschrieben. Doch auch nach Ende des Monats werden die Türen des Gasthofs Schreyegg in Unering verschlossen bleiben: Tanja und Stefan Schreyegg stellen den Betrieb ein. Und suchen nun für die Wirtschaft einen Pächter.

„Das ist die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste.“ Stefan Schreyegg (48) steht ein bisschen unglücklich im Wirtsraum des alten Gasthofs, der seit 1856 zu den prägenden Gebäuden des Seefelder Ortsteils Unering gehört. Gerade ist er mit seiner Frau Tanja (48) aus dem Urlaub zurück. Fünf Tage Venedig und viele Gespräche liegen hinter den beiden. „Wir wollten herausfinden, ob es die richtige Entscheidung ist“, sagt Stefan Schreyegg.

Diese war mehr oder weniger schon um Silvester herum gefallen. „Vor Weihnachten haben unsere zwei Küchenhilfen gekündigt, wir haben dann auch den Koch nach Hause schicken müssen“, erzählt Stefan Schreyegg. Zusammen mit allen Auflagen, der Dokumentationspflicht und vor allem der ewigen Suche nach Personal habe es dann einfach gereicht. Klar, man hätte die Ansprüche an die Küche und den Service senken, die ganze Sache einfacher machen können. „Aber das wollten wir nicht.“ Also sei immer die ganze Familie gerannt.

Drei Töchter haben die Schreyeggs, 15, 21 und 24 Jahre alt. Die beiden Großen sprangen ein, wann immer es nötig war – und das war oft. „Wir haben das nicht eingefordert, aber sie haben sich doch irgendwie verpflichtet gefühlt“, sagt Tanja Schreyegg, die selbst in Gilching als Erzieherin arbeitet. Eine Entwicklung, die auch der Ehemann und Vater mit Sorge sah. „Ich muss meine Familie schützen. Die Kinder haben ein Recht auf ihr eigenes Leben.“

Stefan Schreyegg ist in der Stube über dem Wirtsraum geboren worden, „die Wirtschaft war unser Wohnzimmer“. Seine Eltern führten den Gasthof seit den 1950er-Jahren. Mutter Anna leitete das Wirtshaus später alleine, denn Vater Josef starb, als Stefan Schreyegg vier Jahre alt war. „Meine Mutter war eine Sensation“, erinnert sich ihr Sohn. 2002 übernahm dann Bruder Josef die Wirtschaft. Er öffnete jedoch nur unregelmäßig. Als er zehn Jahre später im Alter von 50 Jahren überraschend starb, wechselte Stefan Schreyegg vom Vertrieb der Seefelder Möbelwerkstätten in die Wirtschaft – und übernahm damit in fünfter Generation. Die Schreyeggs ließen das Gebäude aufwendig kernsanieren. Es ging aufwärts.

Immer mehr Kummer mit dem Personal

Der Kummer mit dem Personal jedoch blieb – und wurde immer größer. „Wir haben bestimmt an die 20 Menschen die Arbeit und die Sprache beigebracht. Wenn sie es konnten, waren sie weg“, sagt Tanja Schreyegg. Dabei konnten die Angestellten in den drei kleinen Appartements im Gasthof günstig wohnen, die Schreyeggs halfen bei Behördengängen, „und wir haben auch gut gezahlt“. Alles vergeblich, auch Anzeigen hatten zuletzt keinen Erfolg. Und dann noch die Auflagen der Behörden, auch bei der Arbeitszeit. „Heute darfst du die Leute ja gar nicht länger arbeiten lassen, auch wenn sie es unbedingt wollen“, erklärt Stefan Schreyegg.

Das seit April 2017 in Germering lebende Paar hat nun die große Hoffnung, dass sich für den alten Gasthof ein Pächter findet. „Wir können uns da alles Mögliche vorstellen“, sagen sie. Über die Höhe der Pacht möchte Stefan Schreyegg nichts sagen, nur so viel: „Uns geht es vor allem um eine gute Lösung für die Wirtschaft.“

Stefan Schreyegg zieht trotz allem positive Bilanz

Was geschieht, wenn niemand übernehmen will, darüber will Stefan Schreyegg gar nicht nachdenken. „Dann kommen hier Wohnungen rein“, sagt er und lässt den Blick über die holzgetäfelten Decken und Wände, das alte Mobiliar schweifen. „Das ist hier alles noch original. Und die Küche ist neu, der Brandschutz stimmt. Ein neuer Pächter braucht nichts zu investieren.“ Er selbst hat die Fühler beruflich in eine andere Richtung ausgestreckt, da ist aber noch nichts spruchreif. Über die Zeit als Wirt zieht Stefan Schreyegg eine rundum positive Bilanz: „Es war das Schönste, was ich je gemacht habe.“

Interessenten können sich unter  (0 81 53) 34 09 oder 01 51/54 61 08 40 mit Stefan Schreyegg in Verbindung setzen. Für Stammgäste, Familie und Freunde wird es Ende Januar, Anfang Februar ein Abschiedsfest geben.

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