In Emmering

Gaswolke ausgetreten: Verletzte bei Chemieunfall

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Die Feuerwehr im Einsatz.

Emmering - Eine Gaswolke hielt 80 Einsatzkräfte des Landkreises Dienstagfrüh in Atem. Entstanden war sie bei einer chemischen Reaktion in der metallverarbeitenden Firma Galvano Weis in Emmering.

2.30 Uhr in den Räumen der Firma in der Unteren Au: Ein 42-Jähriger Mitarbeiter der Nachtschicht will Schmutzwasser neutralisieren. Er muss die Flüssigkeit reinigen, bevor er sie entsorgen kann. Doch dabei geht etwas schief, verschiedene Stoffe reagieren unkontrolliert miteinander, es entsteht eine Gaswolke. Die zieht weiter in die Betriebshalle. Der 42-Jährige und ein Kollege (37) atmen die giftige Luft ein und ziehen sich leichte Verletzungen in den Atemwegen zu.

Kurz darauf geht ein Notruf bei der Integrierten Leitstelle (ILS) in Fürstenfeldbruck ein, die Notrufe koordiniert. „Je nachdem, was der Anrufer sagt, wird ein bestimmtes Paket an Einsatzkräften alarmiert“, sagt Einsatzleiter und Kreisbrandrat Hubert Stefan.

Geht es um Gefahrengut – wie in diesem Fall – wird eine Kombination aus vier Spezial-Wagen samt Besatzung alarmiert: Die Messeinheit Gröbenzell (messen austretenden Stoffe), der Gerätewagen Gefahrengut (hat spezielle Schläuche und Behältnisse dabei), der Gerätewagen Atemschutz aus Fürstenfeldbruck und die Dekontaminationseinheit (Befreit die Schutzkleidung von Gefahrenstoffen) aus Unterpfaffenhofen-Germering.

In Emmering kommt als erstes die Messeinheit zum Einsatz. „Wir müssen wissen, um welchen Stoff es sich handelt und welchen Wirkradius er hat – erst dann können wir entsprechend reagieren“, erklärt Stefan. Glücklicher Weise können die Gröbenzeller Feuerwehrleute diesmal schnell Entwarnung geben. Der Galvano-Mitarbeiter bekommt den Reaktionsprozess unter Kontrolle. Außerhalb des Firmengeländes wird kein Gas gemessen, für die Anwohner besteht keine Gefahr. Claudius Weirauch, Kommandant der Gröbenzeller, kann erstmal aufatmen.

Trotzdem dürfen die Einsatzkräfte nur mit Atemschutzmasken in das Gebäude. In Behältern auf ihren Rücken haben sie komprimierte Luft dabei. Sie reicht etwa 30 bis 45 Minuten. Die Männer ziehen auch Gummistiefel an, bevor sie den betroffenen Bereich betreten. „Man weiß ja nicht, was einen erwartet“, so Hubert Stefan. Er koordiniert den Einsatz in Emmering. Ganz wichtig sind für ihn die Pläne der Firmen-Gebäude. „Sonst wüssten wir nicht, wo wir genau hin müssen.“

Ebenso wichtig ist es, den Überblick über die vielen Einsatzkräfte zu behalten. Nebem dem Team für Gefahrenstoffe sind die Feuerwehren Emmering, und Olching angerückt. Brucker Polizisten sichern den Einsatzort. Sanitäter und Notärzte untersuchen sieben Mitarbeiter des Unternehmens, die sich in dem Gebäude befanden, als der Unfall passierte. Keiner hat ernsthaft etwas abbekommen. Der 42-jährige Angestellte, dem das Malheur passierte, und sein Kollege werden zur Überwachung ins Krankenhaus gebracht, aber am gleichen Tag noch entlassen.

Bilder vom Unfallort

Chemieunfall in Emmering: Ein Verletzter

Und auch die Firma nimmt den Betrieb wieder auf. Bei Galvano Weis arbeiten insgesamt 65 Angestellte in der Metallbeschichtung. Seit 1997 hat das Unternehmen seinen Sitz in Emmering. Obwohl es keine schweren Verletzungen gab, haben die Brucker Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft München II nun die Ermittlungen aufgenommen – auf fahrlässige Körperverletzung.

Von Verena Usleber

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