Wirt schildert Schiffsunglück der tz

"Meine Gäste sprangen in den See"

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Es gab fünf Verletzte bei dem Unfall

Starnberg - Christian Sterr ist der Inhaber des schicken Orange Beach Club in Starnberg, dessen Anlegesteg die MS Seeshaupt ­Freitagabend gerammt hat. Gegenüber der tz erinnert sich der Wirt an den Unfall.

"Das geht schief, dachte ich. Ich sah diesen 60 Meter große Koloss auf den Steg ­zusteuern und wusste sofort: Das wird gefährlich, ich muss die Gäste warnen“, sagt Christian Sterr. Er ist der Inhaber des schicken Orange Beach Club in Starnberg, dessen Anlegesteg die MS Seeshaupt ­Freitagabend gerammt hat.

Christian Sterr

Zwei Tage nach dem Schiffsunglück sitzt dem Wirt noch immer der Schreck im Nacken. In der tz erzählt er von dem Vorfall: „Ich stand am späten Nachmittag hinter der Bar. Wir hatten etwa 25 Gäste auf dem Steg sitzen.“ Sie konnten nicht ahnen, dass ein tonnenschweres Schiff ihr Leben gefährdet. Kurz nach 18 Uhr der Schock: Die MS Seeshaupt hat gerade die letzten Passagiere am Starnberger Dampfersteg abgeliefert, will zurück zum Hafen – und fährt rückwärts, um den Bogen besser zu kriegen. Doch das Manöver geht schief! „Die komplette vordere Seite unseres Steges wurde durch den Aufprall eingedrückt. Ich hatte Angst um meine Gäste und habe gerufen: Achtung, alle runter vom Steg!“

Neue MS Seeshaupt rammt Steg in Starnberg

Neue MS Seeshaupt rammt Steg in Starnberg

Panisch retten sich die Beach-Club-Besucher mit einem Sprung in den Starnberger See. „Ich bin sofort zu unserem Strand gelaufen, um ihnen herauszuhelfen“, sagt der Wirt. „Zum Glück wurde niemand schwer verletzt.“ Noch ist die Unfallursache nicht geklärt. Bereits am Wochenende waren die ersten Gutachter im Einsatz. Sterr: „Die Herren haben den Steg genau untersucht. Momentan ist er noch gesperrt, es kann niemand drauf. Der Strand ist aber geöffnet.“

Grund für den Unfall ist wohl ein technischer Defekt der Schiffsmaschinen. „Man muss sehen, ob dieser vorlag. Es gibt viele offene Fragen“, sagte Polizeichef Norbert Reller dem Starnberger Merkur. Für ein menschliches Versagen gibt es derzeit wenig Anhaltspunkte. „Eine erste Überprüfung ergab, dass Kapitän und Steuermann absolut fahrtüchtig waren. Es wird noch ermittelt“, sagt Werner Langer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf tz-Anfrage. Auch er vermutet ein technisches Versagen – obwohl die Seeshaupt erst vor zwei Wochen in Betrieb ging. „Die Staatsanwaltschaft München II hat ein technisches Gutachten angeordnet. Die MS Seeshaupt ist vorläufig sichergestellt“, sagt Langer. Das Schiff ist sogar verplombt. Mittlerweile ist klar: Der Schaden beträgt rund 10 000 Euro. Ein Schiffsgutachter wird den Unfallhergang ab heute aufklären. „Ich erwarte Schadensersatz“, sagt Christian Sterr.

A. Thieme

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